Honduras (Juli 2012)

Von der salvadoreanischen Grenze bis zu den Bay Islands

Honduras, was erwartet uns wohl in diesem Land? Wir sind gespannt. Zuerst gibt es einmal eine neue Währung, den Lempira. Der ist gar nicht so leicht zu bekommen, denn in Nueva Ocotepec, dem ersten größeren Ort hinter der Grenze ist der erste Geldautomat geschlossen, der zweite ist kaputt und der dritte will unsere Kreditkarte nicht lesen. Nach einigem Hin und Her tauschen wir in einem Hotel ein paar unserer Notfall-Dollarnoten in die honduranische Währung ein.

Nueva Ocotepec ist ein nicht sehr ansprechender Durchgangsort. Wir haben uns ein kleines Zimmer in einem Hotel, in dem auch die Busfahrer absteigen, genommen. Ja, Absteige trifft es ganz gut. Das Zimmer ist winzig, stickig, dunkel, mückig und muffig. Kaum kriegen wir die abgeladenen Fahrräder hinein. Unsere Mückennetze befestigen wir mit Klebeband an den Wänden.

Wir durchradeln mal wieder bergiges Gebiet. Im Gegensatz zu El Salvadors Bevölkerungsdichte gibt es in der südwestlichen Region Honduras etwas weniger Bewohner. Wir bestaunen schroffe Felswände mit Kiefern überzogen, ohne Häuser, ohne Menschen. Abfahrten in Hochtäler würzen die sonst recht müßige Kurbelei.

Unsere ersten Eindrücke in Bezug auf die Menschen in diesem Land sind zweigeteilt. Sie scheinen zurückhaltender und distanzierter als ihre Nachbarn zu sein. Die Bevölkerung wirkt oft heruntergekommen und sehr arm. Laut und teilweise aggressiv ertönen in unsere Richtung Gringo-Schreie aus den Hütten, die aus Brettern und Plastikplanen gebaut sind. Aber auch untereinander unterhalten sich die Leute sehr laut, oftmals schreiend.

In einer Mittagspause in einem kleinen Kaff treffen wir den spanischen Reiseradler Salva. Auf Salva treffen wir nun zum zweiten Mal, nur diesmal bietet sich Gelegenheit sich auszutauschen. Er befindet sich gerade auf dem letzten Abschnitt seiner sechsjährigen Weltreise und „muss“, so wie wir, nur noch bis Ushuaia radeln. Wir unterhalten uns eine Weile. Währenddessen laufen junge Burschen mit fetten Pistolen in den Hosenbünden an uns vorbei und erstehen Süssgebäck in der Bäckerei.

Wenn (ehemalige) Fünftklässler Waffen tragen

Es ist unsere zweite Nacht in Honduras, wie gewohnt haben wir bei einer nett erscheinenden Familie gefragt, ob wir in ihrem Garten unser Zelt aufschlagen können. Sie haben drei Kinder, einen zehnjährigen Sohn, eine Tochter, die etwas jünger ist und eine ganz kleine Tochter. Die Mittlere scheint eine Art Nanny-Funktion zu haben. Sie wird insbesondere von der Oma andauernd angehalten hinter der Kleinsten hinter her zu rennen. Die Oma sitzt auf ihrem Stuhl, verscheucht mit der Fliegenklatsche lästige Tierchen und kommandiert ohne Worte, nur mit Pfeiff- und anderen Lauten herum.

Wir sind die Attraktion. Es kommen mehr und mehr Jugendliche vorbei. Sie schauen uns, die Räder und das Zelt an. Hardy unterhält sich mit einem von ihnen, die anderen stehen stumm dabei. Er ist siebzehn Jahre alt. Bis zur fünften Klasse ging er in die Schule, in die escuela. Ab der Sechsten geht man hier ins colegio und ab dann kostet es. Nur die ersten fünf Schuljahre sind gratis in diesem Land, darum geht kaum jemand länger zur Schule. Auch nicht alle Kinder besuchen sie, denn eine Schulpflicht gibt es nicht. Costa Rica ist das einzige Land Mittelamerikas, wo jene gesetzlich verankert ist, lernen wir später.

Etwa mit 11 Jahren war Hardys Gesprächspartner mit der Schule fertig. Was er danach gemacht habe, fragt Hardy. „Nichts, hier und da ein bisschen gearbeitet.“ lautet die Antwort. Was er denn später mal machen will? Das weiß er nicht, da muss er sich mal Gedanken drum machen, doch eine Perspektive hat er nicht. Wahrscheinlich wird er weiter mit der Machete auf dem Land arbeiten.

Bereits am Mittag hatten wir junge Kerle herumrennen sehen, mit dicken Wummen in den Gürteln geklemmt. Hardy nutzt die Chance und fragt nach: „Haben hier viele Leute Waffen? Ist es hier normal, dass alle ihren Waffen tragen?“ – „Ja, fast jeder hier hat eine Pistole. Manche tragen sie offen, manche versteckt. Es ist eigentlich verboten. Wird man von der Polizei erwischt, muss man eine Strafe zahlen.“ Er selbst habe keine Waffe, holt dann aber sein riesiges Klappmesser heraus und macht sich damit die Fingernägel sauber.

Dann erscheinen zwei betrunkene Männer auf der Bildfläche. Der Eine hat auch ein fettes Messer im Gürtel zu stecken. Sie sind natürlich an uns interessiert. Wir haben da gar keinen Bock drauf. Wir überlegen sogar, schnellst Zelt und Zeug zu packen, um ein Hotel zu suchen. Aber es ist bereits kurz vorm Dunkelwerden und so keine gute Zeit, um auf der Straße unterwegs zu sein. Hardy schnappt sich den Familienvater und beschreibt ihm unsere Lage und Gedanken. Dieser sagt, die Leute sind alle wegen uns gekommen und werden bei Dunkelheit abhauen, auch die Betrunkenen. Die Familie ist sehr nett und bemüht sich um uns. Die Betrunkenen werden von uns weg ins Haus gelotst. Opa und Oma der Familie trinken mit den beiden Bier und werden in kürzester Zeit auch betrunken. Uns fällt auch auf, dass die drei Kinder von der Bildfläche verschwunden sind. Auch die Frauen ziehen sich still zurück. Oh man, wo sind wir nur gelandet? Doofe Situation, wir fühlen uns super unwohl, können aber auch nicht weg. Was ist nun sicherer?

Dann gehen auch die Betrunkenen, bzw. Einer fährt in seinem Pick Up davon. Leben kehrt in die Familie zurück. Alle scheinen erleichtert, dass sie weg sind. Uns wird erklärt, dass es gut so sei, da der Opa zum trinken neigt. Auch die Kinder kommen vors Haus und tollen herum. Der Zaun in der Einfahrt wird geschlossen. Wir sind erleichtert und verziehen uns ins Zelt. Uns wird mehrfach versichert, dass wir hier sicher seien und nachts sicher keiner kommt.

Gegen Mitternacht hören wir dann komische Geräusche, die wir nicht einordnen können. Ein Wimmern folgt. Plötzlich sind alle der Familie wach und auf den Beinen. Wir sitzen senkrecht im Zelt und versuchen die Wortschwalle zu verstehen. Der Betrunkene hatte wohl in der Einfahrt oder nahebei geparkt und war dann in seinem Auto eingeschlafen. Drei Menschen, mit Macheten bewaffnet, kamen des Weges, überfielen ihn, raubten sein Auto und verletzten ihn mit der Machete im Gesicht und am Rücken. Wir hören ihn wimmern und klagen. Die Familie ist in Aufruhr und verarzten ihn. Dann wird der jefe angerufen, der Dorfchef? Die Polizei alarmiert niemand, ist wohl keine Hilfe von deren Seite zu erwarten.

Lange können wir nicht einschlafen, wälzen uns hin und her. Was für eine Nacht, was für ein Abend. Wir beschließen aufs Geld zu scheißen und ab jetzt Hotelzimmer hier in Honduras zu nehmen.

Als wir am folgenden Morgen müde die Räder packen, kommt das süße kleine Mädchen der Familie hinzu, verfolgt mit großen Kulleraugen neugierig jeden unserer Handgriffe. Sie ist über zwei Jahre alt, kann kaum ein Wort sprechen. Ach ja, sie wird von ehemaligen Fünftklässlern erzogen. Traurig.

Hierzu sei aber auch ausdrücklich gesagt, dass sich die Menschen ihre Situation bestimmt nicht aussuchen. Honduras gilt als das Armenhaus Mittelamerikas. An oder unter der der absoluten Armutsgrenze sollen 80% der Bevölkerung leben. Eine Affinität zu Waffen in Verbindung zu einem geringen Wert des Lebens bewirkt eine alltägliche Gewalt, die seinesgleichen sucht. Honduras ist eines der Länder mit der höchsten Mordrate. Wir erleben größte Vorsicht. Kein Laden ist betretbar, die Waren werden durch schwere Gitter hindurch gereicht.

Von diesem Erlebnis so geschockt, setze ich mich durch, so dass wir in den folgenden Nächten immer in einem Hotel oder einer hospedaje schlafen. Auch tagsüber fühle ich mich sehr unwohl. Ich möchte am Liebsten immer in Bewegung sein und bloß nicht anhalten. Auch nur die Kamera herauszuholen finde ich gefährlich. Das ist das erste Land auf unserer Reise, in dem es mir so geht. Vielleicht übertreibe ich oder steigere mich da hinein, Hardy ergeht es nicht ganz so heftig.

Über die unspektakulärere Stadt La Entrada fahren wir in Richtung Tela und La Ceiba an die Karibikküste. Unsere Pläne auf Nebenstraßen durch die Berge zu gondeln werden aus Sicherheitsgründen geknickt. Von Passanten und einem Polizisten erfahren wir, dass dies einfach zu gefährlich sei. „Auf den Nebenstraßen gibt es viele maras, viele Banden“, meint er. Wir sollen bloß nicht die Hauptstraße verlassen.

Wir fahren nicht, wir fliegen. Wir schaffen Etappen von über 100km, die wir bereits am frühen Nachmittag erledigt haben.

Dabei beradeln wir, vor Schweiß triefend, die dampfenden Tiefebenen des Landes. Das feuchtheiße Klima ist echt gewöhnungsbedürftig. Wir passieren viele ordentlich geometrisch angelegte Ananasfelder, machen auch mal an Straßenständen halt, genießen frische Früchte und trinken gekühlte Kokosnussmilch. Es ist auch ein bisschen schön.

Utila

Von unsren beiden Berliner Mitbewohnern infiziert, die ihrerseits begeisterte Taucher-Lehrer sind, wollen wir es auch einmal ausprobieren und unsere Bikes gegen Schwimmzubehör eintauschen. Auf der Karibikinsel Utila planen wir einen Anfängertauchkurs zu machen. Wir sind sehr gespannt, ob dieser Sport etwas für uns ist.

Eine Fähre bringt uns geschwind von La Ceiba auf die Insel Utila. Sie liegt etwa 50km vor der Nordküste Honduras. Um sie herum gibt es das zweitgrößte Wallriff der Welt. Korallen, diverse Fischarten, Rochen, Schwämme, Schildkröten und Walhaie sollen hier beheimatet sein.

Anstatt Spanisch wird hier hauptsächlich Englisch gesprochen und das mit breitem karibischen Akzent. Die Vorfahren der Insulaner kommen aus Afrika und kamen einst her, um auf den Bananenplantagen zu arbeiten. Aber auch englische, schottische oder irische Wurzeln sind manchen Leuten deutlich anzusehen. Es ist nicht ungewöhnlich in ein hellrosanes Gesicht mit blauen Augen und rötlichen Haaren zu blicken.

Der Hauptteil der Bevölkerung Utilas lebt in der kleinen Stadt East Harbour. Hier drängen sich die Häuser dich an dicht. Einige sind grau und runtergekommen. In den Gassen müssen wir beim Schlendern, und viel mehr ist auch nicht drin, denn es ist unerträglich heiß, stark aufpassen, nicht von einem der wie irre dahin brausenden Motorräder oder Golfbuggies über den Haufen gefahren zu werden. Die Gässchen sind eng und im schlechten Zustand, der Verkehr dafür um so rabiater. Müll liegt herum. Hotels und Tauchschulen gibt es zuhauf. Deren Mitarbeiter gehen, stellen wir nur einen Fuß auf den Pier, untereinander streitlustig auf Kundenfang. Von allen Seiten werden wir zugelabert. Das müssen wir erstmal alles sacken lassen und ankommen. Wir gewinnen die Insel jedoch lieb, wenn auch erst auf den dritten Blick.

Schließlich landen wir beim Tauchshop Paradise Divers gleich östlich des Fähranlegers. Hier sind auch schon unsere Radlerfreunde Raul und Marta, die wir das letzte mal am Lago Atitlán trafen. Sie hatten eine Empfehlung eines Freundes bekommen und wir beschließen den Kurs zu viert zu machen.

Paradise Divers ist einer der günstigsten Tauchschulen auf der Insel. Zwei Tauchlehrer führen den Laden, zudem macht Ramiro gerade seinen Divemaster und ist auf den Tauchgängen mit dabei. Die Tauchschule besteht aus zwei Gebäuden gleich am Wasser. Wir beziehen überhalb der Rezeption ein recht runtergerocktes Zimmer. Neben einer Küche gibt es draußen eine Terrasse. Paradies Divers ist einer der wenigen von locals geführten Tauchschulen. Der Pier fungiert auch als öffentliche Anlegestelle der Gemeinde, so dass sich Gestalten allerlei Couleur, neben den Tauchgästen hier herumtreiben…

Sogleich fangen wir mit der Theorie in Form von Lektüre eines Paddy-Videos an. Später folgt die Besprechung der Theorie mit unserem Tauchlehrer Pelao. Der hält den Kurs auf englisch. Da er jedoch Spanier ist und einen krassen spanischen Akzent hat, ist sein englisch sehr schwer zu verstehen und wir stellen Fragen so lieber auf Spanisch.

Am folgenden Morgen geht es sogleich ins Meer. Leider ist das tauchschuleigene Boot kaputt, so dass wir und die anderen Taucher uns alle in ein kleines, gemietetes Boot quetschen. Tauchausrüstungen liegen herum, wir können uns kaum bewegen. Dann heißt es über Board in die Wellen springen und im Wasser das Jacket mit dem Tank dran anziehen und mal eben zum Strand schwimmen. „Dabei könnt Ihr ja schon mal den Lungenautomat ausprobieren und Unterwasser atmen“, meint unser Tauchlehrer. Mir geht das alles viel zu schnell. Ich bin mit dem ganzen Equipment überfordert und weiß auch nicht, wie ich meine Beine bewegen soll, um mit diesen Schwimmflossen voran zu kommen. Bei den anderen sieht das alles so leicht aus. Das alles, den Kopf Unterwasser zu haben und dazu noch durch dieses Ding atmen überfordert mich, dazu all die Wellen und die Strömung. An Strand geht’s es Unterwasser gleich los mit den Übungen. Alles geht fix, wischiwaschi und recht schnell. Als ich an der Reihe bin bei einer Übung das Atemgerät aus dem Mund zu nehmen, dann auszublasen und wieder hindurchzuatmen breche ich ab. Ich hab Panik und fühle mich nicht wohl, kann weder dieser Tauchschule, noch unserem Tauchlehrer vertrauen. Letztendlich fühle ich mich mit meiner Entscheidung sehr wohl und verbringe die folgenden Tage relaxend an Land, um lang ausstehende Blogartikel zu verfassen.

Hardy zieht den Kurs durch, obwohl alle drei überlegen aufgrund von Vertrauensmangel und diverser weiterer Mängeln die Tauchschule zu wechseln. Dies hätte jedoch größere Mehr-Kosten nach sich gezogen. Ein Gespräch mit dem Tauchlehrer bringt wenigstens etwas mehr Ruhe in die Sache.

Letztendlich haben die drei doch ein schönes Taucherlebnis und können sich nun offiziell als (Anfänger)-Taucher bezeichnen. Im weiteren Verlauf des Tauchkurses wird auch das Tauchboot repariert, es wird bequemer und entspannter und auch die Übungsgeschwindigkeit nimmt ab. Zusammen sehen sie Rochen, spektakuläre Krebse und die wildesten Korallenbestände.

Trotz der Einblicke in wunderbare Unterwasserwelt erklärt Hardy später im Tauchen wohl nicht seine Erfüllung zu finden. Es sei bisher mehr ein Kino-ähnliches Erlebnis gewesen, auch mit Preisen, die auf eine Ebene mit Luxuskinobesuchen in Europa zu stellen sind. Er vergleicht es oft mit dem Klettern, wo hingegen im Sport ein Miteinander und unmittelbares gemeinsames Erleben und Kommunikation möglich sei.

Das Tolle an unsere Tauchschule ist das Miteinander. Auf der Terrasse hängen wir zusammen mit den Tauchlehrern und den anderen Tauchschülern herum und kochen oft gemeinsam. Jeden zweiten Tag kocht Ramiro für alle. Das erinnert uns stark an unsere Vokü-Zeiten daheim in Berlin. Mal gibt es Pizza a la parilla (vom Grill) und mal einen Grillabend.

Einen Tag verbringen wir auf dem wunderschönen unbewohnten Water Cay. Palmen säumen die kleine, unbewohnte Insel. Um sie herum gibt es tolle Korallen, die eifrig beim Schnorcheln betrachtet werden. Als große Gruppe genießen wir das sanfte, türkisfarbene Meer und spazieren einmal komplett um die Insel. Der alte, etwas verrückte, aber sehr liebenswürdige Fischer Zorro bringt uns hin und holt uns am Nachmittag wieder ab. Auf der Rückfahrt sind die Wellen recht hoch. Sein kleiner Kahn springt hoch und runter. Die Wellen schwappen über die Boardwand in unsere Gesichter. Gut das wir unser Schnorchelequipment bei uns haben. Mit Taucherbrillen bewaffnet sitzen wir bald im wackelnden Kahn.

Zorro wohnt auf einem Cay gleich nebenan. Den zeigt er uns stolz. Dicht an dicht stehen darauf die kleinen Häuser. Es gibt keinen Platz für ein weiteres. Jeden Tag kommt Zorro an den Steg unserer Tauchschule, um dort seine gefangenen Fische zu putzen und sie zu verkaufen. Wir sind auch fleißige Abnehmer. Er erzählt, dass er fast nichts mehr fängt und es sehr schwierig geworden sei. Früher habe er sein ganzes Boot voll bekommen. Aber heute tauchen erwartete Fischschwärme gar nicht mehr auf.

Die höchste Erhebung der Insel, den Pumpkin Hill, bewandern Hardy und ich natürlich. Ein echt toller blick erwartet uns oben. Wo wir auch hinblicken, uns umgibt zu allen Seiten Wasser. Die Insel ist echt klein.

Von den Bay Islands auf nach Nicaragua

Zusammen mit Marta und Raul wuchten wir die Räder und diverses Gepäck auf ein kleines Frachtschiff, dass uns Sonntags wieder zurück aufs Festland schippert. Die Wellen wackeln das Gefährt recht gut durch, bis auf Raul werden wir alle seekrank.

Um drei Uhr nachmittags sind wir endlich angekommen und machen drei Kreuze. Es ist bereits zu spät, um noch weiter zu radeln, so suchen wir zusammen ein Hotel. La Ceiba soll sehr gefährlich sein. Die Straßen sind leer und ausgestorben, jetzt schon. Froh dann doch noch ein bezahlbares Zimmer gefunden haben, nehmen wir es auch in Kauf, die Räder eines nach dem anderen mit vereinten Kräften die steile Treppen hinaufzuwuchten. Dann fix zum Supermarkt und zurück ins sichere Hotel. Vom Nichts-Tun und dem Gewackel sind wir alle völlig fertig und verschwinden schnell in unseren Zimmern.

Am Morgen fahren wir zum Busbahnhof, denn wir wollen einen Bus bis nach El Progreso nehmen. Diese Strecke hatten wir bereits auf der Hinfahrt zur Küste beradelt und haben kein Bedürfnis dies ein zweites Mal zu tun. Die Busfahrt verläuft komplikationslos und wir radeln noch zwei Tage zusammen in Richtung Lago de Yojoa. Leicht wellig verlauft das Gelände. Felder und sanftes Grün zu beiden Seiten.

Kurz nach Talaubé besuchen wir die dortigen Tropfsteinhöhlen und fragen, ob wir nicht auf dem Gelände zelten dürfen. Es klappt und wir freunden uns auch gleich mit dem Nachtwächter an. Wunderschön können wir heute gleich neben dem Höhleneingang schlafen. Als es anfängt zu nieseln kochen wir im Schutz des Eingangs. Fledermäuse fliegen umher. Der Wind raschelt in den Baumkronen über uns.

Über Comayagua und Tegucigalpa fahren wir der nicaraguanischen Grenze entgegen. Ich muss sagen, ich bin froh auch diesen Teil Honduras zu bereisen. Einmal schlafen wir in einer Schule und einmal bei einem Gemeindezentrum einer bautistischen Kirchengemeinde. Wir fühlen uns sicherer. Die Menschen sind anders drauf, freundlicher. Auch die sichtbare Waffenpräsens nimmt ab. Mein erster, negativer, Eindruck verändert sich und klingt etwas ab.

Die stundenlange Durchquerung der Hauptstadt Tegucigalpa ist für uns beide sehr stressig. Mit uns kämpft sich eine Lawine aus dichtem Verkehr voran. Ewig zieht sich das Stadtgebiet hin, dazu ist auch teilweise auch noch recht steil.

Unsere letzte Nacht in Honduras verbringen wir im kleinen Ort El Paraíso. So stelle ich mir das Paradies aber nicht vor! Trist und heruntergekommen ist es hier. Auf dem Platz vor der Kirche werde ich von einem Betrunkenen zugelabert, der mir dreimal das Gleiche erzählt. Wie schön, das nach wie vor Betrunkenen von uns magisch angezogen werden.

In unser mini Hotelzimmer passen gerade so wir und die Bikes. Um von der Tür zum Bad zu kommen, müssen wir übers Bett steigen. Auch hier wird uns geraten bloß vor 19h wieder im Hotel zu sein. Machen wir ja. Abends hören wir draußen betrunkene Leute, Glas klirrt, es wird laut gehupt, Bremsen quietschen. Ich höre unseren Portiere folgenden Satz sagen, den ich bereits so einige Male wahrgenommen habe: „Honduras es bruto“ („Honduras ist brutal“).

Nach all den Ländern, die wir bisher bereist haben, ist Honduras das erste indem wir uns beide nicht wohl gefühlt haben. Das hatte zur Folge, dass wir uns sehr vorsichtig bewegt haben, was eine Fülle an Hotelübernachtungen nach sich zog. In den anderen Ländern haben wir immer von den Einheimischen gehört hier bei ihnen sei es sicher, aber da im Nachbarland dort sei es gefährlich. In Honduras erleben wir dies anders. Hier sagen beschreiben die Mensch ihr eigenes Land als sehr gefährlich, „Hier müsst ihr aufpassen.“

In der Galerie befinden sich weitere Fotos zu unserer Honduras-Etappe.

HondurasPermalink

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