Aus der Atacama-Wüste hoch über den Paso de Sico – von San Pedro de Atacama bis nach Salta (Chile-Argentinien / September 2013)

Es kribbelt in den Beinen und zieht uns weiter. Für uns ist es zu heiß und vor allem immer noch zu staubig, sandig und trocken hier in San Pedro de Atacama. Freudig wird jeder noch so kleine leicht grünliche Halm wahrgenommen, inne gehalten und begutachtet. Wir sehnen uns nach Leben! Es steht nicht zur Diskussion in der Atacama-Wüste gen Süden zu radeln. Auf nach Argentinien! Zu blöd nur, dass uns die Bergkette der immer noch sehr imposanten Anden im Weg steht. Ein weiteres Mal müssen wir rüber.

Also werden einmal wieder die Packtaschen mit Lebensmitteln vollbeladen, um auf dem Paso de Sico auf über 4000m die Anden zu kreuzen. Unser Freund Daniel, ein Reiseradler aus Österreich, hatte uns diesen Paso als eine der letzten unasphaltierten Perlen Südamerikas beschrieben. Wir sind gespannt. Bisher empfinden wir ihn nur als letztes ärgerliches Hindernis, welches es zu überwinden gilt, da es uns so sehr ins frühlingshafte, preiswertere Argentinien zieht, in dem wir uns endlich wieder die Bäuche voll schlemmen wollen.
Wir lernen schnell dazu. Über zwei Jahre Reisezeit und Erfahrungen und mehr als 28.000 gefahrene Kilometer sind noch nicht genug! Noch im Siegestaumel und geblendet von der eben bewältigten Lagunenroute in Bolivien unterschätzen wir beide diesmal die Zeit, die das Auf und Ab dieser Andenüberquerung in Anspruch nimmt sowie die Arbeitsintensität, die dahinter steckt. Außerdem tauchen wir schnell in eine Bergwelt ein, die atemberaubender ist als erwartet und die diesen Abschnitt zu einem Erlebnis für sich werden lässt!

Radeln in der Atacamawüste
Nach einem Besuch der chilenischen Migration in San Pedro de Atacama, um uns bereits an dieser Stelle den Ausreisestempel zu holen, kommen wir erst am Mittag los. Die Sonne steht hoch am Himmel. Ihre Wärme wird vom funkelnagelneuen Asphalt reflektiert.

Wir finden das alles nur klasse, schmieren uns eine dicke Schicht Sonnencreme auf die Haut und rollen seit ewigen Zeiten in T-Shirt und kurzen Hosen den Fahrtwind spürend auf dem breiten Seitenstreifen in Richtung Süden. Nicht nur, dass die wenigen uns überholenden Autos einen riesen Bogen um uns machen, nein sie setzen auch noch den Blinker beim links Aus- UND rechts Einscheren! Das gibt’s doch nicht!

Östlich von uns zieht sich majestätisch die stolze Bergkette der Anden dahin. Es ist schön sie mal aus dieser Perspektive ansehen zu können.
Wüssten wir nicht, dass wir uns in der trockensten Wüste der Erde befinden, würden wir es nicht glauben. Denn noch sehen wir Büsche, Sträucher und Bäume neben der Fahrbahn. Teilweise verdorrt und ausgetrocknet, stehen andere voll in der Blüte. Zaghaft grünt es. Wir hören sogar Bienchen summen! Als wir dann passend zum hereinbrechenden Hunger auch noch einen richtigen Picknickplatz im Schatten des Eingangs des Reserva Nacional de Flamencos finden, können wir es kaum glauben.

Auch hier nimmt der Wind am Nachmittag zu, aber es rollt dennoch sehr gut. Plötzlich weißt uns ein Schild den Abzweig zum nahen großen Teleskop ALMA. Das ist ja eine Überraschung! Erst jüngst wurde es fertig gestellt. Ein Radioteleskop mit einem Spiegel von bis zu 16km Durchmesser kann hier simuliert werden.

Im netten Örtchen Toconao besuchen wir nochmal einen kleinen Laden, um dann mit langen Schatten in der sich senkenden Sonne noch ein paar Kilometer zu fahren. Hier beginnt das, was die Chilenen „puro desierto“ („pure Wüste“) nennen. Die Landschaft ist karg, trostlos und trocken. Graues Geröll und Sand breiten sich schier endlos nach allen Seiten hin aus.
Wir kreuzen den südlichen Wendekreis und genießen es immer länger werdende Dämmerungen zu erleben! So lassen wir es uns natürlich nicht entgehen einmal in der Atacama-Wüste zu zelten. Die Bergkette neben uns wird fantastisch erst goldgelb und dann rosarot angestrahlt. Wir sitzen auf einem Sandhügel vor dem Zelt. Es ist gar nicht kalt. „Wie war es damals in der Wüste der Baja Californias im Norden Mexikos kurz bevor wir den nördlichen Wendekreis überquerten, vor einer halben Ewigkeit?“ fragen wir uns.

Auf zum Paso de Sico
Am Folgetag füllen wir im Dorf Socaire noch einmal alle Wasserflaschen auf. Die nette Verkäuferin eines kleinen Ladens schenkt uns Trinkwasser, welches extra aus San Pedro angeliefert wird, da das hiesige Leitungswasser Arsen-haltig ist.
Nachdem wir das Dorf passiert haben, hört wie erwartet der Asphalt auf. Im Vergleich zu unseren letzten Erfahrungen in Bolivien ist dies jedoch ein Traum von einer Schotterpiste! Wir fangen an uns auf dem harten Untergrund emporzuarbeiten. In zwei Tagen gilt es 2000 Höhenmeter zu erklimmen. Je mehr Höhe wir gewinnen, desto grüner wir das Gestrüpp. Es blüht! Nun fahren wir mit dem Frühling in den Sommer hinein, denken wir. Wenn wir hinter uns hinunter schauen, sehen wir das beige Meer der kargen Wüste sich unter uns ausbreiten. Diese gigantische Weite ist beeindruckend.

Am folgenden Morgen verdeckt eine dicke Wolkenschicht das strahlende Blau des Himmels. Wir haben einen Wetterwechseln. Interessant, diese Wolken können alles bedeuten. Nachdenklich schwingen wir uns auf die Sättel.
Eine wunderschöne Hochebene wird von Büscheln des Punagrases überzogen wie ein Hauch einer grünen Welle. Ein Schild mit dem Aufdruck „Paso Sico 71, límite con Argentina“ lässt Vorfreude aufkommen.

Wir erklimmen einen Pass und rollen wieder hinab, so geht es den ganzen Tag. Dann plötzlich riecht es komisch. Wir biegen um eine Kurve und der Salar de Aguas Calientes breitet sich vor uns aus. Wooow, was für ein Anblick! Wasserdampf schwebt vor den tief grauen Bergen empor. Davor breitet sich weiß, aber auch türkis der Salzsee mit der anschließenden Lagune aus. Malerisch umrahmen tief graue Berge das Ambiente.

Allzu weit kommen wir heute nicht mehr, denn ab dem Salar nimmt die Qualität der Piste deutlich ab. Wellblech und loser Schotter lassen fröhlich grüßen. Auch nimmt der Wind zu und es wird frisch. Oberhalb der darauffolgenden kleineren Laguna Toyaito finden wir einen aus Steinen gebauten Windschutz. Hier hat doch schon mal Jemand gezeltet! Wir sind auf 4000m, in der Nacht wird es wieder richtig kalt.

Bereits als der Wecker noch im Dunkeln klingelt, merken wir, das wir eingeschneit sind. Ein Wintereinbruch, wir wollten doch einfach nur in die Wärme! Es liegen 15cm Neuschnee. Die Flocken fallen weiterhin vom Himmel.
Dick angezogen machen wir uns auf die matschige Piste und fahren langsam voran. Gleich drei Fahrzeuge halten extra wegen uns an und wir werden gefragt, ob alles in Ordnung sei. Vom Letzten erfahren wir, dass weiter oberhalb wesentlich weniger Schnee läge. Das beruhigt uns sehr. Wir machen uns weiter auf den Weg, hinweg durch den dichten Nebel.

Als wir gerade die Fahrräder einen Hang hinaufschieben, kommt uns ein abrupt anhaltendes Carabinieri-Fahrzeug entgegen. Energisch steigen zwei Typen aus dem Wagen. Sie grüßen noch nicht einmal und stellen sich auch nicht vor. Der Oberotto verkündet uns sogleich in einem Ton, den Hardy leider nicht ernst nehmen kann, „Hier ist Schluss! Ihr haltet am nahen campamento der Mine el Laco an und bleibt da! Wenn ihr weiterfahrt, nehme ich euch fest!“ Nachdem Hardy noch nicht einmal echte Wiederworte von sich gegeben hat, sondern nur fragt „Warum?!?“ redet dieser äußerst sympathische Mensch nur noch mit mir. „Ich bin hier das Gesetz. Entweder ihr bleibt beim campamento oder ich nehme euch hier auf der Stelle fest!“ Ist ja wohl klar, für was ich mich entscheide. Mit quietschenden Reifen braust der Jeep davon. Wir schauen uns an und verstehen nur Bahnhof. Die folgenden 20km haben wir Zeit uns darüber den Kopf zu zermartern.

Am campamento der Eisenmine el Laco begrüßt uns deren Mitarbeiter Raúl freundlich. Wir werden in die Küche geführt und ein heißer Kaffee wird frisch für uns gebrüht. Er weiß sich auch keinen Rat, bekräftigt aber, dass der Carabinieri hier oben das Sagen hat. Die Carabinieri haben in Chile die oberste Polizeigewalt, da sie den Grenzverkehr regeln. Wir benötigen sein Okay, um den Paso de Sico queren zu dürfen, bzw. die Grenzlinie nach Argentinien zu passieren. Im schlimmsten Fall müssten wir halt hier bleiben und abwarten bis sich das Wetter legt, meint Raúl.

Als wir gerade bei der zweiten Marmeladenstulle angelangt sind, kommt auch schon unser Freund der Carabinieri angefahren. Es gibt weder ein Hallo, noch eine Erklärung. Wir sollen die Fahrräder auf die Ladefläche seines Pick Ups laden, er fahre uns jetzt hoch auf den Pass zum Grenzhäuschen. Es ist offensichtlich: Er will uns und damit sein Problem schnellstens loswerden. Wir müssen raus aus dem Land!
So holpern wir schweigend auf der matschigen Piste nach oben. Die Räder sind mit einem Seil auf der Ladefläche befestigt, aber sie schwanken und rutschen gewaltig. Hardy sagt das dem Typen und bittet ihn kurz anzuhalten, aber der meint, „Die Fahrräder sind fest“ und fährt einfach weiter. Hardy ist kurz davor die Tür aufzureißen, doch da kommen wir schon an. So ein Idiot! Wir sind froh nach 20km am Grenzhäuschen zu sein. Unsere Namen werden notiert und wir dürfen nun eigenständig weiterrollen.

Das machen wir auch gleich, nur anscheinend zu langsam, denn nach 3km kommt dieser Knilch schon wieder angebrettert. Wir sollen wieder aufladen, er bringt uns noch hoch zum nächsten Pass, damit wir keine Probleme haben. Widerrede ist zwecklos, zudem wollen wir uns mit dem Typen nicht anlegen, dabei könnten wir den Kürzeren ziehen. Abermals werden uns 20km schönster rauer Bergwelt geklaut. Wir können gar nicht schnell genug gucken, so rast die Landschaft an uns vorbei, hinter uns ein fetter Sturm.

Oben am Pass schneit es kaum mehr. Ab hier dürfen wir die letzten paar Kilometer bis zur Grenzlinie zwischen Chile und Argentinien wirklich alleine treten. Uns kommen vier Reisemotorradfahrer entgegen, in knappen Worten werden diese sogleich zur Umkehr bewegt. Der Pass ist nun aufgrund des Schneefalls geschlossen.

Wir haben Glück gehabt noch durchgekommen zu sein und rollen hinab, abermals durch irre Landschaft, die sich rasant verändert. Es schneit leicht. Wir werden von kräftigen Windböen hin und her geschubst.

Argentinien
Die Grenzlinie überspannt ein großes Schild. Es ist flach und steinig. Nichts wächst hier. In der Ferne zeichnen sich dunkle Wolken über dem nun westlich gelegenen Anden-Gebirgszug ab. Hier sind wir angekommen, in Argentinien, unserem letzten Land auf diesem großartigen Kontinent.
Etwas weiter hinab befindet sich die argentinische Grenzstation. Sie ist gerade im Bau, ab November soll hier auch die chilenische Grenzabfertigung stattfinden. Wir werden sehr nett empfangen und dürfen hier nächtigen. Wir bekommen sogar ein eigenes Zimmer mit einem Bett und werden sogleich in die warme Küche geführt. Es gibt sogar gut funktionierendes wifi. Mit den zwei freundlichen Grenzbeamten unterhalten wir uns bis in die Nacht hinein. Wie im Klischee macht der mate-Becher natürlich die Runden. Die Herzlichkeit tut gut und ist ein toller Einstieg in ein neues Land nach dem abschreckenden Erlebnis mit unserem Carabinieri. Es wird nach ihm gefragt, anscheinend ist er hier bekannt…
Als wir dann Abends in unsere Schlafsäcke steigen fällt mir etwas auf. Auf das Ding an der Wand starrend frage ich Hardy: „Sag mal, kann es sein, dass wir unseren letzten Heizkörper in den Vereinigten Staaten gesehen haben?“

Am folgenden Morgen hat sich der Wind gelegt. Ein schönstes Wetterchen lässt uns in den Tag starten. Wir machen uns auf durch Sand und Wellblech dem nächsten Pass entgegen. Kilometer für Kilometer arbeiten wir uns voran durch weite Landschaft. Die Vegetation nimmt wieder zu! Das gelb-grünliche Gras biegt sich im sanften Wind.

Irgendwann geht es leicht bergab, wir scheinen den Pass überrollt zu haben. Mit Rückenwind rollen wir nach Cauchari zu ein paar Ruinen der alten, ehemaligen Grenzstation und finden einen guten Schlafplatz im Inneren eines alten Hauses.

Heftiger Wind macht uns am nächsten Tag das Leben schwer. Den ganzen Tag schuften wir uns hoch auf den vorletzten Pass, den Alto Chorillo, auf 4560m. Bereits seit den letzten Stunden hatte ich das Gefühl, dass ich ab und zu ins Leere trete, bevor der Freilauf greift. Gleich zwei Minuten nach dem Pass geht gar nichts mehr! Ich trete und trete und nichts passiert. Keine Kraftübertragung von Bein auf Rad ist möglich. Ich fühle mich wie ein Fisch auf dem Trockenen. Der Freilauf ist kaputt. Das ist leider eine der wenigen Sachen, die Hardy unterwegs nicht fix reparieren kann. Zwar wäre es möglich die durchdrehende Kassette mit Schnüren an den Speichen zu befestigen, aber das Risiko eines Speichenbruchs wollen wir nicht eingehen. Zum ersten Mal während dieser Reise können wir nach einer (Not-)Reparatur nicht wieder aufsteigen.
So gut es die Abfahrt erlaubt, rolle ich, ist sie nicht steil genug, schiebe ich. Der Wind pfeift mal wieder. Hardy stürzt auch mal. Dann suchen wir ewig, bis wir einen einigermaßen Wind-geschützten Zeltplatz gefunden haben. Die Stimmung ist im Keller. Körperlich sowie mental ist die Luft raus.

Nicht ganz so fröhlich schieben wir anderntags die letzten 10km in den nächsten Ort San Antonio de los Cobres. Die Wartezeit auf den Bus verbringen wir auf der plaza. Hier sitzt auch Victor, der seine drei gestriegelten Lamas für Fotos mit den Touristen hergebracht hat. Wir erfahren viel über die Haltung der Tiere.

Traurig sitzen wir dann im Bus und erlebten die Abfahrt von 160km nach Salta hinter Glas. Felsformationen in allen Farben bilden das Tal. Wär‘ schön gewesen zu radeln!

Salta
In Salta werden wir sehr freundlich von der Mutter Felicianos aufgenommen, den wir vor fast zwei Jahren in der Wüste der Baja California Mexikos kennengelernt haben, und nach einer heißen Dusche, Pizza und einem Glas Wein in ein eigenes Zimmer gesteckt.
Das ist genau das, was wir gerade brauchen. Wir bleiben gleich eine ganze Woche bei Gloria im gemütlichen Salta. Wir genießen es die Stadt kennenzulernen und an Orten mehrmals zu sein. So besuchen wir gleich drei Mal die tolle Eisdiele Rosmari und testen uns mit 1/4kg-Bechern durch das reichhaltige, leckere Angebot.
Das Angebot des riesigen Supermarktes vea bringt mich in Verzückung! Es gibt alles und im Vergleich zu Chile können wir hier richtig schlemmen. Die Aktion „kauf 3, zahl 2“, lässt mich einen ganzen Wanderrucksack nach Hause schleppen. Gloria ist erstaunt. „Das wollt ihr alles essen?!“, fragt sie. Doch wir verdrücken die Berge schnell und finden das total toll!

Vieles ist zu tun, die Waschmaschine läuft im Dauerbetrieb. Wir reinigen wirklich jedes Einzelteil unseres Gepäcks. Überall ist der Sand und Staub der letzten Wochen hineingekrochen! Riemen und Schnallen ließen sich nicht mehr benutzen und über Reißverschlüsse sprechen ich lieber nicht…
Und natürlich sitzt uns das Problem meines Fahrrads im Nacken. Dank der Empfehlung Hardy und Lenas, mit denen wir einen feuchtfröhlichen Abend bei einer riesen Grillplatte und viel Rotwein verbringen, geraten wir an den professionellen Mechaniker Hector im bikeshop Palito Macias (Los Paraisos 6/Barrio Tres Cerritos), den wir wärmstens empfehlen können. Sehr erfahren öffnet er meinen Freilauf und diagnostiziert einen gebrochenen Spannring, der normalerweise sie Sperrklinken zurückspringen lässt und so für das typische Klinken verantwortlich ist. Gekonnt bastelt er aus einer alten Feder einen neuen, während er verschmitzt über die „Ohrringknüpernden Hippies“ lästert. Prima, in Europa werden Freiläufe als Wegwerfartikel einfach nur ausgetauscht. Auch Hardy bitten um eine Inspektion seines Freilaufes, da schon lange kein Klicken zu mehr hören ist und bei Abfahrten unangenehme Geräusche von kratzenden, trockenen Kugeln zu vernehmen sind. Siehe da, von Hardys einst vier Sperrklinken sind nun nach 28.700 km nur noch zwei existent, wobei die Reste der anderen sich fröhlich in gefährlichen Einzelteilen im Freilaufkörper bewegen. Doch wird der Spaß erst richtig groß als Hector Hardy seine gebrochene Hinterrad-Naben-Achse zeigt…
Doch Hector kennt für fast alles eine Lösung und schlachtet eine alte Nabe aus. Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir den Laden. Unsere Freiläufe surren wieder wie zwei Kätzchen! Die Erleichterung ist groß.

Zur Feier gehen wir die hier typischen und sehr köstlichen Empanadas essen. Das sind kleine Teigtaschen, gefüllt mit Käse oder Fleisch, die im Ofen gebacken werden. Lecker!
Wir finden beide neue Turnschuhe, die zu den hiesigen, heißen Temperaturen viel besser passen, als unsere bereits ausgelatschten dicken Treter aus Peru.
Per Gondel fahren wir auf den Hausberg Saltas, kriegen aber von den umliegenden Feldern und Bergen nichts mit, da es in diesen Tagen super dunstig ist. Dafür beeindruckt uns die erstaunlich gut erhaltene Mumie eines kleinen Kindes im Museum an der plaza um so mehr. Auf fast 7000m wurden vor rund 500 Jahren drei Kinder geopfert. Ihre Körper fanden Forscher in einer gemauerten Gruft auf einem Gipfel in der Nähe. Eingefroren blieben die Körper sowie diverse Grabbeigaben erstaunlich gut erhalten.

Wir freuen uns auf nun endlich „leichtes Radeln“ und verabschieden uns eines Tages von Gloria und nehmen die ruta 40 ‚gen Süden unter die Räder. Unser letzter großer Abschnitt bis nach Ushuaia hat begonnen. Wir fühlen uns „dem Ende nah“!

Weitere Fotos befinden sich in der Galerie.

Infos zur Beradelung des Paso de Sico findet ihr bei andesbybike.

Posted in Argentinien, Chile

Ruta de las Lagunas: heftiger Dauerwind in der Wüste – von San Juan de Rosario nach San Pedro de Atacama (Bolivien-Chile / September 2013)

Die Lagunenroute – die LAGUNENROUTE. Seit Beginn unserer Reise sprechen wir davon. Unter Jeeptouristen berühmt, unter Reiseradlern berüchtigt, soll eine Strecke von nur 350km ab dem Südrand des Salar de Uyunis bis nach Chile auf permanent über 4000m, durchzogen von Lagunen gefüllt mit Flamingos, Gipfel an die 6000m, Einsamkeit, Weite und schlechteste bis nicht vorhandene Sandpisten, sowie eine stetige Unterversorgung mit Wasser und fast ohne Einkaufmöglichkeiten ein besondere Erfahrung ermöglichen, die wir wohl so seit Anfang unserer Reise noch nicht hatten. Es heißt sich gut vorzubereiten, Kartenmaterial zu besorgen und vor allen Dingen ausreichend Lebensmittel einzupacken.

Wir sind tierisch gespannt und freuen uns diesen vermutlich herausragenden Abschnitt unserer Reise endlich anpacken zu können.

1.Tag: San Juan de Rosario – 5km vor dem ersten Pass (53,7km, 5:32h)
Gut gelaunt verlassen wir mit vollgepackten Rädern das kleine San Juan. Momentan schleppen wir Wasser für zwei Tage mit, das macht 16l. Essensvorräte für elf Tage kommen hinzu. Die Packtaschen sind voll bis obenhin, die Fahrräder super schwer.

Auf festen Pisten eines ausgetrockneten Salzsees kommen wir den vielen Jeepspuren folgend auf den ersten 30km flott voran. Die Farben werden vom blauen Himmel und brauner Erde dominiert. Alles ist super trocken, kein Pflänzchen in Sicht. Die Luft vibriert. Wie in einem Sciencefiction-Film „fliegen“ fern in der flimmernden Luft ein paar Jeeps mit neugierig aus ihren dreckigen Fensterchen rausschauenden Touristen vorbei.

Hinter dem mini Ort Chiguane queren wir die Schienen. In vergangenen Zeiten lebte das ganze Dorf von der Eisenbahn. Heute sind nur noch sehr wenige Häuser auszumachen.

Mit Verlauf des Nachmittags wird es zunehmend sandiger und steiler. Loses Geröll erschwert zu dem horrenden Gewicht der bikes das Vorankommen. Den Hauptteil der Steigung hinauf zum ersten Pass auf 4200m schieben wir im Schneckentempo. Der Gegenwind nimmt zu und kühlt aus. Ich brauche viele Verschnaufpausen. Hardy ist weit voraus, keine Ahnung wie er das bewerkstelligt. Meine Kraft ist am Ende, als gegen 17h Hardy endlich auf mich wartet. Er hat am Wegesrand einen aus Steinen gebauten Windschutz gefunden. Unser Zelt passt zum Glück geradeso hinein. Wir machen Schluss für heute, bauen unsere Behausung auf und spannen die Sturmleinen. Schnell wird im Vorzelt ein heißer Tee gekocht, denn es wird geschwind kalt.

2.Tag: 5km vor dem ersten Pass – kurz vor Laguna Hediona (37,3km, 5:16h)
Als wir um 8h losrollen wärmt die Sonne bereits ein wenig. Es sind 3,5 Grad Celsius. Aus Faulheit hat Hardy überflüssige Wasserflaschen in der Nacht am Fahrradrahmen gelassen, diese sind heute komplett durchgefroren.
Mit neuer Energie können wir die letzten Kilometer bis zum Pass heute sogar fahren. Dennoch dauert es auf den losen Steinen, die mit Sand durchsetzt sind, über eine Stunde, bis wir ihn erreicht haben.

Es geht hinab, vorbei an tollen rötlichen Felsformationen. In der Ferne sehen wir bereits die Autos auf der internationalen Straße dahingleiten. Nach Schlittern und Schieben durch tiefen, feinen Zuckersand entpuppt sich diese als eine sich im Bau befindende Schotterpiste. Baumaschinen und die ersten Jeeps arbeiten sich an uns vorbei. Wenigstens ist der Untergrund recht hart, so dass die folgenden 10km fix vorübergehen.

Wir biegen nach Westen ab, um den nächsten Pass auf 4300m zu erklimmen. Die Beschaffenheit des Bodens ist in einem schlechten Zustand zudem ist die Piste hier sehr eng und natürlich jetzt muss die heutige Welle der Jeeps kommen. Mich stresst das sehr. Ich steige ab und schiebe und zerre, wenn sie sich eng an mir vorbeischieben. Hardy fährt mit einer gelassenen Ruhe einfach ganz cool vor den Fahrzeugen ohne ihnen gleich Platz einzuräumen. Es ist anstrengend und ätzend. In so blöden Momenten gibt es plötzlich neue Motivation, wenn sich ein Fenster öffnet und Jemand mit breitem amerikanischen Akzent mir zuruft: „Du schaffst das !“

Zum Mittagessen erreichen wir die Laguna Cañapa. Neben vielen Jeeps und fotografierenden Touristen machen wir es uns so gut wie es geht im Windschatten einiger vollgeschissenen Ruinen bequem und hauen rein. Flamingos stehen im seichten Wasser. Ein Fuchs lauert auf die herumliegenden Abfälle. Eine imposante Windrose bildet sich über der Lagune und zieht den Hang hinauf ab. Das beeindruckt uns sehr.

Mit zunehmenden Nachmittagswind schwingen wir uns wieder auf die Sättel, um uns ein paar Kilometerchen zum folgenden Pass voranzukämpfen. Der Wind bläst nun von der Seite. Ich bin noch nie in solch einer Schräglage gefahren.
Heute suchen wir lange nach einem Zeltplatz, der wenigstens einen kleinen Schutz vor dem tosenden Wind bietet. Wir finden ihn, als wir neben der Piste einen kleinen, trockenen Salzsee queren und uns direkt an den Berghang quetschen.
In diesen Tagen bekommen wir die Rechnung damals in Las Vegas eben kein 4-Jahreszeitenzelt gekauft zu haben. Nur mit einem Innenzelt aus Moskitonetz wird es nachts eisig kalt. Das abendliche aus dem Schlafsackpellen, um draußen unter dem schönsten Sternenhimmel im eisigen Wind pissen zu gehen, wird zur Qual. Zudem weht uns der Sturm ganze Böen aus Sand hinein. Regelmäßig ist alles voller feinem Sand: Von den Isomatten und Schlafsäcken bis hin zu den Zahnbürsten. Sand knirscht zwischen den Zähnen und schmerzt in den Augen. Außerdem macht der Kocher aufgrund des schmutzigen Benzins Mucken. Hardy reinigt ihn vor jedem Benutzen, wobei dies in Gänze erst wieder in San Pedro de Atacama möglich sein wird… So vergehen in der Höhe 40min bis 2l Wasser kochen.

3. Tag: kurz vor Laguna Hediona – 5km vor dem Hotel de Desierto (35,2km, 5:24h)
Zu meiner großen, moegenmuffeligen Freude brechen wir an diesem eisigen Morgen noch in der Dunkelheit das Wasserkochen ab, da der Kocher mal wieder verstopft ist. Es gibt Haferflocken mit kalten Wasser. Die essen wir schweigend noch in den warmen Schlafsäcken sitzend.
Schnell kommen wir an der Laguna Hediona an. Die Flamingos grasen bereits im Wasser. Wir haben sie ganz für uns allein und verweilen lange am Ufer. Die Ecolodge, ein nahes heruntergekommenes Hotel, hat noch geschlossen, aber bereits am frühen Morgen kommt ein Jeep herangefahren. Wir kommen mit dem Fahrer und dem Koch ins Gespräch. Sie fahren vier Tage lang zwei japanische Touristen durch die Kante und werden heute in Uyuni ihre Tour beenden. Eigentlich wollen wir Wasser aus der super salzigen Quelle an der Lagune filtern (Achtung – das soll dann immer noch zu salzig zum Trinken sein!), bekommen jedoch 2l Trinkwasser, sowie Orangen, Brot und Schokoladenbonbons geschenkt! Darüber freuen wir uns wie die kleinen Kinder.

Zu den folgenden drei Lagunen geht es auf und ab. An diesem Morgen sind wahnsinnig viele Jeeps unterwegs. Wir machen uns einen Spaß draus und fangen an sie zu zählen. Insgesamt werden es heute 61. Sie sind mit zwei bis sechs Touristen besetzt. Man kann sich vorstellen, dass es an den Fotopunkten, an denen die Touristen mal ein paar Schrittchen laufen dürfen, nur so von ihnen und den surrenden Kameras wimmelt.

Es windet heute kontinuierlich, entweder von der Seite oder von hinten. Wir haben erst 11km zurück gelegt, als der Wind schon wieder barbarisch stürmt. Es folgen anstrengende Passagen durch tiefen Sand und Wellblech. Wir schieben den folgenden Pass hinauf. Oben ist der Wind, obwohl von hinten kommend, zu heftig zum Radeln. Hardy versucht es immer wieder, muss aber voll in die Bremsen gehen, um nicht von einer starken Böe erfasst zu Boden zu fliegen. Ich steige schon gar nicht mehr auf. In solchen Situationen muss ich auch beim Schieben beide Beine fest in den Boden rammen und mein volles Gewicht gegen die Kraft des Windes einsetzten, um das Fahrrad neben mir halten zu können. Den Kopf abgewandt, wird einfach nur abgewartet und weiter geschoben. Wir schieben kilometerweit stur vor uns hin. Laute Musik plärrt in den Ohren, um das Rauschen des Windes zu übertönen. Jeder kämpft für sich allein und ist in seiner eigenen Gedankenwelt.

Wir bewegen uns durch riesige Sanddünen in verschiedenen Farben. Seit über einer Stunde schon suchen wir nach einem Schlafplatz. Der Wind tobt, Sand wird aufgewirbelt. Um 17h kreuzen wir eine der vielen Jeepspuren, die die Landschaft durchpflügen und ich sehe ein paar hundert Meter entfernt eine Felsformation, die einen gewissen Windschutz bringen kann. Leider dreht der Wind in der Nacht und rüttelt nur so am Stoff des Zeltes. Ich wusste nicht, dass es quietschen kann.

4.Tag: 5km vor dem Hotel de Desierto – Árbol de Piedra (36,3km, 5h)
Morgens ist es bitter kalt. Wenn die Zahnbürste gefroren ist und erst im Mund langsam auftaut, ist dies der Moment, an dem man endgültig wach wird. In solch‘ lieblichen Momenten verkündet Hardy immer wieder sein neuestes Motto: „Wir werden es überleben!“
Es stürmt immer noch. Mit vier Händen wird vorsichtig das Zelt abgebaut, jeder Handgriff vorher besprochen. Minus vier Grad Celsius sind es, als wir um 7:30h auf sandigem Wellblech losrollen. Bald schieben wir wieder gegen den Wind.

Den im Frühstücksraum des Hotel de Desierto sitzenden Gästen müssen wir, uns in Zeitlupe heranschiebend, durch die Panoramafenster ein tolles Bild geboten haben! Jedenfalls wissen schon alle Bescheid, als wir endlich eintreffen. Wir werden super freundlich von den Mitarbeitern begrüßt. Problemlos dürfen wir die Wasserflaschen mit Trinkwasser auffüllen und werden zu einem Kaffee eingeladen!

Schiebend durch Sand und Geröll arbeiten wir uns dann die folgenden 4km voran. Jeep Nummer 26 und 27 halten an, heraus springen zwei Franzosen, die uns begeistert aus allen Richtungen abfotografieren. Nach einem kurzen smalltalk springen sie zurück und hinterlassen nur eine Staubwolke. Wir packen die Lenker fest an und schieben weiter.
Der Wind dreht. Mit 10km/h schiebt er uns auf tiefer, sandiger Wellblechpiste bergauf! Dabei können wir eine sanfte Rückenmassage durch prasselnde Steine genießen. Kommt der Wind nur leicht von der Seite, geht gar nichts mehr. Wir schieben im 45 Gradwinkel.
In einer Felsnische essen wir Mittag und nutzen dann den unverhofften Support, um weitere 20km geschoben zu werden. Der Wind ist so stark, dass wir den Schwung ausbremsen. Wir werden nach links und rechts gepustet und müssen aufpassen nicht hinzufallen. Völlig fertig und verkrampft kommen wir an den beeindruckenden Felsformationen rund um den Árbol de Piedra an.
Wir können die surrealen Gebilde in der weiten, wüstenartigen Landschaft nicht genießen, denn Sandstürme peitschen uns ins Gesicht. Fluchtartig verschwinden wir uns duckend hinter dem ersten Fels. Wir haben keine Kraft mehr. Nach einer intensiven Recherche hinter jeden Felsen findet Hardy einen relativ geschützten Platz. Es ist früher Nachmittag, wir brechen hier ab für heute. Wieder ist ein Tag geschafft, wir machen drei Kreuze, als wir im Zelt sitzen.

5. Tag: Árbol de Piedra – ausgetrocknetes Flussbett am Südende der Laguna Colorada (32,7km, 3:44h)
Kurz nach dem Sonnenaufgang können wir endlich diesen super schönen Ort genießen. Die ersten zaghaften Sonnenstrahlen wärmen uns in der Kühle des Morgens. Durch den Wind wurden die Felsformationen rund um uns herum irre ausgehöhlt. Tolle Stimmung!

Auf der sehr sandigen Piste passieren uns in der morgendlichen rushhour die ersten 20 Jeeps des Tages. Bereits jetzt werden wir eingestaubt. Zu unserer Freude hält der Fahrer von Jeep Nummer 6 an und schenkt uns zwei Lutscher. So eine kleine Geste bewirkt Wunder.

Am Nordufer der Laguna Colorada beginnt der Nationalpark Eduardo Avora. Wir müssen uns registrieren lassen und erhalten für 15 Euro ein Ticket für insgesamt vier Tage Aufenthalt. Der junge Ranger ist besorgt. „Der starke Wind hat fast das ganze Wasser in der Lagune weggeblasen“, erzählt er uns während wir die Wasserflaschen auffüllen. Tatsache, die berühmte Laguna Colorada macht einen traurigen, ernüchternden Eindruck. Große Flächen sind ausgetrocknet und nur leicht weißlich und rostrot anzusehen.

Am nahen refugio, das uns an eine sehr heruntergekommene Jugendherberge erinnert, machen wir im Windschatten des Hofes halt und essen ein zweites Frühstück.
Wieder kämpfen wir uns im Wind voran. Ich habe heute kaum Kraft, Hardy fährt weit voraus.
Am Südende der Lagune beginnt die 21km lange Steigung auf 4900m hinauf. Mit diesem krassen Gegenwind hat es keinen Sinn auch nur hinauf zu schieben. Weiter oben fänden wir eh nichts zum Zelten. So brechen wir mal wieder am frühen Nachmittag ab und schieben die Räder in einen ausgetrockneten Canyon hinein. In einer Felsnische neben aufgetürmten Schneebergen gibt es einen guten Zeltplatz. Es ist kalt. Seit Tagen setzen wir unsere Mützen nicht mehr ab.

6. Tag: ausgetrocknetes Flussbett am Südende der Laguna Colorada – Laguna Chalviri (44,9km, 5:42h)
Heute morgen sind es um kurz nach 7h minus 3,7 Grad Celsius, als wir in der tollen Morgenstimmung aus „unserem“ Canyon herausschieben. Gleich geht die Steigung los. Die Piste ist von unerwartet guter Qualität. Der Wind lässt netterweise die ersten zwei Stunden lang auf sich warten. Wir kämpfen uns, überholt von diversen Lastwagen und Jeeps, auf der Schotterpiste hinauf auf 4800m. Mal geht es gut, mal ist es sehr steil, mal kommt der Wind von der Seite, dann müssen wir schieben.
Auf matschigen Abschnitten rollen wir durch imposante Eisfelder. Meterhoch breiten sich um uns herum die Überreste des letzten Wintereinbruches aus. Das Tauwetter und der Wind haben imposante Zacken in den Schnee geformt.

Am Mittag haben wir es endlich geschafft. Schon der Geruch nach Schwefel verrät uns, dass wir in der Nähe der brodelnden Geysire Sol de Manana sind. Wow! Es raucht und qualmt und stinkt total. Ein sehr beeindruckender Anblick!
Wir sitzen bestimmt ein Stunde im Windschatten von ein paar Steinen, ruhen uns aus und beobachten die Szenerie, bevor wir uns wieder auf den Weg machen, um den höchsten Punkt dieser Runde anzugehen.

Am Pass auf 4926m jubeln wir in den tosenden Wind hinein. Wir fühlen uns wie die Könige.
Nun geht es für heute nur noch bergab. Da ganze auf einer kopfsteinartigen Piste, ich fühle mich wie auf der Via Apia. Wir holpern voran. Es schmerzt im Nacken und den Handgelenken.

In sanften Pastelltönen nähern wir uns der Laguna Chalviri. Wunderschön liegt sie da. Ein paar Flamingos stehen am Ufer. Uns reicht es. Wann kommt denn endlich das Restaurant Polques? Von anderen Radlern haben wir gehört, dass hier kostenlos im Essenssaal die Isomatten ausgebreitet werden könnten. „Eigentlich ist das jetzt nicht mehr möglich, da nebenan ein kleines Hotel gebaut wurde“, erfahren wir vom netten Besitzer. Da es aber heute Nacht ausgebucht sei, wird für uns eine Ausnahme gemacht. Ich verschwinde sogleich im warmen Schlafsack im windgeschützten Frühstücksraum. Ich bin so fertig, dass Hardy allein um 20h zum Abendessen gehen muss und auch allein beim aufgehenden Vollmond in die heißen Thermalquellen gleich neben der Lagune springt.

7. Tag: Laguna Chalviri – Laguna Blanca (34,8km, 3:51h)

Das Wetter hat sich verändert, Wolken verdecken den sonst strahlend blauen Himmel. Sogleich kommt eine düstere Stimmung auf. Alles wirkt noch rauer und karger, gewaltiger und bedrohlicher. Früh morgens brechen wir auf und bekommen von der freundlichen Hotelmami noch eine Ladung Pancakes mit auf den Weg.

Wir fühlen uns wie auf der Autobahn. Dschum, dschum macht es in den ersten 10km ganze 32 Mal, während Jeeps im Sand an uns vorbeibrettern. Sie hinterlassen nichts als Lärm, Gestank und Staubwolken. Sie halten nicht einmal am Desierto de Dali an, wieder einmal fantastische, surrealen Felsformationen.

Noch anfangs fahrend, sehr bald schiebend, arbeiten wir uns hinauf zum Paso de Condor auf 4726m. Sehr starker Gegenwind macht uns das Leben schwer. Kurz vor dem Pass werden Sandkörner und kleine Steine durch die Luft gepeitscht, die insbesondere im Gesicht sehr weh tun. Immer wieder bleiben wir stehen und drehen die Köpfe aus der Windrichtung, kommt uns eine Böe entgegen geflogen. Genau fährt ein laut hupender Jeep vorbei, auf dem Dach ein Reiserad befestigt. Wenn dieser Radler uns so sieht, ist er bestimmt froh in solch einen Jeep gestiegen zu sein.

Geschafft! Den Pass hinter uns lassend rollen, bzw. schlittern wir auf Sand nach unten. Wir haben Hunger, aber weit und breit ist kein geschützter Platz zu finden. So arbeiten wir uns mit hängenden Mägen hinab. Die Landschaft verändert sich einmal wieder. Hohe, schneebedeckte Vulkane umgeben uns.
2095In der Ferne befindet sich die schöne Laguna Blanca. An ihrem Ufer befinden sich Ruinen alter Häuser. Super, hier bleiben wir. Es ist 12h, die heutige Tagesetappe ist bewältigt. Es stürmt wie bekloppt. Im Innern einer Ruine bauen wir das Zelt auf. Es passt so eben hinein. Nach wie vor rollen Jeeps vorbei. Heute ist ein unangenehmer Rekord, bis mittags zähle ich 104!

8. Tag: Laguna Blanca – San Pedro de Atacama (66,2km, 5:39h)
Zusammen mit ein paar Touristen stehen wir am Morgen am Rande der kleineren Laguna Verde. Von der Laguna Blanca fließt ein eisger Bach in die daneben liegende Laguna Verde, den müssen wir kreuzen. Wir schauen ein paar Jeeps zu. Es scheint verdammt tief zu sein. Hardy, mal wieder super hart, zieht Schuhe und Hose aus und schiebt die Zähne zusammenbeißend einfach hindurch. Ja, es ist tief, das sehe ich. Sogar die Hinterradtaschen hängen im Wasser. Aber sie halten dicht! Ich kreuze oberhalb. Ganz langsam von Stein zu Stein balancierend buchsiere ich im flacheren Wasser das Rad neben mir her. Eisschollen haben sich an den Steinen verfangen. Ich bekomme leicht nasse Füße, aber mir wird bei dem Gegenwind schnell wieder warm.

Zum Häuschen der bolivianischen Grenzbeamten schieben wir erneut den mini Pass hinauf. Der Grenzbeamte fragt uns: „Warum wollt ihr denn hinunter ins flache und super teure San Pedro nach Chile runter, wo ihr doch einfach weiter bergauf über einen weiteren Pass nach Argentinien fahren könnt, wenn ihr da später eh hin wollt?“ – „Um uns auszuruhen!“, kommt es wie aus einem Munde geschossen. Er sieht uns an und nickt. Das scheint er zu verstehen. Und wooom haben wir den bolivianischen Ausreisestempel in den Pässenund kreuzen nach Chile!

Wir schieben weiter. Ein Pick Up hält an und der Fahrer fragt uns, ob er uns mitnehmen soll. Wir bedanken uns und lehnen ab. Nun haben wir uns soweit vorangearbeitet, da wollen wir die letzten Kilometer auch aus eigenen Kräften schafften.
Nach einer weiteren Anstrengung ist dann endlich, endlich die super tolle Asphaltstraße erreicht. Schotter, Sand und Wellblech ade! Doch die Freude darüber sowie über die 40km lange Abfahrt hinunter auf etwa 2000m hinein in die langersehnte Wärme währen nicht lange, denn es stürmt und ist super kalt. Die Serpentinen auf der prima Straße sind kein Genuss, sondern richtig harte Arbeit. Immerhin wird der Wind lauwarm!

In San Pedro de Atacama, einer künstlich wirkenden „Stadt“ mitten in der riesigen Atacama Wüste, führt unser erster Weg zur Migration. Wir bekommen problemlos den Einreisestempel. Unser Gepäck wird auf frische Lebensmittel gefilzt. Wir haben ja eh alles aufgegessen.
Mein sowas von platter Hinterreifen verzögert die Suche nach einer Unterkunft. Erstmal landen wir auf der plaza. Gut beleibte Menschen in kurzen Hosen, einen Cowboyhut auf dem Kopf, ein Eis schleckend schlendern an uns stinkenden, super dreckigen Radlern vorbei. Überall hängen Flaggen der gerade stattfindenden Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag. In Zelten wird Countrymusik gespielt. Fleischbatzen liegen auf den großen Grills. Wir schauen uns an und fühlen uns in die USA zurückversetzt.
Schließlich landen wir bei der netten, jungen Brasilianerin Aline in der Casa Campestre. Obwohl wir gern in einem Bett schliefen, können wir uns nur campen leisten. Chile ist teuer! Wo andere Touristen all die Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung abklappern, sind wir froh in einer gemütlichen Küche ohne Wind drinnen Zeit zu verbringen. Mit Clair und Graham, einem netten französischen-kanadischem Paar verbringen wir lachend unheimlich viel Zeit und essen stundenlang. Es gibt selbstgemachte Pizza aus der Pfanne.

Nach drei Tagen füllen wir die Radtaschen erneut mit Lebensmitteln und machen uns auf in die Atacamawüste. Wir wollen den Paso de Sico hinauf, um nach Argentinien zu kreuzen.

Fazit-Lagunenroute:
Für „unsere“ Lagunenroute von San Juan bis nach San Pedro de Atacama benötigen wir acht Tage. Das Motto heißt WIND! Wir müssen andauernd mit ihm kämpfen. Er dreht sich ständig. Drei Mal müssen wir bereits am Mittag aufgrund des Sturmes abbrechen. Landschaftlich sehr beeindruckend und körperlich sehr anstrengend ist dies bisher ohne Zweifel die krasseste, intensivste und anstrengendste Etappe überhaupt gewesen.
Wichtige Fragen, die man sich unbedingt ernsthaft vor dem Antritt der Lagunenroute stellen sollte sind: Habe ich genügend Kartenmaterial? Bin ich gut genug akklimatisiert? Habe ich genügend Kondition und Kraft? Und reicht mein Equipment aus für mögliche Temperaturabfälle von minus 20 Grad Celsius sowie super starken Wind? Halte ich krasse, lang anhaltende Anstrengung und widrigste Umstände auf so eine große Distanz körperlich sowie mental aus?

Temperaturen und Wind:
Wir haben Glück im Unglück, denn die Temperaturen fallen im September nicht mehr so stark ab wie im Juli/August. Bei minus 10 Grad Celsius und tobendem Wind haben wir jedoch in unseren Schlafsäcken gefröstelt und diverse Schichten von Kleidung angehabt.
Dafür geraten wir voll in den Monat des Windes. Wenn wir auf Einheimische treffen, wird uns jedes mal versichert: „Dieser Wind ist besonders stark, so doll bläst er normalerweise nicht!“ Stundenlang mit hängendem Magen zu fahren, ohne einen windgeschützten Platz zum Mittagessen zu finden, auch das ist Lagunenroute.

Wasser und Essensvorräte:
Das Erlagen und mitschleppen der benötigten Wassermengen ist kein Problem, sollte nur unbedingt vorher geplant werden, genauso wie die Mitnahme genügend Nahrungsvorräten. Maximal haben wir Wasser für zwei Tage mitgeführt. Ab und an trifft man auf refugios (kleine Hotels), in denen auch Essen bestellt werden kann. Dennoch ist das Gewicht eines mit Essen und Wasser vollbeladenes Reiserads nicht zu unterschätzen.

Jeeps:
Definitiv ist man auf der Lagunenrute nicht allein! Das Vorbeifahren von 50 Jeeps täglich ist nichts Besonderes. Die meisten der Fahrer sind freundlich und machen einen Bogen um Radler. Eingestaubt wird man natürlich dennoch. Als Radfahrer bist du eine der Attraktionen und wirst permanent fotografiert. Aber auch positive Seiten wirft der Jeeptourismus ab. Wir bekommen Wasser und Essen geschenkt. Und ganz klar ist, in einem Notfall ist nur Hilfe von Seiten der Jeepbesatzung zu erwarten.

Kartenmaterial:
IMG_3226Unserer Meinung nach bedarf es auf der Lagunenroute keines GPS. Es gibt sehr gutes Kartenmaterial mit Kilometerangaben, Infos zu Campmöglichkeiten die vor dem Wind geschützt sind, Wasserstellen und aktuellen Tipps, die bei andesbybike sowie als ein pdf bei tour.tk zu finden sind.
Diese sind wichtig, sehr hilfreich und völlig ausreichend. Wir haben nicht einmal auf den Kompass geschaut. Zudem ist (leider) die Landschaft durchflügt von vielen Jeepspuren, die einem die richtige Richtung weisen. Zur Not können die Jeepfahrer nach dem Weg gefragt werden.

Fazit-Bolivien:
Fest steht, wir haben nur einen kleinen Teil des Landes bereist, nämlich den „wilden“ Westen. Hier sind die Pisten schlecht und die Konditionen hart. Die spärliche Versorgungslage ist ernst zu nehmen. Jedes Auffüllen der Vorräte sollte man planen. Genauso heißt die Devise: Wenn es einmal Wasser gibt: alle Flaschen auffüllen!

An die Verschlossenheit und Zurückhaltung der Bolivianer mussten wir uns nach den sehr offenen und kommunikationsfreudigen Menschen in Peru erst einmal gewöhnen. Uns scheint, als ob die Menschen in den touristischen Gebieten Boliviens einfach keine Lust haben sich mit Touristen zu unterhalten und das ist auch total in Ordnung.
Je mehr wir von der befahrenen Route abgekommen und die abgelegenen Dörfer bereisen, desto offener begegnen uns die Leute, bis hin dass wir von alten Muttis auf eine Limo zu einem Gespräch eingeladen werden.

Wir haben bis auf ein paar unfreundliche Menschen, denen insbesondere ich nicht zu viel Bedeutung beimessen darf, Bolivien als ein tolles Reiseland erlebt, das wir eines Tages zu Ende erforschen wollen. Auch in La Paz und in El Alto haben wir uns sicher gefühlt und keine doofe Situation erlebt.

In der Galerie findet ihr Fotos zu diesem Abschnitt.

Posted in Bolivien, Chile

Südwest Bolivien: Sand und Wellblech – von Sajama über die Salzseen Coipasa und Uyuni nach San Juan de Rosario (Bolivien / September 2013)

Von Sajama bis Sabaya

Ausgeruht verlassen wir den Miniort Sajama am frühen Morgen und radeln über die schmale Sandpiste zurück zur Fernverkehrsstraße. Noch ist der Boden gefroren, die Reifen rollen besser als erwartet über den feinen Sand. Für die 11km, die uns auf dem Hinweg aufreibende Nerven beschert haben, benötigen wir heute „nur“ eine Stunde.
Viele neugierig schauende Alpakas kreuzen unseren Weg, der durch ihre Weide verläuft. Ich bleibe oft stehen und finde die Nähe zu ihnen unheimlich toll. Sie sind meine Lieblingstiere geworden mit ihren lustigen Ohren und dem Grashalm, der immer aus dem Mundwinkel hängt.

Auf der Hauptstraße fahren wir nah an Tambo Quemado heran, um kurz zuvor Richtung Sabaya erneut auf Schotter abzubiegen. Es holpert anfangs erstaunlich gut. Flott kommen wir heute voran und finden einen schönen Zeltplatz mit Blick auf die Laguna Macaya. Zu unserer Freude stehen malerisch rosa rote Flamingos im flachen Wasser.

Am nächsten Tag wird fleißig durch tiefen, hellen Sand geschoben. Das erinnert an Wüstenlandschaft. Die Wasserflaschen werden im kleinen Negrillos alle gefüllt, um mit dem zusätzlichen Gewicht nachmittags noch einen Pass zu erarbeiten. Das ist anstrengend. Auf dem letzten Stückchen des losen Schotters wird geschoben.
Auf der planen Ebene erleben wir Weite und Stille. Langsam naht der Abend heran. Wir biegen einfach nach links ab, schieben ein paar hundert Meter und haben einen tollen, einsamen Campingplatz ganz ohne Suchen! Das hatten wir lange nicht mehr.

Dreieinhalb Tage harte Tretarbeit benötigen wir, um uns hinweg durch weichen Sand, über tiefes und flaches Wellblech und diverse Steinchen zu arbeiten, durch eiskalte Flüsslein zu waten und nach 153km am Mittag das größte all der Dörfer, Sabaya, zu erreichen. Es ist ebenso wenig los wie in den Örtchen zuvor. Unser großes highlight ist das Sichten zweier wilder Sträuße mitten im Nirgendwo auf der Hochebene.
Hier gönnen wir uns eine Unterkunft mit heißer Dusche bei Don Julian und seiner netten Frau und verbringen den Rest des Tages mit Waschen sowie dem Auffüllen unserer Vorräte. Brot kaufen wir bei der netten señora auf der avenida aus der Schubkarre. Wir benötigen einen ganzen Batzen, der soll bis nach San Juan reichen.

Salar de Coipasa
Zum Salar ist es nicht mehr weit. Wir erreichen das Nest Vita Vitalina und sehen ein Ehepaar auf einer Decke stehend vorsichtig Samen auf den Boden rieseln. Sie winken uns herbei. Walter und seine Frau nutzen den sanften Wind um so die Hüllen von den Samen ihres Quinoas zu trennen. Beide kommen aus El Alto, bauen aber hier Quinoa an, welches gutes Geld bringe, so hören wir. Wir sind erstaunt, dass Quinoa hier in der salzigen Umgebung wächst. Schnell werden wir auf eine Limonade eingeladen und halten einen netten Plausch. Walter will mit uns in Kontakt bleiben, um Importgeschäfte aufzubauen. Nur durch den Import von Waren und deren Verkauf könne man in Bolivien gutes Geld verdienen, meint er. Zusammen mit seinen zwei Söhnen verkaufe er bereits Reifen aus China. Er will hier in Villa Vitalina eine Brauerei aufziehen und ist sehr an deutschem Bier interessiert…

Wir machen uns auf, endlich wollen wir auf den Salzsee. Ganz gespannt sind wir. Wie wird es sich wohl anfühlen auf Salz zu radeln? Es ist ein völlig neue Erfahrung. Ein weiterer Meilenstein unserer Reise ist erreicht, als wir zunächst langsam und vorsichtig auf dem am Rande des Salares noch feuchten Untergrund. Das ist Salz! Es sieht aus wie Eis und hört sich an wie Eis, aber schmeckt wie Salz. Unglaublich! „Ist das toll, Hardy!“, rufe ich immer wieder begeistert aus. Auch der zunächst aus Sorge um die Fahrräder aufgrund von schnell entstehendem Rost in der salzigen Umgebung grummelige Hardy lässt sich von meiner Begeisterung anstecken.
Bald kommen wir im Ort Coipasa, auf der gleichnamigen Insel im See an. Wieder ein Nest, in dem der Hund begraben ist. Auf klopfen an der Tür öffnen zwei Tante Emma Läden, man muss sie nur von außen erst mal als solche identifizieren, das ist die Kunst. Wir setzen uns auf die karge plaza, um ein zweites Frühstück zu essen. Da kommen aus entgegengesetzter Richtung zwei Reiseradler aus Tschechien angefahren. Joseph und Daniel sind vor fünf Monaten in Patagonien gestartet und wollen hoch bis nach Alaska reisen. Wir unterhalten uns lange und berichten von Routen und Erfahrungen.
Am frühen Nachmittag verabschieden uns und setzen unseren Weg über den größeren und trockeneren Teil des Salzsees fort. Trotz Gegenwindes rollt es sich auf einer ausgefahrenen Spur glatt und gut. Das Radeln auf dem Salz ist nach wie vor toll. Wir halten oft an, um den Boden zu befühlen, der so nass scheint, aber trockenes, kaltes Salz ist.
Natürlich müssen die ein oder anderen Spaßfotos sein. Mit der Perspektive lässt sich ganz wunderbar spielen. Uns umgibt blendendes Weiß, das einen tollen Kontrast mit dem strahlend blauen Himmel erzeugt. Die Sonnenstrahlen werden vom Weiß reflektiert. Setzen wir die Sonnenbrillen ab, flimmert es in den Augen. Das Ufer scheint so weit weg, in der Ferne sehen wir die Silhouetten der Berge blau erscheinen.
Zum Abschluss des Tages setzen wir etwas um, das ich mir schon lange vorgenommen hatte: Einmal mitten auf einem Salzsee zelten! Wir biegen von der Spur ab und fahren 2km nach Osten.
Das Zelt steht fix. Wie wird es mit den Heringen gehen? Wir hörten, das Salz sei super hart und andere Radler benutzten Packtaschen für die Zeltbefestigung. Dies sei kein Problem, da der Wind nach dem Sonnenuntergang immer nachlasse. Pustekuchen, der Wind flammt erst richtig auf! Wir müssen sogar drei Sturmleinen spannen. Zum Glück haben wir große Nägel dabei (die, plus weitere Sturmleinen sollen uns in den patagonischen Stürmen weiterhelfen). Mit Hilfe unserer Zange bekommen wir sie erstaunlich gut ins harte Salz rein und wieder raus!

Llica
Gerade das Morgen- und Abendlicht auf dem Salar erzeugt eine wunderbare, warme Stimmung. Gut gelaunt setzen wir am frühen Morgen unseren Weg nach Llica fort. Uns bleiben 22km auf dem Salz, bevor wir wieder zu unserem so geliebten Sand-schlittern und Wellblech-hüpfen übergehen werden.
Das Finden der richtigen Spur auf dem Festland ist nicht ganz eindeutig. Wir fahren zunächst falsch, bis Hardy einen Bauern auf einem Feld fragt. Also umkehren und wieder durch den Sand schieben. Es wird ein harter Tag. Die folgenden 46km buckeln wir voran, mal auf Sand im kleinsten Gang, Passagen schieben und zerren, mal hüpfen unsere geschundenen Hintern auf dem Wellblech auf und nieder, mal fahren wir flott auf harter Erde.
Llica erreichen wir am Nachmittag. Von anderen Reiseradlern hatten wir gehört, dass man im Rathaus nächtigen könne. Aber der Preis für ein ekliges Bad mit schlechten super durchgelegenen Betten ist uns zu horrend. Nach einer langen Diskussion und Hardys störrischem Durchsetzungsvermögen dürfen wir für einen Euro pro Nase auf unserem eigenen Equipment auf der Theaterbühne schlafen. Fahren auf dieser Route einfach zu viele Radler?
Während Hardy auf der Straße die Fahrräder putzt und so mit vielen Leuten ins Gespräch kommt, klappere ich all die Minilädchen ab, um Essen für die folgenden Tage zu kaufen. Brot ist allerdings ein Problem, das gibt es zu so später Stunde nicht mehr.
„Y la basura?“, fragen wir, als wir uns am Morgen von der Hausmeisterin verabschieden – „Se lo come el viento!“ („Und der Müll?“ – „Den isst der Wind!“). Leider scheint diese Ansicht weit verbreitet zu sein. Denn seit Tagen fahren wir in der Umgebung vieler Orte durch Müllfelder, in denen insbesondere die Plastiktüten, verfangen in den kleinen Sträuchern, dominieren.

Salar de Uyuni
Über üble Pisten, auf denen anfangs das Salz-Erd-Gemisch braun und dreckig aussieht, gelangen wir auf einer ehemals asphaltierte Rampe auf den großen Salzsee hinaus. Woow, wir fahren auf dem Salar de Uyuni! Hier rollt es sich ruckeliger als auf dem glatten Salar de Coipasa. Salzschollen, die an Bienenwaben erinnern befinden sich zu beiden Seiten der festgefahrenen Piste.
Schon an diesem Punkt können wir erbsenklein in der Ferne die Umrisse der Isla del Pescado ausmachen. Das ist unser Tagesziel. Auf einer ausgefahrenen Spur fahren wir den ganzen Tag auf die immer größer werdende Insel zu. Es ist nach wie vor ein unglaubliches Erlebnis. Wir fahren 50km auf dem Salz.
Mit müden Gliedern erreichen wir schließlich die Isla. Zwischen vulkanischem Gestein erheben sich viele Kakteen in den Himmel. Dazwischen finden wir knochige Krautgewächse. Vögel zwitschern, Chinchillas springen von Stein zu Stein. Auch einen Skorpion entdecken wir. Hardy will sogleich hoch auf den Berg steigen. Im Schneckentempo schlurfen wir herauf. Oben belohnt ein glorreicher Blick auf kleine Nachbarinseln im gleißend weißen Untergrund. Bergen in der Ferne umrahmen das Panorama. Wir bauen das Zelt am Strand auf. Die Heringe versinken wie in Butter im weichen Sand. Wir haben die ganze Insel für uns allein.

Im Morgenlicht setzt Hardy wiederum sein langes Vorhaben um: Einmal nackig auf dem Salar radeln. Käsebleich hebt er sich kaum vom weißen Untergrund ab.

Pünktlich zum zweiten Frühstück erreichen wir dann die zweite große Insel im Salar de Uyuni. Vor der Isla Incahuasi sitzen zwei Gestalten. Einer winkt uns heran. Es ist der Reiseradler Adrian aus den Niederlanden. Er hatte hier gezeltet. Mit ihm verbringen wir die folgenden zwei Tage bis nach San Juan.
Die Isla Incahuasi ist ähnlich unserer Insel der letzten Nacht, nur ist sie bewohnt und touristisch hergerichtet. Sie wird von einer Menge Jeeps, gefüllt mit Touristen, angesteuert. Auch jetzt geht es zu wie in einem Taubenschlag. Eine Eintrittsgebühr von drei Euro schreckt uns vor dem Betreten ab. Glücklicherweise dürfen Hardy und Adrian auch ohne zu bezahlen die Wasserflaschen unter den Hahn halten und auffüllen.

Zu dritt radeln wir voran. Immer in Richtung Süd dem Ufer des Salars entgegen. Eine super holprige Rampe befördert uns schließlich ans Ufer. Wir radeln noch weitere 8km auf einer unerwartet guten, neuen Schotterpiste zum Dorf Villa Candelaria und dürfen dort im Festsaal der Schule übernachten. Es gibt sogar einen funktionierenden Wasserhahn.

San Juan de Rosario
Nur noch 40km trennen uns von einem Pausentag in San Juan de Rosario, den wir nach neun Tagen auf Sand, Salz und Wellblech herbeisehnen. Zuvor heißt es noch einmal Rätselraten welche der kleinen, vielen Pisten wir wohl nehmen müssen. Wir halten uns an die Angaben des Kompasses, Adrian schwört auf Abweichungen und nimmt eher den Stand der Sonne zur Hilfe. An jeder Minikreuzung hat dies eine Diskussion zur Folge. Nach dem Abzweig ins Dorf Colcha sind wir unschlüssig. Zum Glück hören wir lautstark singend ein Gruppe Soldaten herantraben. Hardy geht auf das Regiment zu, um sie nach dem Weg zu fragen, ist sich jedoch unschlüssig, ob die geballte Gruppe anhalten wird. Um so lustiger anzusehen ist es jedoch, dass sie sofort zappelnd aus Reih und Glied brechen und wild durcheinander redend seine Frage beantworten. Viele Arme zeigen in viele Richtungen. Wir entscheiden uns für eine übel aussehende Piste.
Auf den folgenden 7km kämpfen wir uns durch tiefen, feinsten Sand. Oft rutschen die Reifen weg. Passagen müssen wir schieben und zerren. Dabei frage ich mich jedes Mal, wie Hardys es schafft so schnell auf weichem Sand zu fahren. Ich hänge schiebend weit hinter her.
Endlich, nach einem Abzweig in Richtung Westen wird die Piste hart. Wir kommen gut voran. Später verwandelt sie sich wieder in schönstes Wellblech, gespickt mit Sand, aber der Untergrund ist in Ordnung. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt, aber das sind wir ja bereits gewohnt.

In San Juan steppt der Bär – alles ist geschlossen, Läden sowie Unterkünfte. Wir erfahren, dass momentan das Quinoa auf den Feldern im Umland ausgesäht wird und dabei jeder im Einsatz ist. Sogar Brot wird zur Zeit nicht gebacken. Ich bin enttäuscht. Nach einer ernüchternden Hotelrecherche setzten wir uns erst mal in den Schatten auf den Platz und kochen einen Kaffee, denn niemand ist da. Nur im teuersten, höchsten Hotel des Ortes haben wir einen jungen Spund angetroffen, aber 30 Euro wollen wir nicht für ein Zimmer blechen.
Später macht Hardy einen super Deal in einem der Salzhotels. Wir kommen in der cabaña de sal von doña Silvia unter. Dies ist eine völlig unerwartete, tolle Krönung des Abschlusses unserer Runde über die Salzseen. Ich hätte nie erwartet mal in einem Salzhotel übernachten zu können! In dem runden Gebäude sind die Wände und auch die Sitzgelegenheiten aus dicken Salzblöcken. Sogar aus dem Boden ist Salz ausgestreut. Wir unterhalten uns lange mit der netten, überarbeiteten Besitzerin. Die hat vier Kinder und ist erst 28. Sie erzählt uns, dass es recht teuer ist ein Haus aus Salz zu bauen. Ein Stein kostet 0,4 Euro, hinzu kommen die Transportkosten sowie die Kosten der Konstruktion. Wir sehen sie von morgens bis abends schuften, aber immer offen ein paar Worte mit uns zu wechseln. Erst von 22-23 Uhr hat sie Zeit für sich. Dann schaut sie eine Telenovela und schläft meistens dabei ein. Hardy hilft ihr beim Brotbacken, wir bekommen Quinoa geschenkt.
Als wir ausgeruht sind und alle Packtaschen prall gefüllt mit Lebensmittelvorräten sowie Wasser für die zwei folgenden Tage sind, machen wir uns mit den nun sehr schweren Rädern auf ins nächste Abenteuer: die Lagunenrute bis nach Chile.

(Gute Infos zu diesem Abschnitt findet ihr bei andesbybike).

Weitere Fotos zu dieser Etappe koennt ihr hier ansehen.

Posted in Bolivien

Radeln auf verlassenen Pisten im Altiplano – von La Paz via Nordchile, bis nach Sajama (Bolivien-Chile-Bolivien/August 2013)

Einen ganz besonderen Schmankerl haben wir uns vorgenommen: Eine Runde durchs bolivianische Altiplano mit einem Schlenker nach Nordchile in den Nationalpark Lauca, um danach wieder nach Bolivien einzureisen. Das vorläufige Ziel heißt Sajama, am Fuße des gleichnamigen Vulkans gelegen.

Das Radeln im 4000der Bereich wird sich nicht nur aufgrund der Höhe, sondern auch durch die Kälte und den starken Wind bemerkbar machen. Dazu kommen wundervolle Sand- und Schotterpisten mit knackigen Steigungen – wir freuen uns tierisch – auf die Anstrengungen aber auch auf Weite, Einsamkeit und wilde Natur.

Adiós La Paz
Nach über zwei Wochen schwingen wir uns wieder auf die Räder und verlassen die casa de ciclistas, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben. Der Stadtverkehr ist chaotisch und nervenaufreibend. Endlich erreichen wir die Autobahn, auf deren Seitenstreifen wir uns hoch nach El Alto schuften. Die lange Pause macht sich bemerkbar, das Bergauffahren hat es in sich.
Heute kommen wir nicht mehr weit. Nach ganzen 37km kehren wir im einzigen Hotel im Dorf Viacha ein, denn Hardy kränkelt. Wir genießen noch ein letztes Mal den Komfort einer heißen Dusche, sowie Internetcafés und vieler kleiner Läden, denn in den folgenden zehn Tagen erwarten wir nichts dergleichen. Wir schlendern über den Markt und halten Schwätzchen mit den sehr freundlichen Muttis.

Winter lässt grüßen
Eine tolle Asphaltstraße führt uns durch gelbe Weite vorbei an Lehmhäusern in Richtung Oruru. Bei Chacoma ist ein Seil über den Weg gespannt, bei genauerem Hinsehen erkennen wir, dass die Baracke daneben eine Militärstation ist. Wir müssen die Pässe vorzeigen und uns registrieren lassen. Der freundliche Offizier füllt unsere Wasserflaschen auf und gibt uns nicht nur einmal eine Warnung mit auf den Weg. Hier sei es gefährlich, wir sollten auf uns aufpassen und niemals im Dunkeln radeln. Für den Notfall bekommen wir noch seine Handytelefonnummer. Wir bedanken uns und setzen unseren Weg fort. Unsicher fühlen wir uns hier nicht, im Gegenteil.

Kurz darauf biegen wir nach Westen auf eine Piste ab. Nun geht’s los! Der Schotter flutscht unter den Reifen weg, als wir einen Hügel nach dem anderen erklimmen. Die Sonne burnt, der Wind ist kalt. Es ist kräftezehrend. Wir merken, dass wir unsere Kondition neu erarbeiten müssen und kommen recht langsam voran.
Am späten Nachmittag finden wir nach langer Suche einen ganz versteckten Zeltplatz etwa 10km vor dem Dorf Caquiaviri. Erschöpft bauen wir fix das Zelt auf, denn eine tiefe, dunkle Wolkenfront naht rasch.

Das bolivianische Wetter zeigt uns all seine Register: auf Sturm folgt ein Gewitter genau über uns. Daraus wird ein Hagelsturm, der in Schnee übergeht. Es schneit die ganze Nach hindurch. Regelmäßig müssen wir von Innen gegen die Zeltwände drücken, um die weiße Last herunter zu befördern. Im Morgengrauen schaufelt Hardy all den drückenden Schnee auf den Apsiden beiseite, der hatte das 3-Mann-Zelt auf ein 1,5-Mann-Zelt schrumpfen lassen. Erstaunlicherweise ist es drinnen nicht super kalt, es fühlt sich an wie in einem Iglu.

Am Morgen haben wir dann 20cm Schnee, als wir abbauen und die Räder wieder auf die Piste zerren. Sie hat sich in eine braune Matsche verwandelt. Diese klebt wie Sau. Es taut. Pfützen stehen. Die paar vorbeifahrenden Autos verhelfen uns jedes Mal zu einer tollen Schlammdusche.

Schneeregen versüßt die kurze Fahrt in nächste Dorf. Wir fackeln nicht lange und brechen für heute ab. Wir quartieren uns in einem Kämmerchen in Caquiaviri ein. Es gibt keine Klos und keine Dusche, aber immerhin fließend Wasser und ab und an Elektrizität. Dafür überrascht uns das Angebot des Miniladens. Wir erstehen Eier, Brot und Gemüse.
Die Kinder im Ort haben fleißig gebaut. Hier werden keine Schneemänner, sondern Schneehasen kreiert! Wir hören, dass so ein Wintereinbruch im August schon vorkommen kann. „Morgen scheint aber wieder die Sonne!“, versichert uns ein alter Mann.

Er hat recht! Bei wärmenden Sonnenschein rollen wir auf weiterhin matschiger Piste durch wunderschöne, tauende Schneelandschaft voran. Der Matsch trocknet alsbald, dafür beschert uns heftiger Gegenwind auf den letzten 20km vor Achiri Freude. Mit 6km/h kämpfen wir uns auf der Wellblechpiste voran und sind fix und alle, als wir endlich ankommen. Heute ist Sonntag, im Rathaus neben der Kirche treffen wir auf den subalcalde Nelson, der uns einen Platz im Bettenlager des Rathauses anbietet. Eloy, der nette Portier, kommt auf eine bessere Idee.

Er führt uns zum Gästehaus des Ortes. Wir sind beeindruckt und bekommen ein ganzes Haus für uns. Es gibt zwar im ganzen Ort weder fließend Wasser, noch Toiletten oder Elektrizität, aber wir sind gut mit Wasservorräten ausgestattet und finden es im windstillen alten Haus super. Die Sonne hat den verfallenen Wintergarten aufgewärmt, hier wachsen kreuz und quer rot blühende Blumen. Es duftet herrlich.

In Richtung chilenischer Grenze
Die Sonne scheint, dennoch sind wir dick angezogen, trotz der Anstrengung. Denn es geht mal wieder hoch und runter. Wir rütteln mit 7-9km/h voran. Die Fahrbahn hat sich in eine tiefe Wellblechpiste verwandelt, deren Wellentäler und -rücken eine Differenz bis zu 10cm aufweisen. Wir und die Räder werden nur so durchgeschüttelt. Oftmals versuchen wir auf den Rand der Fahrbahn auszuweichen, in dem fix die Räder in weichen Sand versinken.
Bewusst halten wir alle bewältigten 10km an, um uns hinzusetzen und eine Kleinigkeit zu essen. Der warme Kaffee aus der Thermoskanne tut gut und wir tanken neue Energie.

Bei einer solchen Pause treffen wir auf einen Typen, der mit seinem Schaf an der Strippe den Weg entlang läuft. Er meint, er kenne die ganze Gegend, hätte sie bereits erlaufen. Aber auf den Vulkan Sajama mit seinen über 6000m, nein, da wäre noch nie ein Mensch hinaufgestiegen, es wäre ja viel zu kalt, mit all dem Eis und da oben könne man nicht mehr atmen, sagt er.

Wir machen uns auf, um den Pass Abra Pucamaya (4288m) zu erklimmen. Auch hier wird uns die Luft schon dünne.
Berengela ist ein verlassenes Geisterdorf. Auf der windigen, staubigen plaza vor der schiefen Kirche halten wir an, kaufen an einem kleinen Stand aus Planen eine Quina Cola und füllen die Wasserflaschen auf. Ein Mann in den 50zigern erklärt uns, dass vor 20 Jahren hier die Menschen vom Kartoffelanbau gelebt hätten. Aber nun seien die Böden ausgelaugt und der Klimawandel beschert mehr Kälte, so dass all die Bewohner in die Stadt (La Paz) abgewandert seien. Wir erzählen, dass wir nach Chile rüberfahren werden und er holt aus, dass dies bis einmal zum Meer ja mal bolivianisches Territorium gewesen war, welches im Krieg an das Nachbarland verloren ginge. Er sagt, für die jetzige Generation sei dies kein Problem mehr, da gäbe es kein böses Blut um diese Region.

Wir machen uns auf dem Weg und schaffen auf den nicht auf zuhörend wollenden Auf und Abs noch ein paar Kilometerchen. Hinter einem Hügel neben der Piste kurz vor der ciudad de las piedras (der Stadt der Steine) schlafen wir heute. Es wird bitter kalt, -10Grad Celsius. Die Wasserflaschen im Zelt gefrieren teilweise. Dick angezogen ist die Kälte bis jetzt in den Schlafsäcken auszuhalten, nur das Anziehen am frühen Morgen ist jedes mal eine Überwindung.

Am nächsten Vormittag passieren wir am Fluss Mauri mal wieder einen Militärkontrollposten. Der Beamte fragt uns wo wir geschlafen hätten und kriegt dann einen Schreck. Er sagt, ob wir denn nicht Angst gehabt hätten bei der Stadt der Steine zu zelten, denn in der Nacht werden die Steine lebendig und erschlagen einen. Aha, nun wissen wir warum im Windschatten der Felsformationen eben keine Hütten standen.

Charaña ist ein „großes“ Grenzdorf, in dem nach einigen Suchen in all den kleinen, versteckten Ländchen „alles“ zu finden ist. Wir bekommen sogar Brot und Benzin für den Kocher. Ansonsten ist Totehose. Der Wind pustet den Sand über die verlassene plaza, an deren Ecke eine fette Kaserne steht. Der Lehrer des Ortes kommt auf uns zu. Er ist ganz begeistert von Hardys Fahrrad und kann nicht verstehen, dass wir es ihm nicht verkaufen wollen, er zahle auch gut und wir könnten uns doch in Deutschland ein neues kaufen. Er will es mal schieben und fährt dann auch wackelnd ein paar Meter.
Von der netten Verkäuferin im Laden werden wir zu einer Limo und einer Mandarine eingeladen. Sie setzt sich zu uns und will sich unterhalten.

Die letzten paar Kilometer nach Chile sind von der übelsten Sorte. Dicke Steine liegen auf dem Weg. Wir schieben mühselig durch den Sand im Gestrüpp neben der Piste. Dabei können wir wunderschön einen Hintern im offenen Freiluftklo gleich neben dem Ort begutachten (Na‘ da passen wir mal lieber auf wo wir hintreten…).

Chile
In Visviri verlassen wir Bolivien. Die Grenzstation besteht nur aus ein paar Containern, der eigentliche Ort folgt kurz darauf. Die Aus- und Einreise ist kein Problem. Die chilenischen Container sehen viel moderner aus, als die bolivianischen. Drinnen liegt Auslegware und ein Heizlüfter spendet Wärme, dazu plärrt chilenisches Radio. Auch erstaunt uns eine andere Sache, die uns sofort ins Auge fälllt: Hier stehen Mülltonnen herum. Echte Plastikmülltonnen wie in Berlin. Wir kommen nicht mehr drauf, wann wir die das letzte Mal gesehen haben.
Uns trifft sogleich der nächste Schlag, denn just nach der Grenzlinie treffen wir auf funkelnagelneuen Asphalt und surren hinunter nach Visviri pueblo. Wir kommen uns vor wie in die USA zurück katapultiert und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auf der ordentlichen, modernen plaza stehen Straßenlaternen, es gibt funktionierende Wasserspender und Fitnessgeräte. Jede Menge Pick Ups stehen herum, in den ein Mann Hardy sogleich einlädt, um ihn drei Blocks weiter zu einem Laden zu fahren. Wir dürfen in der modernen Gemeindehalle nächtigen und werden Gäste eines Vortrages (mit PowerPoint und Beamer) zur Aktivierung älterer Muttis für Frauenfußball. Werbegeschenke werden verteilt. Auch wir bekommen ein Capy und Schlüsselanhänger geschenkt.

Wehmütig verlassen wir am folgenden Morgen den schönen Asphalt nach nur 2km und biegen in Richtung Tacora ab. Der steinige Schotter ist hier eher von der sandigen Sorte und beschert uns oft ein Hin- und Hergerutsche. Im kleinsten Gang treten wir mit Druck in den Beinen und Kraft in den Händen, um den Lenker im Griff zu behalten, voran.

Auf den langen, steilen Anstiegen, steigen wir bald beide ab und schieben im Schneckentempo die schweren Räder die Hänge hinauf. Endlich haben wir den Abra Chapoco mit 4400m erschoben. Nun wird es für ein Weile flacher.

Es ist wunderschön hier. Auf den Kuppel der Hügel haben wir einen tollen Überblick auf andere Sandpisten, die ins Nirgendwo zu führen scheinen. Es umgibt uns eine sandige, trockene Landschaft mit büscheligem Gras, in der Vicuñas grasen.
Eine lange Gerade führt schnurstracks auf einen See zu, dessen Teil sich auf peruanischem Gebiet befinden muss. Wir schaffen mit Rückenwind sogar mal holprige 15km/h. Es macht Spaß hier zu rollen.

Im kleinen Dorf Chislluma setzen wir uns in die Bushaltestelle neben der Schule und essen geschützt vor dem mittlerweile heftig blasenden Wind. Alsbald kommen vier Kinder im Alter von 6-11 Jahren herbei. Sie haben gerade Mittagspause und leisten uns Gesellschaft.

Wir wollen den Rückenwind ausnutzen, der uns die Hänge hinaufbläst und kurven fleißig voran. In der Militärbasis im kleinen Tacoma kann ich die Wasservorräte auffüllen und erfahre, dass in Chile der Wehrdienst Pflicht ist. Die jungen Soldaten sind hier stationiert, da aktuell politische Konflikte über Territorial-Ansprüche sowohl mit Peru als auch mit Bolivien lodern. Evo Morales sei der erste bolivianische Präsident, der die festgelegten Verträge von 1904 anfechtet und Landmassen bis zum Meer zurückfordert. Jegliche politische Kommunikation sei auf Eis gelegt.

Eisig wird es auch wieder diese Nacht, als wir nah am Dorf Humapalca an einem Bach mit einem wahnsinnigen Blick auf den gewaltigen Vulkan Tacoma zelten.
Und eisig wird es ebenso, als wir am Morgen barfuß einen Bach kreuzen müssen. Ich könnte schreien vor Schmerzen.
Zum Glück hat die Quebrada Allane ganz unten in einem abgefahrenen Canyon, der uns landschaftlich an den Grand Canyon erinnert, einen tiefen Wasserstand von nur 30cm. Da reicht es aus die Vordertaschen hinten drauf zu schnallen und barfuß hindurch zu radeln, was irre Spaß macht!

Weniger lustig ist der 20km lange, zum Teil steile Anstieg wieder hinaus aus dem Canyon und im Anschluss gleich hinauf auf den höchsten Pass der Runde. Mit lauter Musik auf den Ohren kämpfen wir uns empor. Leider nimmt der Wind stetig zu. Ich kann nicht mehr und brauche alle paar hundert Meter eine Atempause. Zähneknirschend willigt Hardy ein, wir brechen nach 11km Steigung ab und verschieben den Rest des Anstieges auf morgen früh.

Dafür belohnt uns ein schön kitschiger Sonnenuntergang mit Blick auf den Tacoma in der Ferne für diesen windigen Platz.

Für die fehlenden paar Kilometer hinauf benötigen wir über zwei Stunden schönste Tretarbeit. Überglücklich kommen wir am Pass mit seinen 5250m an. Schneebedeckte Landschaft umgibt uns. Wir blicken in tolle Täler mit roten Steinen.

Sogleich geht es flott und sehr holperig die folgenden 15km hinab zur Schnellstraße. Der ungewohnte, nicht aufhörende Strom von beladenen Fernkraftwagen stresst uns. Man muss gar nicht aufs Nummernschild achten, so erkennen wir die chilenischen oder bolivianischen Fahrer an ihrem rücksichtsvollem bzw. rücksichtslosem Fahrstil.

Bald rückt majestätisch der schneebedeckte Vulkan Parinacota ins Bild. Er lässt uns nicht los, „ein Schlafplatz mit Blick auf ihn muss heute sein“, meint Hardy. Bald finden wir in den windgeschützten Grundmauern eines alten Steinhauses einen guten Platz mit glorreichem Ausblick.

Back to Bolivia
Am Vormittag des folgenden Tages überholen wir in schneller Fahrt all die an der Grenze wartenden LKWs und preschen zur Migration. Bei dieser Einreise nach Bolivien will uns der Grenzbeamte nur 30 Tage geben. Willkür nenne ich das, aber die Zeit reicht uns aus.
Im nahen Durchgangsort Tambo Quemado kriegen wir von der lustlosen Bedienung beim Mittagessen sogleich die außerordentliche bolivianische Unfreundlichkeit zu spüren. Bereits nach 20 Minuten in Bolivien sag Hardy: “Ich freu‘ mich schon, wenn wir wieder nach Chile einreisen“. Aber dafür ist die Verkäuferin im Laden um so netter, bei der wir all unsere dahin geschiedenen Vorräte mit einem Großeinkauf auffüllen.

Endspurt nach Sajama
Nur noch 11 läppische Kilometer trennen uns von unserem Pausenort Sajama. Wir biegen ab auf eine schmale Piste, die in weit besseren Konditionen sein soll als die „Richtige“. Aber auch diese erweist sich als übelste Sandpartie. Zudem gibt es natürlich nicht nur einen Weg, immer wieder zweigen Minipisten ab. In der Ferne sehen wir bereits das langersehnte Ziel, nur führt unsere Piste leider total in die falsche Richtung.
Wir beschließen abzuzweigen und über einen fast ausgetrockneten See zu schieben. Das geht ja noch relativ gut. Es folgen jedoch diverse buckelige Weiden, auf denen Alpakas grasen. Zäune müssen überwunden werden. Zum ersten Mal auf unserer Reise muss leider der unterste Stacheldraht eines Zaunes dran glauben. Zack und Hardy hat ihn mit der Zange durchgezippt. Nun passen die Räder drunter her. Das Geschiebe und Gezerre zieht sich über zwei Stunden hin. Zum zweiten Mal auf dieser Reise frage ich mich warum tue ich mir das eigentlich an. Wir sind total ausgelaugt. In der Ferne sehen wir die „richtige“ Piste und schieben darauf zu. In der Tat, sie ist bei weitem viel sandiger als die Erste. Fahren ist nicht möglich. So schieben wir weiter stur vor uns hin, die letzten Kraftreserven mobilisierend.

Als wir dann endlich in Sajama angekommen sind, will doch irgend so ein junger Mensch auch noch Eintrittsgeld für das Dorf, bzw. für die touristischen Attraktionen haben. Wir sagen, dass wir sie nicht nutzen werden und lassen ihn bestimmt abblitzen.
Dann mieten wir uns ins beste Hotel des Dorfes ein (Hostal Sajama) und finden den eigenen kleinen Bungalow einfach nur klasse! Das Bett ist weich und die Dusche immerhin warm. Der Dreck der vergangenen zehn Tage fließt zu Boden, die vom Schmutz stehende Wäsche wird gewaschen und die verschlammten Fahrräder gleich mit. Wir gönnen uns zwei Tage mit Relaxen und schlendern hin und her durch das Kaff.

Kräfte tanken heißt es, denn uns steht eine weitere harte Runde über die zwei Salzseen und sodann vorbei an ein paar Lagunen (die Lagunenroute) Richtung San Pedro de Atacama (Chile) an. Bolivien wird noch einmal all seine Register ziehen – wie immer, wir freuen uns drauf!

Fazit:
Diese Runde ist eine der anstrengendsten seit Monaten gewesen. Besonders die klimatischen Verhältnisse haben an unseren Körpern gezerrt. Des öfteren hatten wir des nachts im Zelt Temperaturen von -10Grad. Gleichzeitig ist sie aber auch eine der schönsten Runden seit langem gewesen. Radeln in der Weite und Kargheit des Altiplanos mit Blicken auf schneebedeckte 6000der Vulkane ist unglaublich!

Das Erlangen von Wasser ist kein Problem, immer wieder trifft man auf kleine Dörfer oder Militärbasen. In den kleinen Dörfern in Chile haben wir keine Läden gesehen.

Weitere Infos zu dieser Tour findet Ihr bei andesbybike. Die Fotos zum Text gibt es wie immer in der Galerie.

Posted in Bolivien

Von der bolivianischen Grenze, über Copacabana – bis nach La Paz (Bolivien/August 2013)

Nach Bolivien radeln wir eines Mittags bei strahlendem Sonnenschein ein. Die Einreiseformalitäten im kleinen Ort Kasani sind schnell erledigt. Als Reiseradler bekommen wir vom netten Beamten hinter’m Schreibtisch sogleich die erhofften 90 Tage in den Pass gehauen. Der Soldat in seiner glänzenden Uniform am Nachbartisch wollte uns dagegen nur 30 Tage, wie all den anderen Reisenden geben.

Bolivien – los kann’s gehen. Erkundet werden will Land Nummer 14!

Erste Eindrücke
In Bolivien wirkt es ärmlicher, heruntergekommener und vermüllter als im Nachbarland Peru. Das macht sich auch so gleich im bröckelnden Asphalt bemerkbar. Löcher in der Piste werden einfach per Einpassung von handgeschlagenem Kopfsteinpflaster ausgebessert, ohne jeglichem „Klebstoff“. Die passenden Steine gibt es gleich auf den Hängen der alten Inkaterrassen nebenan.
Die Huckel, die sich über die ganze Fahrbahn ziehen und welche die rasenden Fahrer zum Abbremsen bringen sollen, sind hier wesentlich spitzer, so dass auch wir eine Vollbremsung einlegen müssen.

Viele Leute sind nicht an einem Gespräch mit uns interessiert, in den Läden uns etwas zu verkaufen ebenso wenig. Wir kämpfen noch mehr um Aufmerksamkeit der Verkäufer als in Peru. Auch haben wir oft das Gefühl, dass wir ohne mit der Wimper zu zucken und mit einem Lachen im Gesicht über’s Ohr gehauen werden. Auf die Frage, warum denn die Ware so teuer sei, bekommen wir jedes mal zu hören, die Preise seien gestiegen. Irgendwann ist es echt nicht mehr glaubwürdig. Auch um die Rückgabe unseres Wechselgeldes müssen wir uns stark bemühen. Es wird gesagt, es gäbe keinen cambio, aber dann haben die Verkäuferinnen doch ihre Schürzentaschen voller Klimpergeld.

Schon in der Kürze unserer ersten Tage in diesem Land erleben wir viel Gewalt. Hier wird anstatt zu reden schnell zugeschlagen. Scheint ganz normal zu sein. So schließe ich die Tür in einer Pizzeria in Copacabana (leider) zu oft, nachdem die Horde Kinder der Besitzer rein und raus düsen. Daraufhin wird der älteste Junge ohne Ansage in die Küche gezerrt und mit einem Lineal verdroschen.
Auch ein Lehrer haut bei einem Training zum Pyramidenbau anlässlich des Nationalfeiertags vor einer Schule gern heftig mit einem Holzstab auf die Hinterteile der Jungs, wenn die Schüler nicht schnell genug aufeinander klettern.
Ein Junge schlägt einfach Hardy, als der in einem Laden mit dessen Eltern über die Preise diskutiert. Die Eltern schreiten weder ein, noch sagen etwas dazu, als sich Hardy nicht nur über die horrenden Preise sondern auch über das Verhalten ihres Kindes aufregt.
Ich weiß nicht, ob die Worte Sturheit, Ignoranz, Gleichgültigkeit und auch Feindseligkeit genau das treffen, was wir in unseren ersten Tagen auf der Hauptverkehrsroute zwischen Copacabana und La Paz vermehrt empfinden.

Copacabana
Bis ins nahe Copacabana kurbeln wir angenehm über einen kleinen Pass und schon liegt der gemütliche Ort unter uns. Wie am Meer gelegen sitzt das beschauliche Städtlein zwischen zwei Bergen am Sandstrand.

Wir ziehen schnell in unser Hotel (Hostal Sonia) und schmeißen uns mit den vielen anderen Backpackertouristen ins Gewimmel. Gleich zwei Ecken weiter befindet sich die große, wunderschöne Kathedrale. Von Außen weiß getüncht, mit grüner, blauer und türkiser Fliesenkunst auf dem Dach und den Türmen beeindruckt sie mich weit mehr als ihr güldenes Inneres. Die berühmte schwarze Madonna Copacabanas aus dem 16. Jahrhundert bekommen wir leider nicht zu Gesicht.

Gleich vor der Kathedrale spielt sich ein abgefahrenes, quietschbuntes Spektakel ab. Nicht nur zu Zeiten der Aymara und Inkas sowie später zu Zeiten des Augustinerordens war Copacabana eine wichtige Kultstätte. Sie ist es heute noch! Denn wer sich ein neues Fahrzeug angeschafft hat, der kommt nach Copacabana, um es segnen zu lassen! Täglich kommen neue Autokolonnen an. Es wird sogar vor der Kathedrale genächtigt, um morgens der erste zu sein – Taxis, Minibusse, Privatfahrzeuge und sogar LKWs stehen Schlange in der Gasse vor dem Sakralbau. Neben ihnen befindet sich eine ganze Armada von Büdchen, die bunte Blumen, Girlanden oder Hüte aus Plastik oder Papier an die Fahrer, die mitsamt ihren ganzen Familien anreisen, verkaufen. Auch sehr lustig anzusehen sind die verschiedenen kleinen, per Hand bemalten Modellhäuser oder Autos aus Plastik, die man sich ebenfalls kaufen kann. Es gibt einstöckige oder zweistöckige Häuschen mit Läden drin oder Pool daneben. Da gibt es auch Bündel Spielgeld, die neben dem anderen Schmuck ebenso auf der Motorhaube drapiert werden und die gewünschten Lebensziele repräsentieren. Mit diesen Accessoires werden Kühlerhaube sowie Seitenspiegel penibel dekoriert.
Dann kann ausgewählt werden: Möchte man das Kraftfahrzeug mit Coca Cola oder Bier von der Schamanin oder mit Weihwasser aus dem Plastikeimer per Plastikblume vom Padre segnen lassen? Letzterer sagt in die offene Motorhaube gewandt seinen Psalm auf und spritzt dann das heilige Wässerchen auf den Motor, in den Sitzraum sowie auf die Räder. Bei Coca Cola oder Bier muss das ja ein schweine Geklebe sein! Dann gibt es noch ein Gruppenfoto mit dem Padre und ihm wird für seine Dienste umgerechnet rund ein Euro in die Hand gedrückt.

Ansonsten besteht Copacabana aus unzähligen, in die Jahre gekommenen Hotels, Restaurants und Souvenirläden. Zusammen mit Lena und Hardy schlendern wir an ihnen vorbei und lassen uns direkt am Ufer des Sees eine gegrillte Forelle mit einem leckeren, dunklen Bier schmecken. Am dreckigen Sandstrand liegen olle Tret- und Paddelboote bereit. Viele, viele Boote für die Tagesausflügler schwanken in den leichten Wellen. Die Sonne senkt sich und plumpst in den See. Wir genießen das leuchtende Abendrot. Es kommt eine fröhliche Ferienstimmung auf!

Isla del Sol
Zusammen mit etlichen anderen Touristen machen wir uns mit Hardy und Lena auf den Weg, um eine Tageswanderung auf der Sonneninsel zu unternehmen. Laut Geschichte befindet sich genau hier der „Geburtsort“ des Inkareiches. Der Legende zu Folge soll auf der Sonneninsel der Schöpfergott Viracocha seine beiden Kinder Mama Ocllo und Manco Capac abgesetzt haben. Diese stiegen in ein Boot aus Binsen und fuhren ‚gen Norden, wo sie Cusco und die Dynastie der Inkas gründeten.
Obwohl es heutzutage auf dem Inselchen recht überlaufen ist und man an einigen Bezahlstationen Wegegeld abdrücken muss, lohnt sich der Ausflug. Die Aussicht auf die schneebedeckten Berge in der Ferne, das tiefe Blau des ruhig daliegenden Sees und der karge, graue und ockerfarbene Steinboden sieht unglaublich aus, als wir über die bergige Insel an einigen Ruinen vorbeiwandern.

Auf nach La Paz
Wir verlassen Copacabana am Mittag, um bei warmer Nachmittagssonne einen sich hinziehenden Anstieg auf 4300m sowie die Ausblicke auf den Titicacasee genießen zu können. An den steil abfallenden Hängen sind verwitterte Terrassen der alten Inkas auszumachen. Das zerklüftete Ufer erinnert an Fjorde. Inseln breiten sich vor uns aus. In der Ferne leuchten die weißen Gipfel der Cordillera Real.

Und dann liegt sie vor uns, die Engstelle des Titicacasees, in der er nur 800m breit ist. Bei Tiquina muss per Fähre ans gegenüberliegende Ufer gequert werden. Das ist eine abenteuerliche Fahrt. Auf morschen Kähnen, ausgelegt mit breiten Bohlen und angetrieben per gealtertem Außenbordmotor, geht es wackelig hinüber. Auch werden so ganze Reisebusse heftig schwankend transportiert, getrennt von den Fahrgästen.
Am späten Nachmittag kurbeln wir uns dann auf der anderen Seite des Ufers wieder den Hang hinauf. Es ist bereits nach 18 Uhr, die Sonne versingt gerade im See, da finden wir endlich einen versteckten Zeltplatz auf einer der alten Inkaterrassen über dem Wasser. Das wollten wir schon immer mal machen!

Unser Weg führt uns in Huatajata zu der Werkstatt des Binsenbootsbauers Demeterio Limachi. Die Limachibrüder sind die Erbauer der Ra II, mit der einst Thor Heyerdahl 1970 von Marokko nach Barbados segelte. Später bauten sie, wieder für Heyerdahl, die Tigirs und Kon-Tiki. Wir halten an und sagen „Hallo“. Der alte und inzwischen sehr leider frustrierte Demeterio baut heutzutage nichts mehr. Boote aus Holz hielten viel länger, die Binsenprodukte seien nach einem Jahr untauglich, hören wir. Nur noch Show für die heran gekarrten Touristen sind die paar Modellboote und alte Fotoalben. Da wir zum einen als „sparsame Deutsche“ und zum anderen als Fahrradfahrer seiner Meinung nach eh nichts kaufen würden (o-Ton: „Nicht einmal eine Postkarte!“), ist der alte Limachi nicht besonders an uns interessiert. Er verbietet uns sogar in seinen Shop hinein zu gehen. Das nenn‘ ich mal Verkaufstaktik.

Kurz darauf rollen wir einmal wieder in Hardy und Lena hinein. Bis nach La Paz wollen wir gemeinsam radeln. Es ist platt und wir kommen gut voran. Viel zu gut, denn wir befinden uns nur noch 30km vor El Alto, der berüchtigten, heruntergekommenen Stadt oberhalb La Paz’s, in der wir am Abend nicht ankommen wollen. Versteckte Zeltplätze finden wir nicht. In all den Dörfern gibt es keine Hotels. Es wird gefeiert, denn irgendeine Jungfrau wird gehuldigt. Musik wird gespielt. Es wird getanzt und getrunken. In Villa Vilaque, einem solchen Dorf halten wir an, um einen Platz für die Nacht zu finden. Zum ersten Mal auf unserer Reise ist es wirklich schwierig einen Schlafplatz klar zu machen. In den beiden Schulen werden wir von einer grantigen Frau scharf abgewiesen. Das Rathaus ist voller Besoffener und im Gesundheitszentrum will uns der auch angetrunkene Oberarzt nicht schlafen lassen. Doch Hardy hat mit seinen charmanten Überredungskünsten Erfolg und wir dürfen doch noch in der einsetzenden abendlichen Kälte die Zelte hinter dem centro de salud aufbauen.

Langer Aufenthalt in La Paz
Nach kurzer Fahrt liegt La Paz plötzlich in seinem Talkessel unter uns. Das Gelände fällt in El Alto ruckartig ab. Wir sausen zusammen mit Hardy und Lena auf der alten Piste die Serpentinen rund 1000 Höhenmeter ins tiefer liegende La Paz hinunter.
Auf der Plaza San Franzisco warten Lena und ich fast zwei Stunden, während die beiden Hardys alle Hotels der Umgebung abklappern. In doppelter hardy’schen Schlagfertigkeit und Durchsetzungskraft erzielen sie einen super Deal im luxuriösen Hotel Lion Palace. So ein großes und schickes Zimmer hatten wir noch nie. Bolivien ist im Puncto Hotels und Essen-gehen recht günstig. Preiswerter können wir nicht selber kochen. Am Abend verdrücken wir bei Inca Bier ’ne ganze Lammkeule.

La Paz gefällt uns gut. Es ist eine interessante Mischung aus Moderne und uralten Traditionen. Glänzende Hochhäuser mit Glasfassaden stehen neben unverputzten, halbfertigen Ziegelhütten. Kunstvolle, koloniale Gebäude mit Freskenfassaden aus dem 19. Jahrhundert gammeln vor sich hin.
Der Verkehrsstrom reißt in den engen, steilen Kopfsteinpflastergassen einfach nicht ab. Fußgänger schlängeln sich durch das stop-and-go hindurch. Als nicht motorisierter Verkehrsteilnehmer muss hier ständige Aufmerksamkeit geboten werden. Bei Straßen- Überquerungen muss nicht nur nach links und rechts geschaut werden, sondern auch nach schräg vorne und hinten. Achtung sei auch geboten nicht auf dem blank gelaufenen Kopfsteinpflaster auszurutschen und im stetigen Schwall der Fußgänger nicht an den Vordermann zu rempeln.

Dünne Frauen laufen in schicken Hosenanzügen, grell geschminkt, schnellsten Schrittes an uns vorbei. Im Gegensatz zu ihnen schlendern rundliche Muttis in dicken Lagen bunter, übereinandergelegter, warmer Röcke, mit zwei geflochtenen Zöpfen und einem bunten Bündel auf dem Rücken durch die Straßen und verkaufen ihre Waren.
Überhalb von ihnen, an den Häuserwänden, von Ampelmast zu Ampelmast verlaufend, sehen wir dicke, chaotische Wülste schwarzer Stromkabel da hängend wie Spinnennetze.

Wir besuchen die Plaza Murillo, laut Hardy der Marcos Platz La Paz’s, mit seinen tausend Tauben und den Regierungsgebäuden drum herum, schlendern durch das alte indigena-Viertel, in dem sich nun die Touristen in Bergsteigeragenturen und Läden mit Alpakamode tummeln und erkunden die Hexengasse in der Calle Linares. Bei Wunderheilern und Zauberinnen kann man neben Tinkturen, Pülverchen, Elixieren, Heilpflanzen, Wünschen und Verwünschungen alles haben. An vielen Straßenständen hängen getrocknete Lamaföten in allen Entwicklungsstadien herum. Ein Brauch ist es bei der Grundsteinlegung eines Hauses einen Lamafötus mit in die Grube zu legen. Es soll Pachamama besänftigen. Bleibt ein solches Haus bei Erdbeben wohl besser stehen?

Es ist Unabhängigkeitstag. Auf der Plaza San Francisco findet eine Parade statt. Ein Orchester junger Polizisten in pieksauberer Uniform schwingt ausgelassen tanzend die Instrumente. Gruppen in verschiedenen bunten Trachten tanzen rund um den Platz.


Hardy klappert einmal alle Bergsteigeragenturen ab und erfüllt sich einen seit Ecuador langersehnten Traum: Die Besteigung eines 6000ers. Zusammen mit Guide Miguel besteigt er in einer Zweitagestour den Huaina Potosi.
Mit ein paar sehr patriotischen Franzosen, die Hardys Uneinsicht in die Notwendigkeit doch auf „sein“ Stück Erde (Deutschland) stolz zu sein nicht verstehen können, verbringt er die Nacht, um am Morgen um zwei Uhr mit Stirnlampe, Steigeisen und Eisaxt bewaffnet den Gipfelsturm zu wagen. Oben angekommen gibt es tatsächlich einen Grund stolz zu sein! Nach anstrengenden viereinhalb Stunden Aufstieg ab 5100m stehen Hardy und Miguel als erste am heutigen Tage auf den Gipfel auf 6088m und bewundern das Hereinbrechen des Tages. Gut akklimatisiert zu sein zahlt sich aus. Es beginnt sich zuzuziehen, doch das macht den Sonnenaufgang mit dem nun zwischen den Wolken durchlukenden Gestirn nur noch schöner. Schnell geht es dann über den schmalen Grad unterhalb des Gipfel wieder bergab und über die nun beleuchteten Schneefelder und kleine Gletscherspalten zurück zum Basecamp. Ein besonderes Abenteuer während dieser Reise ist bestanden. Hardy strahlt vor Glück!

Irgendwann ist es dann höchste Zeit, das wir aus unserem „Luxushotel“ in die casa de ciclistas in La Paz umziehen. Hier stellt Cristian ein ganzes Apartment in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert im Hause seiner Familie den Reiseraldern zur Verfügung. Die in die Jahre gekommene Wohnung, zusammengewürfelte Sperrmüllmöbel und Notizen diverser Radler haben ihren ganz eigenen Charme. Wir leben zusammen mit sieben anderen Reiseradlern und erleben mal wieder WG-feeling. Wir kochen zusammen, trinken Wodka aus der Plasteflasche, scherzen, werken an der unheimlichen, schlecht funktionierenden Elektroinstallation herum und lernen vieles über bolivianische Improvisationskunst. Natürlich wird auch an unseren Rädern gearbeitet. Hardy bekommt neue Pedalen und ein neues Tretlager. Bei mir kommt ein viel größeres Problem zu Tage, mein Rahmen ist leider aufgrund von Rissen und abgeplatztem Lack starkt verostet. Zum Glück zeigt sich der Vertreiber unserer Rahmen, ra-co, sehr kulant und ich bekomme einen neuen.

Außerdem finden wir Zeit uns ausgiebig mit der folgenden Route zu beschäftigen. In den nächsten zwei bis drei Wochen werden wir über die Pisten Westboliviens und des Nordzipfels Chiles über den Salar de Uyuni bis in den gleichnamigen Ort radeln. Dann soll es über die berühmt und berüchtigte Lagunenroute bis nach San Pedro de Atacama (Chile) gehen. Auf ins Abenteuer – wir freuen uns auf viel Wind, Sand, Wellblech und Salz.

Fotos zum Artikel gibt es in der Galerie.

Posted in Bolivien

Von Cusco über Puno – auf zur bolivianischen Grenze (Peru/ Juli 2013)

Radeln im Valle Sagrado

Schweren Herzens verlassen wir Cusco und die Gemeinschaft der anderen Radler. Es war schön mit ihnen zusammen zu sein und sich auszutauschen. Aber es zieht uns weiter, denn mit einem Zwischenstopp in Puno am Titicacasee steht unsere letzte Peru-Etappe an. Immer der Schnellstraße 3 Sur folgend, werden wir nach Bolivien gondeln.

Im Heiligen Tal der Inkas, radeln wir in südöstlicher Richtung. Die Sonne scheint. Wir haben Rückenwind. Was will man mehr? Es geht immer am Fluss entlang. Die Eisenbahnschienen haben wir in Sichtweite. Zwischen den Feldern stehen schiefe Adobehäuser.

Die „sixtinische Kapelle der Anden“ beeindruckt uns sehr im kleinen, verschlafenen Ort Andahuaylillas. Von außen macht die alte Jesuitenkirche einen unscheinbaren Eindruck. Von innen überrascht sie! Neben dem güldenen Altar gibt es alte Gemälde und Fresken der Escuela Cuzqueña zu bestaunen, die christliche Symbole mit indigener Kunst verbindet. Nach unserem Besuch wird die Kirche gesperrt, denn eine pompöse Hochzeit findet statt.

Kurz vor Urcos kommen wir an der legendären Lagune vorbei, in der einst die Inkas die riesige Goldkette versenkt haben sollen, die angeblich die Plaza de Armas in Cusco umspannte. Urcos selbst ist ein quirliges Dorf. Wir machen hier Mittag.

Dieser Streckenabschnitt scheint gut befahren zu sein, denn täglich treffen wir, auch mehrmals, auf andere Reiseradler. Die meisten kommen uns entgegen. Natürlich wird zu einem Schwätzchen angehalten, da gibt es Norweger, Amerikaner, Japaner, Holländer usw. Wir treffen nun auf den Schwung der im letzten argentinischen Sommer in Ushuaia gestarteten Biker. Es kristallisiert sich heraus, dass unsere noch fehlenden 8.000-10.000km richtig angepeilt sind. Dafür wurden um die sieben Monate benötigt.
Auch auf Hardy und Lena treffen wir einmal wieder. Wir radeln zwei Tage lang zusammen. Gemeinsam besichtigen wir die interessanten Ruinen von Raqchi. Eine hohe Stützwand mitsamt Säulen eines Tempels der alten, wirklich großen Siedlung sind noch gut erhalten. Die Bauweise ist untypisch für die Inkazeit, so dass dieses Bauwerk eher in die Präinkazeit, also der Tiwanaku-Kultur, zuzuordnen ist.

Im Nachbarort Sicuani essen wir Mittag (Eutersuppe – nicht unser Geschmack) und stocken die Vorräte auf. Dabei will uns doch vor dem Laden auf dem Bürgersteig tatsächlich ein übelst unsympathischer Mann sein Baby verkaufen. Hardy staucht ihn ordentlich zusammen, worauf er meint, es sei doch nur ein Scherz gewesen.

Wir treffen auf solche und solche Menschen. Eine sehr liebenswerte Schwester und einen netten Arzt lernen wir im Gesundheitszentrum in Marangani kurz darauf kennen, als wir nach einem Campingplatz in ihrem Hof fragen. Wir bekommen sogleich den großen Versammlungsraum angeboten, nehmen ihn dankbar an, denn so sind wir vor dem kalten, inzwischen stürmenden Wind geschützt.

Der folgende Morgen beginnt mit einem Besuch der Thermalquellen Aguas Calientes. Hardy stürzt sich als erster ins heiße Nass. Dann lassen wir Anbaugebiete hinter uns und beradeln Lama-Weideland. Die Besiedlung nimmt ab. Das sich im Wind biegende Ichu-Gras dominiert das gelbe Bild.

Auf dem Anstieg des letzten Passes vor Puno kommen wir noch einmal ins Schwitzen. Den Abra la Raya bezwingen wir aber doch recht schnell mit seinen „läppischen“ 4312m. Auf der Passhöhe hält auch gerade ein Zug voller Touristen, die hier Souvenirs kaufen und das Passschild fotografieren. Das machen wir ihnen nach, denn es ist das erste seit langem!

Radeln auf dem großen Altiplano
Mit dem Überqueren des Passes haben wir endlich die große Hochebene, die sich über Puno bis weit hinein nach Bolivien erstreckt, erreicht. Weiterhin werden wir von den Schienen begleitet. Wir freuen uns sehr! Für uns heißt es in Zukunft nun radeln auf rund 4000m Höhe. Zum Glück haben wir nach wie vor Bombenwetter und derben Rückenwind, der uns voran pustet. Ich mag nicht an schlechte Konditionen denken. Des nachts wird es nun stark abkühlen. Wir rechnen mit Minustemperaturen in den zweistelligen Bereich hinein.

Erstmal fliegen wir dahin. Es ist wunderschön! Der strahlend blaue Himmel und das vom Sonnenlicht goldgelb beleuchtete Büschelgras geben einen tollen Kontrast ab. Vereinzelt sehen wir braune Lehmhäuser. Zusammen mit Kühen oder Schafen grasen wollige Alpakas am Wegesrand, eine lustige Mischung.

Der Nachmittag vergeht mit vielem Staunen und diversen Fotostopps. Die Sonne senkt sich bedenklich tief. Wir wollen mit Lena und Hardy zusammen zelten, brauchen jedoch eine Weile, bis wir, dank Hardy (meiner!), einen versteckten Platz hinter einem runden Hügel gefunden haben.

Die Sonne verschwindet gerade hinter den Bergen in der Ferne. Zeitgleich schwingt sich der helle, zum Greifen nahe Vollmond hinter „unserem Hügel“ hervor. Es wird schnurstracks super kalt! Vorsorglich nehmen wir alle Wasserflaschen mit ins Zelt. Eine weise Entscheidung, denn wir haben minus 5 Grad. Von innen ist das Zelt gefroren. Obwohl unsere Daunenschlafsäcke mittlerweile leider so einiges ihres ursprünglichen Volumens verloren haben, ist uns mit Hilfe langer Unterwäsche (noch) warm.

Über Ayaviri und Pucará rasen wir am nächsten Tag bis nach Juliaca und schaffen 120km. Das hatten wir schon lang nicht mehr! Trotz des planen Geländes merken wir die Anstrengung. Höhe und gleißender Sonnenschein machen uns platt. Bereits mittags fühlen wir uns müde und ausgelaugt, die Augen sind trotz Sonnenbrille geschafft.

Vor und nach der großen und tristen Stadt Juliaca ist es alles andere als schön. Bauruinen, heruntergekommene Häuser und vor allem viel herum fliegender Plastikmüll prägen das Bild. Wir hatten gehört, dass andere Fahrradreisende hier mit Steinen beworfen wurden, erleben selbst jedoch keine Feinseligkeiten. In der Nähe der plaza checken wir in ein ranziges Hotel ein. Etwas anderes gibt es hier einfach nicht. Angeblich sei die Stadt Verkehrsknotenpunkt, Schmuggler- sowie Handelshochburg, so hören wir.

Nach Puno ist es nicht mehr weit. Die fehlenden 45km radeln wir am nächsten Vormittag ab. Nachdem wir das Ballungszentrum Juliacas verlassen haben, umgibt uns wieder Weite. Der Wind weht, der Boden ist trocken, die Sonne burnt. Hier zu leben ist wirklich hart.

Nach einer leichten Steigung erblicken wir ihn endlich, den Titicacasee! An seinem nordwestlichen Ende scheint er eher wie eine große, blaue Pfütze unter uns zu liegen, anstatt des höchstgelegenen schiffbaren Sees der Welt auf 3800m. Hier sind wir angekommen, am heiligen See der Aymara und Inkas. Ein weiterer Meilenstein meinerseits ist erreicht! Ich bin ein bisschen enttäuscht, in meiner Fantasie hatte ich mir „mehr See“ ausgemalt. Kaum vorzustellen, dass auf all den versandeten und heute zum Ackerbau betriebenen Uferzonen vor 50 Jahren noch Schifffahrt betrieben wurde. Wann kann man an dieser Stelle wohl hinüber nach Bolivien laufen?!

Puno

Das lebendige Puno liegt unter uns. Wir tauchen ein in ein Gewirr aus Taxis, Kleinbussen und zu Hardys Freude Fahrradrikschas sowie lauter unverputzter und unvollendeter Adobe- und Ziegelhäuser.
Als erstes zieht mich der moderne, riesige Supermarkt wie magisch an, mein absolutes Tageshighlight! Mit Wägelchen durchlaufe und bestaune ich das umfangreiche Angebot in dem großen Komplex und kaufe reichhaltig ein. Sehr lustig finde ich den Kontrast zwischen moderner Flachbildfernseher und indigenen alten Mütterchen, die in ihren Trachten, mit Baby im Bündel auf den Rücken durch die Reihen laufen. Zu den im Hintergrund dudelnden Welthits aus den 80gern wippen sie rhythmisch mit ihren Schultern im Takt, um das wimmernde Kindchen im Dunkeln in ihren Tüchern bei Laune zu halten. Hardy muss seiner Meinung nach zu lange mit den Rädern vor’m Laden warten und ist alles andere als begeistert, als ich mit drei vollen Tüten strahlend heraus komme.

Gewarnt vor Diebstählen, insbesondere des mysteriösen Raubes der Fahrräder von Freunden in der hoteleigenen Garage (Hotel Virgen de las Nieves 3!), lassen wir besondere Vorsicht walten und schließen die Räder in unserem Zimmer (Hostal Roma) besonders sorgfältig an. Dann schmeißen auch wir uns ins Getümmel.
Wir setzen uns auf die Stufen der Kathedrale und essen ein paar Brote, um dabei die Szenerie zu beobachten. Das ist ja besser als Kino! Laut pfeifend, mit Slogans an den amtierenden Präsidenten gewandt, wie „Ollanta escucha, medicos en lucha!“ („Ollanta hör zu, Ärzte sind im Kampf!“) lassen Männer und Frauen in weißen Kitteln ihren Unmut im Arbeitskampf heraus. Danach wird mit viel Polizei- und Waffenaufgebot ein Häftling in den Justizpalast abgeführt. Mit rhythmischen Trommelschlag, Gitarren- und Panflöten-Musik begleitet zu allerletzt eine in schwarz gekleidete Trauergruppe mit vielen Blumen einen auf den Schultern getragenen Sarg zum Friedhof.

Auf der Mole wird von so einigen Häschern versucht uns dazu zu überreden doch eine Bootsfahrt auf eine der diversen Inseln im See zu machen. Nicht mit uns!
Der Titicacasee selbst wirkt aus dieser Perspektive wie eine schmutzige, stinkende Brühe. In der Grütze des abgetrennten Bereiches der Mole können in die Jahre gekommene Tretboote ausgeliehen werden. Wir beobachten das fröhliche Treiben. In zwei Tagen ist Nationalfeiertag und jetzt schon ist einiges los. Eis und Popcorn werden verkauft. Auf der Promenade stehen Grüppchen fein angezogener Männer und Frauen im Kreis zusammen, in der Mitte mindestens ein Kasten Bier. Die Flaschen kreisen. Die Polizei, Marine und das Militär stehen in schicker Uniform Parade.

Hardy besucht den alten Schraubendampfer Yavari, eigentlich ein geplantes Kanonenboot (doch die Schießeisen wurden nie geliefert), das einen ersten Liniendienst für Waren über den See 1871 aufnahm. In 2766 Einzelteilen wurde das Schiff über die Anden transportiert und vor Ort montiert. Nun soll es zum Luxusdampfer im Stil des 19. Jahrhunderts ausgebaut werden. Aber das dauert noch mindestens drei weitere Jahre.

Für uns stehen zwei highlights an. Das Empfangen zweier „Fresspakete“ mit Brot, Käse und Süßigkeiten von zu Hause sowie das Loswerden überflüssiger Kilos per 7kg-Paket in Richtung Berlin. Erleichtert kann’s weiter gehen.

Endspurt zur bolivianischen Grenze
Am Nationalfeiertag Perus brechen wir aus Puno auf. Es ist deutlich weniger Verkehr unterwegs. Ein Typ auf einem Fahrrad zeigt uns den Weg aus der Stadt, er meint, er hätte heute nichts zu feiern, da alle Leute in der Regierung Diebe und korrupt seien.

Aufgrund der nun fehlenden Kilos rast Hardy über das Altiplano nur so dahin. Bei Gegenwind fährt er 24km/h, ich habe Mühe mitzuhalten. Leider merke ich auch die Höhe und habe das Gefühl nicht genügend Sauerstoff zu bekommen. Nach enormen 82km machen wir in Juni eine lange Mittagspause, wieder zusammen mit Hardy und Lena.
Die Weiterfahrt gestaltet sich deutlich langsamer aufgrund diverser Stopps, denn das warme Nachmittagslicht taucht den inzwischen sehr großen Titicacasee und die vor uns liegenden Hügel in wunderschöne Farbkontraste aus tiefem blau und goldgelb. Endlich ist es wirklich schön!
Es ist schon nach 17 Uhr, die Sonne ist bald verschwunden. Fix werden an einem Haus Wasservorräte aufgefüllt und nach einem Zeltplatz oberhalb des Hanges Ausschau gehalten. Wir finden etwas Schönes mit tollem Blick über den See.

Am folgenden Vormittag geht es nicht wie gestern am See entlang, sondern über ehemaliges Seegebiet hinweg. Denn zunehmend wirkt er verschilfter und verschlammter. Auch riecht es nicht allzu gut. Kühe, Schafe, Schweine und Alpakas grasen auf ehemaligem Seegrund. Häuser wurden auf ihm gebaut. Die etwas erhöhte Straße verläuft Kilometerweit mitten im einstigen Titicacasee.

Unsere letzten Perueindrücke in Yunguyo erleben wir mit gemischten, eher ernüchternden Gefühlen. Wir sitzen lange auf der plaza und essen Brote. Eine alte Eisverkäuferin will einfach nicht von uns ablassen. Auch ein Nein mit der Begründung uns sei auch ohne ein Eis schon kalt, kommt nicht so richtig bei ihr an. Dann tauchen immer wieder die gleichen Jungs der Schuhputz-Bande auf. Wiederholt werden uns ihre Dienste angeboten. Sie sind sich nicht so ganz sicher, ob wir nun „turistas“ oder „terroristas“ sind, da sie die Wörter nicht kennen. Hardy erklärt, wir sind Touristen, da wir nur Räder und keine Waffen hätten.
Zum Schluss werden uns wieder Kinder angeboten. Die Saubermach‘-Frauen des Platzes wollen, dass wir doch ihre beiden 6jährigen Mädels mit in die USA nehmen. Was ist denn hier los? Wir sind zu perplex und sauer, um adäquat zu reagieren.

Im Grenzort Kasani tauschen wir die verbliebenen soles in bolivianos und reisen problemlos aus.

Fazit Peru
Drei Monate lang sind wir nun in Peru herumgekurvt …
bezeichnend ist, welch‘ UNTERSCHIEDLICHE Eindrücke wir gewonnen haben!

In Peru ist alles gigantisch. Krasse Gegensätze kommen zu Tage: ob hohe Berge; lange Steigungen, die einem mal eben über 1000 Höhenmeter abfordern; schroffes, offenes Gestein in allen Farben; Wüste mit Affenhitze; Eukalyptuswald oder Kakteen in absoluter Trockenheit; Reisfelder im satten Grün – Perus Natur hat uns sehr gut gefallen!

Das Radeln im nicht abreißenden städtischen Verkehr ist insbesondere mir auf die Nerven gegangen. Da heißt es rein in den Strom aus Minibussen, Taxis und Tuktuks, Augen auf und versuchen im selben Tempo zu bleiben und dabei auf Löcher und Ritzen acht zu geben. Dabei wird man vom nicht ablassenden Hupen dauerbeschallt. Letzteres scheinen die Peruaner zu lieben. Es wird gehupt, um zu grüßen, um zu sagen „Achtung, ich komme“, um Zorn auszudrücken und und und. Neben dem Verkehr muss auf die gemeingefährlichen, beißfreudigen Höllenhunde geachtet werden.
Peru hat gefühlt die schlimmsten und längsten Stadtein- und ausfahrten überhaupt. Insbesondere hier ist die Qualität der Pisten übelst. Oftmals geht es natürlich noch steil bergauf. Ist dies einmal überstanden, nimmt der Verkehr deutlich ab und auf Landstraßen ist es relaxter zu radeln.
Abbremsen?! Vergiss es! Besonders die Minibusse und Reisebusse sind übel. Die Lastwagenfahrer hupen freundlich und machen einen Bogen um Radler.

Aus unserer Sicht positiv ist der vermehrte Straßenbau aufgefallen. Es wird viel asphaltiert. Jedoch habe ich noch nie so einen Quatsch gesehen: die Qualität ist übel! Da wird eine sehr dünne Asphaltschicht über Schotter gekippt. Es gibt keine Hangsicherung und die Pisten verlaufen super nah an Abbruchkanten über Flüssen. Da ist es vorprogrammiert, dass das von oben rieselnde Gestein oder die hinabrutschenden Erdmassen der Hänge die Straße beschädigen und der steigende Wasserpegel, der in der Regenzeit reißenden Flüsse ein Stück der Asphaltdecke mitnimmt.
Überall wird bereits an neuen Straßen geflickt. Ist das einfach nur Sparpolitik oder sollen so Langzeitarbeitsplätze geschaffen werden? So mancher Peruaner beneidet Ecuador um seinen guten, nachhaltigen Straßenbau.

Hardy sagt einmal: „Von den drei südamerikanischen Ländern, in die wir hineingeschnuppert haben, gefällt mir die peruanische Gesellschaft bisher am wenigsten“. In Peru ist der Umgang untereinander ruppig und gewaltvoll (im verbalen wie im handgreiflichen Sinne). Der nächst unterstehende in der Gesellschaftsordnung wie beispielsweise Kinder oder Hunde kriegen das Gefälle deutlich zu spüren. Im Imperativ sind Ein- oder Zweiwortsätze an der Tagesordnung.
Einmal erleben wir, wie sich zwei Jugendliche über unsere Fahrräder unterhalten. Der Eine sagt: „Schau mal, was für gute Räder!“, worauf der Andere schnell antwortet „Stiel sie dir doch!“. Dieser Ausspruch ist leider für uns prägend für eine oftmals vorherrschende Anschauung der Leute hier (aber nicht aller!). Das Klauen scheint so normal so sein wie Einkaufen! Da wird gar nicht erst drüber nachgedacht. Respekt vor dem Eigentum anderer Menschen ist gering.

Hier dreht sich vieles ums Geld. Für jeglichen noch so kleinen Gefallen wird eine Bezahlung erwartet. Nicht nur von uns, auch von den Peruanern untereinander. An diese ganz andere Kultur mussten wir uns erstmal gewöhnen.
Auch wird des öfteren von uns Touristen erwartet Trinkgeld oder Geschenke an die Peruaner zu verteilen. Das Phänomen hat seit dem Erreichen der touristischen Gebiete um Huaraz Richtung Bolivien zugenommen. Da kommen die „propina!“ (Trinkgeld) und „dame plata!“ (gibt mir Geld)-Kids von den Hängen gerannt.
Für uns schwer verständlich ist dagegen das häufige Desinteresse in Läden oder Hotels uns Kunden zu bedienen oder Fragen zu beantworten. Wir müssen um Aufmerksamkeit kämpfen. Dieses Desinteresse erlebt seit Beginn Zentralamerikas hier seinen absoluten Höhepunkt. Genervt fragen wir: „Wollen Sie denn kein Geld verdienen?“ und erhalten häufig die Antwort „no“.

Den „Gringoismus“ erleben wir in Peru vermehrt. Mehrheitlich erklingen die Gringo-Rufe jedoch freundlich und nicht aggressiv. Trotz all der negativen Aspekte: die Peruaner, mit denen wir ins Gespräch kommen, erleben wir als meistens nett, freundlich und sehr interessiert. Sie sind oft zu Späßen über Andere und uns aufgelegt und haben Lust mit uns zu quatschen.
Wir haben immer Hilfsbereitschaft erfahren, sei es des Erfragens des Weges oder des Fragens nach einer Unterkunft. Es gibt immer eine Möglichkeit.
In diesem großen Land sind die Menschen von Region zu Region ganz unterschiedlich. Die nettesten Leute haben wir im Nordosten wahrgenommen, in der Grenzregion bis nach Chachapoyas. Einen „Bruch mit den Menschen“ haben wir seit Huaraz gespürt.

Leider ist Peru das Land Nummer eins auf unserer Reise, in dem wir zuvor und während unseres Aufenthaltes von den meisten Überfällen auf Fahrradfahrer sowie von Raddiebstählen hören. Teilweise sind diese sehr gewaltvoll abgelaufen. Wir haben uns im Vorfeld unwohler gefühlt, als im Land selbst. In Peru haben wir uns nicht unsicher gefühlt und keine gefährliche Situation erlebt.

Auch wenn in diesem Fazit leider mehr negative als positive Aspekte auftauchen, können wir beide Peru als ein wirklich interessantes und vielseitiges Reiseland empfehlen!

Fotos zu dieser Etappe befinden sich in der Galerie.

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Machu Picchu und Cusco (Peru/Juli 2013)

Salinas, Salzterrassen

Zusammen mit Loic und den beiden holländischen Radlern Linda und Werner machen wir uns auf, um Machu Piccchu zu besichtigen. 

Gleich morgens steigen wir in ein colectivo (Minibus) nach Urubamba. Unser erster Stopp auf dem Weg zu den alten Inkaruinen führt uns zu den Salzterrassen von Salinas.

In sportlicher Fahrt rasen wir durch wunderschönes Bergland. In Gelb-, Braun- und Rottönen leuchten Felder und Erde in der warmen Sonne um die Wette. Der Blick aus den Autofenstern gleitet in die Ferne, umringt wird diese weiche Landschaft von hohen, schroffen Bergen mit Schnee auf den Gipfeln. Wir ärgern uns ein Wenig, hier keinen loop mit den Rädern gedreht zu haben. Bis ins gemütliche Ollantaytambo wäre es eine tolle, abwechslungsreiche Strecke gewesen.

In Urubamba steigen wir in ein Mototaxi und lassen uns an einer kleinen Brücke rauswerfen. Nach einer kurzen Wanderung erreichen wir in der heißen Mittagssonne die Salzterassen von Salinas. Schon in der Ferne blitzt uns das strahlende Weiß der rund 1550 terrassenartig angelegten Pools entgegen. Es blendet wahnsinnig in den Augen. Im Gegensatz zu den Arbeitern tragen wir Sonnenbrillen.



Ein nichtabreißender Zufluss an Salzwasser direkt aus dem Berg garantiert regelmäßige Ernten durch das sukzessive Verdunstung des Quellwassers in der Sonne. Das zurückbleibende Salz soll von besonderer Reinheit sein. Abgebaut wird es wie vor hunderten von Jahren per Handarbeit. In einem Pool können 150-250kg Salz gewonnen werden. Es dauert ein Jahr bis ein solcher getrocknet ist. Ein guter Arbeiter kann angeblich bis zu 120$ im Monat verdienen.

Pool schmiegt sich an Pool. In verschiedenen Grün-, Beige- und Brauntönen leuchten die Becken in der Sonne, durchzogen von grellweißen Salzwänden und Gräben mit plätscherndem Wasser. Manche Pools stehen gänzlich unter Wasser. In manchen befindet sich eine hauchdünne Wasserschicht, in der bereits Salzkristalle auszumachen sind. Manche sind bereits ganz trocken. Natürlich neckt es mich und ich kann es nicht lassen einmal mit meinem Finger in eine solche Salzlake zu dippen um zu probieren. Ja, ich kann es bestätigen, das ist Salz! Ein wirklich spannender Ort!

Ollantaytambo

Nach kurzer Taxifahrt erreichen wir Ollantaytambo, kurz gesagt einfach nur „O“. Inn unserer kleinen Reisegruppe wird das Abkürzen der Ortsnamen mit „O“, „U“ und „AC“ der Einfachheitshalber zu einem running Gag.

O“ ist der älteste, ständig bewohnte Ort Südamerikas. Einst war das Dorf zur Inka-Zeit ein wichtiges religiöses, militärisches und landwirtschaftliches Zentrum. Natürlich ist Ollantaytambo heutzutage zu einem sehr touristischen Ort gewandelt. Aber er gefällt uns dennoch, denn er hat Charme. Wir schlendern über schmale, kopfsteingepflasterte Gassen. Mauern und Wände sind aus großen, sich nach oben verjüngenden Steinen gebaut. Kakteen und Blumen wachsen auf den schiefen Mauern. Kaltes Wasser fließt in Kanäle gurgelnd an den Häusern vorbei. Es ist warm.

Wir bestaunen die Menschenmassen in den Ruinen gleich neben dem Dorf und kriegen langsam einen Vorgeschmack auf das, was uns in Machu Picchu erwarten wird.

Am späten Nachmittag steigen nicht nur wir in den Zug nach Aguas Calientes. Massen an Besuchern stehen auf dem Gleis. Im schicken Abteil der Eisenbahngesellschaft Inca Rail fühlen wir uns wie in einem Flugzeug. Anfangs werden die Sicherheitsbestimmungen in Spanisch sowie Englisch angesagt, dann bekommen wir per Wägelchen ein Getränk unserer Wahl serviert. Im Hintergrund dudeln bekannte Songs in Panflötenvariante. Wir schauen uns an und finden das alles etwas übertrieben. Den Preis für die ganze Sache übrigens auch.

Nur per Bahn oder Wanderung ist der Weg nach Aguas Calientes möglich. Eine Straßenverbindung gibt es nicht. Bis 2020 verfügt die englische Betreibergesellschaft über ein von der peruanischen Regierung zugesichertes Monopol, das Busse oder Taxen auf einer noch zu entwickelnden Strecke verbietet.

Zugegebenermaßen ist diese Zugfahrt sehenswert! Es geht am Fluss Urubamba im Tal entlang durch beeindruckende Landschaft, die immer dschungeliger wird. Die Pflanzenwelt wird dichter, die Felsen werden schroffer. Es wird wärmer. Wir fahren vor bei an alte Terrassen, die sich an den Berghängen hinaufziehen. Die Inkas nutzen die verschiedenen Klimate der einzelnen Höhenbereiche aus.

Im Dunkeln kommen wir in Aguas Calientes an und finden das ursprüngliche Dorf ganz schrecklich. Mich erinnert es an einen übervölkerten Ferienort auf Mallorca. Betonbunker lassen grüßen. „AC“ ist laut, hässlich und irre teuer. Echt der Hammer! Dennoch sind die Preise für Essen und Wasser hier nichts gegen die oben in Machu Picchu selbst. Bereits voralamiert hatten wir jede Menge Proviant herbeigeschleppt.

Nach hin und her suchen finden wir eine bezahlbare, schlechte Hotelbude und checken ein. Das muss reichen.

Machu Picchu

Früh morgens um fünf sind wir nicht die ersten, die über die kleine Brücke den Anstieg hoch zu den Ruinen in Angriff nehmen. Im feucht warmen Dschungelklima kommen wir auf den rund 1700 Stufen arg ins schwitzen. Im Gänsemarsch geht es zusammen mit den anderen Besuchern hinauf. Nun macht sich unsere Kondition bemerkbar, denn andere müssen häufig laut keuchend und prustend Pausen einlegen.

Als wir um 6h am richtigen Eingang ankommen, erwartet uns bereits eine lange Schlange. Auch Busse karren bereits Massen an. Das ist gemein, die sollten erst viel später losfahren dürfen!

Als erstes erklimmen wir weitere Stufen zum Wächterhaus empor. Von hier aus haben wir einen guten Überblicke auf die ganze Anlage auf 2400 Metern Höhe. Von drei Seiten sind die Ruinen von schroffen Felsen umgeben, die wie Riesen aus dem Dschungel hervorragen. Tief unten tost der Río Urubamba. Mystisch hängen sich langsam emporhebende Nebelschwaden über den Ruinen. Der Ausblick auf die vielen Terrassen und Bauten der ehemaligen Stadt ist unglaublich! Malerisch erhebt sich neben ihnen der zuckerhutförmige Berg Huayna Picchu in den Himmel.

Nachdem die Sonne aufgegangen ist, machen wir uns auf dem Weg, um weitere 1000 Stufen auf den sogenannten Berg Machu Picchu zu erklimmen. Ganz schön anstrengend, Muskelkater und Knieschmerzen kündigen sich bei uns Radlern bereits an.

Oben angekommen belohnt uns eine ganz tolle Aussicht! Die vielen Touristen in der Ruinenstadt wirken nun wie Ameisen. Auf dem Gipfel nehmen wir ein Frühstück ein.

Mit wackeligen Knien steigen wir all die schiefen und großen Stufen hinab. Eines ist klar, die Inkas kannten die Schrittmaßformel für Treppen noch nicht.

Zwischen 11 und 14 Uhr quetschen wir uns mit all den Touristenmassen und Fremdenführern durch die einstige Stadt. Wir durchstreifen alte Wohnbereiche, Herrschaftsräume, Arbeitsbereiche und Kultstätten, zu denen jeder guide etwas anderes zu berichten hat. Wir fragen vier verschiedene wie viele Menschen denn hier wohl lebten und erhalten Antworten zwischen 300 und 1000. Sicheres weiß man nicht, viele Fragen sind nach wie vor offen. Machu Picchu bleibt ein Mythos.

Von den einstigen Bewohnern sind nur noch Chinchillas geblieben, dazu scharen sich Massen stachelbeerbeinigen Touristen. Auch das ist Machu Picchu.

Völlig fertig erreichen wir am Nachmittag wieder unser Hotelzimmer und machen vor’m Abendbrot erst mal alle ein Nickerchen. Am folgenden Morgen geht es zuerst im Zug und dann im Minibus flink zurück nach Cusco.

Trotz der Kosten, der langen Anfahrtswege und der Touristenmassen hat sich der Ausflug für uns gelohnt. Für mich waren die Ruinen selbst nicht so beeindruckend wie die in Tikal oder Palenque, aber das Ambiente und die Stimmung ist einfach unschlagbar!

Cusco

Die „Hauptstadt der Inkas“ platzt heute aufgrund der vielen Touristen, Hotels, Restaurants und Souvenirshops mit Alpakapullovern, -mützen und -handschuhen aus allen Nähten – hat aber trotzdem seinen ganz eigenen Charme und gefällt uns sehr gut.

Neben dem Hauptplatz mit seiner goldenen Inkastatue und der großen Kathedrale gibt es diverse andere kleine Plätze, Kirchen und Gassen zu entdecken. Traditionell bunt bekleidete indígenas versuchen mit geschmückten Alpaka- oder Schafbabys auf dem Arm sich als Fotomotiv zu verkaufen. Wir besichtigen das Inkamuseum, schlendern über die Märkte und Strässlein und auch ich komme ein ganz klein wenig ins Souvenirfieber. Hardy besichtigt die beeindruckende Kathedrale und berichtet begeistern vom Altar, an dem Frauen Gaben zur Beschwörung einer Heirat mit dem Auserwählten abgeben, unweit entfernt vom kleineren Altar an dem die Männer diese Flüche wieder loswerden können. Auch ist das geschichtsträchtige erste Kreuz, dass Südamerika erreichte, ausgestellt.

Wir verbringen viel Zeit in Cusco und im Hostal Estrellita, das sich zeitweise zu einer casa de ciclistas entwickelt. Ganze 16 Radler aus Brasilien, Rumänien, Estland, Schweiz, Frankreich, Deutschland, USA und Spanien sind hier. Im Hof gibt es immer jemanden, der an seinem Fahrrad schraubt. Die Köpfe werden über Karten gehalten und pausenlos gefachsimpelt. Gerade beim gemeinsamen Frühstück (es ist das erste mal seit Beginn unserer Reise, das wir in einem Hotel mit Frühstück einchecken…) kommt man an den wackeligen Tischen mit den anderen neuen Reisenden schnell ins Gespräch.

Irgendwann sind dann tatsächlich fast alle Stichpunkte unserer Liste getan, wir haben sogar beide neue Schuhe. Die Räder blitzen, die Route ist hinreichend geplant und die Batterien sind wieder voll und wir schwingen uns auf die Sättel, um unsere letzte Etappe in Peru unter die Räder zu nehmen. Über Puno soll es an der Südseite des Titikakasees über Copacabana nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens, gehen. Die richtig hohen Berge haben wir wohl jetzt hinter uns gelassen und es soll etwas flacher werden. Na‘ mal sehen…

Wie immer findet ihr weitere Fotos in der Galerie.

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Von Ayacucho bis nach Cusco (Peru/ Juni-Juli 2013)

Ayacucho bis Abancay

An einem Samstagnachmittag schwingen wir uns wieder auf die Räder, um die letzte Etappe bis nach Cusco anzugehen. Erklommen werden wollen noch so einige hohe Andenpässe. Ganze fünf Mal geht es auf den folgenden fast 600km hinauf auf 4000m, um dann sogleich auf 2000m abzufallen, einen Fluss zu queren und dann den nächsten Anstieg in Angriff zu nehmen. Bergauf fahren wir zwischen 30 und 50km am Stück.

Im Höhenprofil, dass wir von Manu und Phil von ihrer website radausflug.de klauten, ist die Strecke von Huanuco bis nach Cusco zu sehen (ab km 350 beginnt unser derzeitiger Abschnitt).

Hoehenprofil von Huanuco bis nach Cusco ((ab km 350 beginnt die Etappe ab Ayacucho)

Auf dem ersten Abschnitt zwischen Ayacucho und Abancay wird zur Zeit gebaut. Noch 30% der Strecke bestehen aus Schotter. Wir füttern unsere Staublungen, warten an Absperrungen und umkreisen Baufahrzeuge. Von den freundlich grüßenden Bauarbeitern erfahren wir, dass im Jahre 2018 die komplette Strecke bis nach Cusco fertig asphaltiert sein soll.

Der zweite Abschnitt, von Abancay nach Cusco, ist bereits seit längerem asphaltiert worden. Das heißt jedoch, dass sich bereits Löcher, Risse und Schotterabschnitte eingeschlichen haben und nun die Bauarbeiten theoretisch hier wieder von neuem beginnen könnten.

Hut ab vor all den Radlern, die in vergangenen Tagen hier nur auf Schotter hoch und runter gefahren sind!

Schon während der Ausfahrt aus Ayacucho merken wir beide, dass wir uns nach unserer Erkältung nicht völlig erholt haben. Wir denken kurz darüber nach umzukehren, haben aber Hummeln im Bauch und wollen endlich weiter. So kämpfen wir uns deutlich schwach und schwitzend voran. Der 40km lange Anstieg zu den ersten Pässen Abra de Toccto (4240m) und Abra Huamina (4400m) zieht sich. Zum Glück rollen wir auf neuem Asphalt hinauf. Es ist kaum Verkehr unterwegs. Wir kommen immer höher, die Landschaft wird karg, nachdem wir die landwirtschaftliche Zone hinter uns gelassen haben. Auf 4000m sehen wir wieder Büschelgras. Unsere Blicke schweifen über weite, hügelige Berge. Felsen bilden tolle Formationen.

An einer Abbruchkante hängen dicke Eiszapfen. Es ist bereits 15h, wir sind sehr, sehr geschafft. Ein Rinnsal spendet uns Wasser. Wir finden schnell einem kleinen Pfad folgend einen wunderschönen Platz für unser Zelt. Noch wärmen die Sonnenstrahlen, doch mit Einbruch der Dunkelheit wird es richtig kalt. Wir befinden uns zwischen den beiden Pässen. Nach dem Abwaschen gefrieren sofort verbliebene Wassertröpfchen am Geschirr. Hardy klagt auch gleich über schmerzende Hände…

Auch der Morgen ist kühl. Ich teste meine neu erworbenen Alpaka-Handschuhe und -mütze. Sie sind weich und wärmen super!

In der morgendlichen Frische erwartet uns eine 60km lange Abfahrt. Wir freuen uns schon darauf … nur leider beginnt just an dieser Stelle eine super lange Baustelle. Der Untergrund wandelt sich in Schotter, Matsch und Sand. Wir haben Glück im Unglück, denn am Sonntag wird nicht gebaut. All die erstaunlich sauberen Maschinen stehen in Reih und Glied geparkt am Straßenrand, bewacht von einem Security-Typen. Auch wird die Piste heute nicht gesperrt. So holpern wir ungehindert hinab ins Dorf Ocros, um dort Mittag zu essen. Im Fernsehen läuft plärrend laut ein amerikanischer Surffilm.

Bis zum Río Pampa geht es weiter hinab. Der schmale Fluss windet sich in einem schönen Tal dahin. In der Regenzeit muss er gewaltige Ausmaße annehmen. Bananen und Mangos werden hier angebaut. Auch entdecken wir Zuckerrohr. Es ist heiß. Die black flies würden uns am Liebsten auffressen. Schotter wechselt sich ab der Brücke mit einem bereits fertig gestellten Asphaltabschnitt ab. Wir erkennen einfach keine Logik in diesem Straßenbau.

Im staubigen, leicht herunter gekommenen Ort Callebamba dürfen wir in der Schule schlafen. Wir bekommen einen Raum zugewiesen, indem Kinderfahrräder, Helme und Warnwesten herumstehen. Die Direktorin hat ein Projekt ins Leben gerufen, indem an die Kinder aus weiter entfernten Dörfern Fahrräder verliehen werden, mit denen sie zur Schule und zurück fahren dürfen. Im Dorf selbst gibt es keine Wasser, da eine Pumpe seit ewigen Zeiten kaputt sei. Gut, das wir bereits im Ort zuvor (keine 10km entfernt) die Wasserflaschen gefüllt hatten.

In der Nacht bekomme ich leichte Temperatur und am Morgen fühle ich mich schlapp und nicht fit. Wir schaffen 25km bergauf auf einem Mix aus Asphalt und Schottermatsch. Ich bin schweißgebadet und kriege auch noch Schüttelfrost. In Uripa beschließe ich, dass es keinen Sinn mehr hat mich weiter bergauf zu quälen. Super fix findet Hardy schnell ein gutes Hotelzimmer und ich verbringe den Rest des Tages unter der warmen Bettdecke. Das hilft.

Am Morgen nehmen wir die fehlenden 30km Steigung unter die Räder, es geht mir etwas besser. Der Pass auf 4200m ist mittags nach diversen kleinen Pausen erreicht. Dick angezogen sausen wir hinab ins nicht all zu schöne Örtchen Andahuaylas. Hier beenden wir gemütlich den Tag und landen zum Auskurieren wieder in einem Hotel. Bei einem kleinen Dorfspaziergang entdecken wir auf der plaza die Statue eines Bullen, der von einem drauf gebundenen Anden-Kondor zerfleischt wird. Dieses „Schauspiel“ wird auch heute noch in abgelegenen Andendörfern als Symbol für die Befreiung von den spanischen conquistadoren gezeigt … das nenne ich mal brutal.

Auch der nächste Tag beginnt mit einem fröhlichen Anstieg, Pass Nummer drei. Mir geht es heute besser – na‘ da macht die olle Schinderei doch gleich doppelt so viel Spaß!

Wir bleiben unserem alten Rhythmus treu, immer 10km am Stück bergauf arbeiten und dann pausieren und eine Kleinigkeit essen. Als wir gerade neben einem kleinen Wasserlauf in der Sonne sitzen, kommt ein Radler sich von einem fetten LKW mitziehen lassend den Hang hinauf. Es ist Hardy! Ihn hatten wir neulich in Ayacucho getroffen. Lena und Loic folgend tretend, schwitzend, keuchend. Es ist schön die drei wieder zu sehen. Die Freude ist groß, bietet sich nun doch die Gelegenheit Loic und unsere Namensvetter intensiver kennenzulernen. Der Franzose Loic ist seit zwei Jahren um die ganze Welt unterwegs. Hardy und Lena radelten von Deutschland nach Rumänien, um dann ihre Reise von Yucatan in Richtung Argentinien fortzusetzen.

Wir radeln die folgenden 1 1/2 Tage bis nach Abancay gemeinsam in einer grossen Gruppe. Natürlich wird in solch einer Konstellation mehr geredet und andauernd angehalten, was unsere Tempo ziemlich mindert.

Als nach dem Pass pünktlich der Asphalt aufhört und uns 70km Schotter erwarten, sehen wir am späten Nachmittag das Dorf Kishuara unter uns. Wir fahren hinab und stürmen hungrig ein Restaurant und die kleinen Läden an der plaza.

Eine Gruppe aus Kindern und zwei jugendlichen, kichernden Mädchen scharrt sich um uns. Auch zwei Frauen mit Babys in den Wickeltüchern auf ihrem Rücken sind interessiert. Die eine möchte, dass Loic ihr Baby mitnimmt und meint, er könne es doch einfach in eine der Radtaschen packen. Auch eine der Jugendlichen will nach Argentinien mitfahren und auf dem Gepäckträger sitzen. Sie sei auch ganz leicht. Wir scherzen mit ihnen und verabschieden uns, um auf dem weitläufigen Schulgelände unsere kleine Zeltstadt aufzubauen.

Unsere Anwesenheit hat sich längst herumgesprochen. Viele Jungen kommen und sehen uns zu. Loic schnappt sie sich, um Fußball zu spielen. Drei von ihnen bleiben noch bis zur Dunkelheit bei uns.

Früh am kühlen Morgen noch vor Schulbeginn bekommen wir erneut Besuch von Anderson. Als wir uns von dem Jungen verabschieden fragt er nach einer propina. Hardy fragt zurück wofür er denn das Trinkgeld haben will, für die nette Unterhaltung, für’s Fußballspielen oder dafür, dass wir ihm unser Equipment erklärt haben? In den folgenden Tagen hören wir vom Wegesrand immer wieder „propina, propina“. Ein Mann fällt fast von Hang, um uns noch zu erwischen. Bei uns kommt es so an, als ob viele Peruaner denken, sie seien arm dran und müssten nichts dagegen tun, da es einfach so sei und von uns reichen Ausländern erwartet würde in unsere prall gefüllten Hosentaschen zu greifen und wild unser Geld in alle hingehaltenen Hände zu verteilen.

Aber manchmal kommt es ganz anders. Als wir eine Pause machen, hält ein vollbeladener, alter Lastwagen neben uns. Ehrlich gesagt erwarten wir alle fünf wieder nach Geld gefragt zu werden. Aber das ältere Ehepaar schenkt uns eine Tüte mit gekochten Kartoffeln, damit wir uns stärken können. Auch das ist Peru!

Heute ist es bedeckt, die Wolken hängen tief. Am gegenüberliegenden Hang können wir die Stadt Abancay ausmachen. Das ist unser vorläufiges Ziel. Es wirkt zum greifen nah, nur ist es noch mindestens 60km entfernt. Lange brauchen wir, um auf dem rutschigen Schotter die vielen Serpentinen in Richtung Fluss hinunterzuradeln. Am Ende erwartet uns natürlich wieder eine Baustelle.

Es ist bereits später Nachmittag, als wir die Brücke queren und uns über Asphalt auf der anderen Seite freuen. Nun sind es „nur noch“ 12km Steigung bis hoch nach Abancay. Die werden wir nicht vor Einbruch der Dunkelheit schaffen. Auch haben wir gar keine Lust mehr. Die Idee kommt auf einen Lastwagen aufzusteigen. Es klappt erstaunlich schnell!

Gemeinsam wuchten wir die Räder auf die Ladefläche und verbringen die folgende Dreiviertelstunde (!) neben ihnen auf der wackeligen Ladefläche.

Eine heiße Dusche weckt dann müde Glieder und wir lassen den Abend gemütlich in einem kleinen Restaurant mit dem üblichen Essen ausklingen. Es gibt Reis mit labrigen Pommes und Fleisch. Die Mayonnaise wird mir gereicht, als nur noch zwei Pommes übrig sind und der lauwarme Tee kommt (wie immer) Stunden später.

Abancay bis Cusco

In Abancay trennen sich unsere Wege. Lena und Hardy steigen in einen Bus, um in Cusco Freunde zu treffen. Wir radeln mit Loic zu dritt weiter.

Nur noch zwei Pässe“, sagen wir uns und treten fleißig in die Pedalen. Diese 35km sind wirklich steil. Serpentine für Serpentine kurbeln wir uns über die Stadt in die Höhe. Der erwartete stark aufkommende Verkehr aufgrund des Anschlusses an die Schnellstraße aus Lima bleibt aus. Die Menge an Reisebussen nimmt zu, aber die Fahrer hupen und grüßen freundlich.

Ich bin wieder gesund und habe Power, bin sogar schneller als Hardy (was ja sehr selten vorkommt) und fahre voraus. Loic ist beeindruckt und sagt: „Alena, you are the fastest and strongest cycling girl I ever met!“. Ich bekomme von ihm ein mit diesem Spruch selbst bemaltes Stück Stoff, um die neuesten Löcher in meiner Hose zu flicken (das macht mich doch schon ein bisschen stolz).

Mittags erreichen wir den Pass auf 4000m und sausen blitzschnell auf die Hälfte hinab in den Ort Curahuasi. Nach eine Gruppe tanzender Mädels den Raum geräumt hat, dürfen wir im Saal des Rathauses schlafen. Am Rednerpult machen wir Fotos in diversen Kombinationen.

Weitere 10km rollen wir am folgenden Morgen zum Fluss Apurimac hinab, um sie sogleich wieder zu erradeln. Es gibt tolle, rötliche karge Felsen, an deren Hängen Kakteen wachsen. Ich hänge heute hinter den Jungs her. Sonne in Kombination mit Steigung schafft mich. Dennoch ziehen wir durch, um in Limatambo Mittag zu essen. Als wir gerade ein Eis hinter her schlecken, kommen uns zwei Radlerinnen aus den USA entgegen. Weitere Fahrradfahrer folgen, die Strecke ist gut befahren.

Ein Ende der ewigen Steigungen ist in Sicht, so denken wir. Leider sind es dann 10km mehr als erwartet. Das schlaucht und deprimiert.

Auf dem Weg zum Gipfel läd uns ein lustiger, betrunkener Mann, der auf einer Bank neben einem kleinen Laden sitzt auf eine chicha de chorra ein. Das ist ein Getränk aus fermentiertem, schwarzem Mais mit leichtem Alkoholanteil. Davon sei der Typ aber nicht so knülle, erklärt uns lachend die Verkäuferin. Er trinke bereits die dritte Flasche eines hochprozentigen, selbst gebrannten Alkohols. Am Liebsten möchte er uns gar nicht gehen lassen. Zum Abschied fragt er dann nach Geld, um weiter saufen zu können.

Wir schwingen uns auf die Sättel und nehmen die letzten Kilometer unter die Räder. Es wird kalt, als wir den Gipfel erreichen. Puh, geschafft! Das war Anstieg Nummer fünf mit 48 km. Fix suchen wir uns einen versteckten Platz zum Zelten. Schnell wird es dunkel. Wir essen bereits dick angezogen in der Kälte.

Cusco

Im Endspurt nehmen wir in der morgendlichen Affenkälte die fehlenden 50km nach Cusco in Angriff. Wir wollen nur noch ankommen und rasen durch tiefen, dichten Nebel. Füße und Hände sind kalt. Nichts desto trotz zieht sich Hardy bereits nach kurzer Zeit all die Schichten aus. Wieder ist Loic beeindruckt und meint: „Hardy, you are the warmest cyclist I ever met!“ Schläft Hardy ja auch auf über 4000 Höhenmetern mit offenem Schlafsack.

Und dann liegt die Stadt plötzlich unter uns! Vom wirklich letzten (kleinen) Pass haben wir einen tollen Überblick über das Häusermeer und sind erstaunt, dass Cusco gar nicht so groß ist. Die Einfahrt ist erstaunlich unkompliziert und stressfrei.

Hungrig schlingen wir im Zentrum ¼ Huhn mit Pommes und Salat in uns hinein und fahren dann zu all den anderen tausend Touristen auf den grossen Platz, um ein Foto mit den Rädern vor der Kathedrale zu schießen.

Im gemütlichen Hotel La Estrellita checken wir ein. Unter Reiseradlern ist es berühmt, alle kehren hier ein. Wir sind insgesamt 10 Radler und treffen auf alte Bekannte. Das gibt ein großes „Hallo“, vieles ist zu bereden!

Cusco ist voller Geschichte, voller Kultur, Restaurants, Hotels und Souvenirhändler und voller erstaunlich großer, weißhäutiger Touristen. Die Plaza de Armas ist von den Besucherscharen so abgelaufen, dass die grossen Kopfsteinpflastersteine blank poliert und ganz rutschiig sind. Wir wissen nicht was wir zuerst machen oder wo wir zuerst hinschauen sollen. Bestimmt eine Woche bleiben wir hier und wollen auch die Ruinen von Machu Pichu besuchen.

Fotos zum Text gibt es in der Galerie.

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Von Huaraz bis nach Ayacucho (Peru/Juni 2013)

Überquerung der Cordillera Blanca

Ein paar Ruhetage nach unserer tollen Wanderung durch die Cordillera Huayhuash tun uns gut. Wir sind ausgeruht und schwingen uns voller Vorfreude auf die Sättel. Auf feinster Schotterpiste steht sogleich die Überquerung der Cordillera Blanca an.

Noch bis Cátac rollt es flink auf Asphalt, dann biegen wir nach Osten in den Nationalpark ab. 1 1/2 Tage brauchen wir, um die 50 folgenden Kilometer zu bewältigen, denn es geht stetig bergauf.

Im seichten Wind weht das gelbes Büschelgras (Incu-Gras). Dazu gesellen sich immer mehr gigantische Bromeliengewächse, die bis zu 12m hoch sind. Genauer gesagt sind es die Puya Raimondi. Ihr enormer Blütenstand ragt gewaltig in den Himmel. Bis zu 8m kann dieser hoch werden und ist somit der längste der Welt. Hardy ist begeistert und kann sich kaum lösen.

Schönste Berglandschaft umgibt uns. Wieder können wir schneebedeckte Gipfel bestaunen. Noch radeln wir bei Sonnenschein, nachts wird es richtig kalt. Wir zelten auf 4700m – unser bisher höchster Zeltplatz und diesmal ohne Höhenprobleme.

Schnee, Hagel und kalter Wind peitschen uns ins Gesicht, als wir am nächsten Tag auf zwei Deutsche in ihrem Camper treffen. Nach ihren Gesichtsausdrücken, im T-Shirt drinnen im Warmen sitzend, halten die uns für völlig verrückt, wie wir trotz des Schneesturms guter Dinge und zufrieden die Piste hochradeln. Solange es hoch geht, wird uns wenigstens warm, ich mag nicht an die Abfahrt denken. Der höchste Punkt auf 4884m ist nicht genau auszumachen, dennoch beschließen wir irgendwann oben angekommen zu sein.

Peruanische Höllenhunde

Die folgende Abfahrt kühlt aus. Bald erreichen wir Asphalt und sausen insgesamt 30km auf vielen Serpentinen hinab nach Huallanca. An dieser Stelle möchte ich den von unserem Radlerfreund Andre benutzten Begriff der peruanischen Höllenhunde verwenden. Ihre Verwandten in abgeschwächter Form haben wir ja bereits zu genüge im Norden kennengelernt. Aber jene Vertreter hier sind um so einiges aggressiver! Auf diesem Abschnitt erleben wir sie schließlich. Wild zerzaust, Zähne fletschend, die Oberlippe so weit hochgezogen, dass man die volle Beißkraft sehr gut erahnen kann, die Augen weit aufgerissen, die Haare im Nacken aufgestellt – das sind Biester, die uns bellend verfolgen, und jagen uns dann doch Angst ein. Trotz plötzlichem Abbremsen und damit meistens den Jagdinstinkt außer Kraft setzen, beißt einer volle Kanne in Hardys Packtaschen. Der Besitzer steht daneben, lacht nur und gibt blöde Kommentare ab. Wer ist nun schlimmer? Hardy ist wütend und schimpft. Als die vier Terrorstresshunde jedoch immer wieder kehren und nicht von uns ablassen, ist irgendwann seine Hemmschwelle soweit gesunken, dass er nun zum ersten Mal auf unserer Reise das seit Alaska mitgeführte Anti-Bär-Pfefferspray einsetzt. Eine gelbe, giftige Wolke kommt heraus. Die Hunde trollen sich im Nu. Es wirkt! Weiter geht’s ohne ernsthaften Zwischenfall.

Total ausgefroren schlingen wir im kleinen Huallanca eine heiße Suppe und einen Tee in uns hinein und setzen uns auf die plaza, um uns in der Sonne aufzuwärmen. Heute wollen wir nur noch in den Nachbarort La Unión radeln.

In diesem Tal sind die Menschen viel freundlicher als im vorherigen. Aus verfallenen Lehmhäusern und von den Feldern werden wir gegrüßt. Wir müssen gar aufpassen niemanden beim Zurückgrüßen zu übersehen. Mais wird an den Häusern hängend getrocknet. Wunderschön geht es wellig am Fluss entlang. Blumen blühen in allen Farben.

Auf der folgenden Strecke bis nach Huánuco erleben wir die Menschen wiederum als nicht sonderlich nett. Von früh bis spät wird uns gringo-gringo-gringo an den Kopf geknallt und das nicht in den freundlichsten Tonlagen. Dazu kommen Ausdrücke, die wir nicht verstehen und schallendes Gelächter. Die Leute scheinen hier keinen Bock auf Touristen zu haben und lassen das spüren. Das drückt die Stimmung.

Zum dritten Mal kreuzen wir den Fluss Marañon und radeln an seinem Ufer nach Süden. Es geht immer auf und ab. Nach einem anstrengenden climb am Morgen erspähen wir La Corona del Inca. Eine gewaltige Felsformation, die wirklich wie eine Krone wirkt, wird imposant von der aufgehenden Sonne angestrahlt.

Vom Niveau der Agaven und Eukalyptusbäume fallen wir auf einer weiteren Abfahrt (50km!) ab in heiße Tiefen unter 2000m und empfinden diese Temperaturen als unangenehm warm. Sogar die Köter zeigen kein Interesse mehr an uns. Blümchen wachsen, Bienen summen, sogar Kakteen entdecken wir. Uns entgegen radeln zwei Franzosen. Sie in kurzen Hosen und wir noch in dicker Jacke und Schal. Natürlich wird ein Schwätzchen gehalten.

Huánuco

Am Mittag rollen wir bereits auf die belebte und mit Palmen bepflanzte plaza in Huánuco und beschließen für heute hier zu bleiben. Bei der Hotelsuche stoßen wir auf den Deutschen Heinz, der bereits seit 14 Jahren in Peru lebt und seit über einem Jahr in dieser Stadt. Er erläutert uns in den schillerndsten Tönen wie scheiße und korrupt er doch alles findet, dass es nur um’s Abziehen ginge und die Frauen doch nur Geld und Geschenke wollten. Aha, nun kennen wir seine Sicht und versuchen ihn wieder los zu werden, denn es ist gar nicht so einfach seinen Redebedarf zu stoppen.

Auf dem Markt werden Kokablätter in riesen Säcken verkauft, die Verkäuferinnen sind alle ganz herzig und winken uns herbei. Aufgrund des nahen Dschungels ist jegliches Obst zu haben. Ansonsten empfinden wir den Markt eher als gruselig und zu meiden. Obskure Gestalten laufen herum. Menschen liegen sabbernd auf den Bürgersteigen. Andere schreiten in großen Schritten über sie hinweg.

Ich bin dann hoch erfreut, als ich an einer Ecke seit langem einen großen Supermarkt entdecke und tobe mich aus. Ich muss nicht nach Preisen fragen und überlegen, ob diese nun angemessen oder völlig überzogen sind, denn sie stehen einfach auf den Produkten. Es gibt sogar pan integral, wenigstens mal kein ganz weißes Brot!

Der urbane Raum rund um Huánuco zieht sich bei der Ausfahrt ewig hin. Wie immer auf schlechtester Straße, gespickt voller Risse und Löcher, kurven wir im Tross mit vielen anderen Mototaxis und Motorrädern dahin. Wer kommt an den vielen Ampeln als erster los? Es wird gedrängelt und gehupt. Das ist anstrengend und wir sind froh die Landstraße zu erreichen. Nicht nur der nervige Verkehr, aufgewirbelte Staub und die Abgase in Kombination mit der burnenden Sonne erinnert uns an Zentralamerika, auch der Verwesungsgeruch und der angekokelte und nach Plastik stinkende Müll am Wegesrand.

Langer Anstieg nach Cerro de Pasto

Nun beginnt die Steigung. Sie wird erst nach dem über 100km entfernten Cerro de Pasto wieder aufhören. Das ist mit 4330m die höchste Stadt der Welt. Die Steigung ist sanft aber lang und stetig. Wir rollen vorbei an Feldern. Schafe grasen. In einem Dorf wird gerade auf dem Bürgersteig vor dem Haus ein Schaf geschlachtet und ausgeweidet. Aber immerhin einen Bürgersteig gibt es:-) Kinder spielen auf einem Stück Rasen. Als sie uns sehen, rufen sie im Chor: „Buenos dias señor turista“. Ich muss lauthals lachen, mit so etwas nettem habe ich nicht gerechnet. Vielleicht erklärte ihnen mal jemand, dass das ständige gringo-Gerufe nicht so gut ankommt.

Die Landschaft wird karger, Büschelgras dominiert wieder. Scheue Vicuñas grasen. Wir sind über 4000m angekommen und merken die dünne Luft. Wir werden langsamer und ich verschnaufe öfter. Dann erreichen wir den Abzweig nach Cerro de Pasto und den Pass. Wir beschließen die nicht schöne Stadt rechts liegen zu lassen und machen uns auf zur folgenden Hochebene.

Altiplano

Das Altiplano liegt vor uns. Endlich, endlich radeln wir auf einer Hochebene! Der Blick ist toll, Berge umgeben uns in der Ferne – Weite. Aber es windet auch sehr und ist kalt. Müll liegt herum, der hin und her geweht wird. Es ist Sonntagnachmittag und in allen Käffern ist Totentanz. Die Leute sind so betrunken, sie nehmen uns gar nicht wahr. Überrascht sind wir, das die Polizei Verkehrskontrollen durchführt und die betrunkenen Fahrer nicht zimperlich aus ihren Autos zerrt.

Wir finden kein Restaurant, um unseren Hunger zu stillen und essen dann im Windschutz einer verfallenen Tankstelle trocken Brot. Es gibt hier viele verrottete Tanken, die grifos genannt werden. Etwas niedergeschlagen machen wir uns auf. Der erste Eindruck vom kleinen Altiplano ist für mich dann doch nicht so positiv. Auch verfolgen uns wieder zähnefletschend die blöden Hunde.

Es ist bereits 17h und kühl, als wir den Ort Carhuamayo erreichen. Auch die Bewohner frieren, nicht nur wir, und sind super dick angezogen. Die meisten Hotels haben zu. Jedoch ist Pfarrer Felipe sehr nett und stellt uns sogleich einen leeren Raum in der parroquia zur Verfügung. Sein Bruder und er laden uns just nachdem wir gekocht und gegessen haben zum Essen ein. Da hilft nichts, es muss ein zweites Mal geabendbrotet werden. Wir erfahren viel über die Gegend und Naturheilkunde und bekommen den Altar gezeigt, den der Bruder mit viel Blattgold gerade restauriert.

Die Sonnenstrahlen wärmen bereits, als wir uns vom padre und seinem Bruder am nächsten Tag nach einem morgendlichen Kaffee verabschieden. Unser zweiter Eindruck des Altiplanos ist ein ganz anderer. Wunderschön breitet sich das goldene Licht über die Ebene aus. Der Himmel ist strahlend blau. Auch sehen wir nun den nahen See Chinchaycocha. Braune Lehmhäuser befinden sich zwischen der Straße und seinem Ufer. Schafe blöken. Die Leute sind freundlich.

Auf der plaza im Dorf Huayre überrascht uns die immens große Statue einer maca, einer Rübe, die zur Gattung der Kresse gehört. Unsere ist fast so groß wie die Kirche. Die gesunde maca wurde hier schon von den Inkas angebaut. Sie ist extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt und sehr widerstandsfähig.Es gibt maca-Saft, maca-Marmelade und getrocknete macas. Da die Pflanzen den Boden jedoch sehr auslaugen, wird auf den Feldern nur jedes fünfte Jahr Anbau betrieben, erklärte uns padre Felipe.

Zu unserem zweiten Frühstück sitzen wir bereits auf der plaza im ruhigen, netten Ort Junín. Wir beobachten die Leute, die Leute beobachten uns. Freundlich wird sich gegrüßt. Es gefällt uns hier, so bleiben wir, um Kräfte zu tanken. Gemütlich schlendern wir über den Markt und probieren maca-Produkte aus.

Über unser Hotel belustige ich mich. Denn im Erdgeschoss gibt es neben der Zimmervermietung auch einen Duschshop. Für 4soles (1,11Euro) kann eine Kabine eine halbe Stunde lang gemietet werden. 15 Minuten lang läuft dann das warme Wasser. Es scheint ein gutes Geschäft zu sein.

Über Tarma nach Jauja

Tiefe, dunkle Wolken türmen sich am Morgen auf. Wir rollen dennoch los, dem Gewitter vorne weg. Hardy möchte so gern mal wieder über Schotter auf kleinen Pisten gurken, ich gebe zähneknirschend nach und so biegen wir südlich von Junín auf eine kleine Straße nach San Pedro de Cajas ab. Vicuñas grasen gleich neben dem Weg und lassen sich von uns nicht stören. San Pedro de Cajas liegt bald unter uns.

Über rutschigen, losen Schotter geht es in vielen Serpentinen hinab zum Fluss. Die Hunde einer im Rekord strickenden Schäferin bellen uns knurrend an. Mit ihr kommen wir ins Gespräch. Sie freut sich (im Gegensatz zu den Viechern) riesig uns zu sehen, umarmt uns sogleich und möchte am Liebsten, dass wir dableiben. „Wann kommt ihr denn zurück?“, fragt sie, als wir nach dem Schwätzchen schließlich weiter fahren.

Kurz vor dem Dorf Palcamayo ist dann die Piste aufgerissen, es gibt eine sandige Umleitung. Ein kleiner Opa, auf wackeligen Beinen schwankt über die aufgerissene Straße. Hardy hilft ihm bestimmt eine halbe Stunde lang das Hindernis zu überbrücken und trägt ihn teilweise. Der alte Mann ist nicht mehr ganz beisammen und faselt dauernd etwas von Jesus. Ein wenig später treffen wir ihn im Restaurant wieder, Hardy sagt hallo, aber von ihm kommt keine Reaktion. Wahrscheinlich kann er sich nicht mehr an die Kletterpartie erinnern. Zum Bezahlen des Essens fehlt ihm dann auch das Geld, was ihn aber nicht davon abhält wackelnd in ein Taxi zu steigen.

Wir gondeln weiter auf schlammigem Schotter am Fluss entlang. Hier wird viel Landwirtschaft betrieben und vor allem Spinat angepflanzt. Die Menschen sind nett. Sie sprechen mich mit „mamita“ an, was ich als wesentlich angenehmer empfinde als gringa.

Ein Platten meinerseits lässt die Weiterfahrt verzögern. Am Spätnachmittag erreichen wir im Nieselregen Tarma. Es ist keine sonderlich schöne Stadt. In den Nebengebäuden der Kathedrale kommen wir dank padre Jaime unter. Diesmal im Gästezimmer, es gibt sogar zwei Betten.

Zu Beginn erwartet uns am darauffolgenden Tag sogleich eine 26km lange Steigung. Zumindest haben wir wieder Asphalt unter den Rädern. Wir schwitzen uns dem Pass entgegen. Oben ist es karg und kalt, wir ziehen uns warm an, um hinabzurasen. Die folgende Strecke ist mit Gegensteigungen durchsetzt, die jedoch einfach zu meistern sind. Die Felder sind in gelb und braun Tönen getaucht. Es ist schön hier.

In Jauja finden wir ein nettes Restaurant mit sehr freundlicher Bedienung. Wir haben das Gefühl, zahlt man einen sol mehr, bekommt man mehr. Es gibt eine Mandarine zum Nachtisch und wir werden zur chicha eingeladen, ein fermentiertes Getränk aus Früchten.

Bedrohlich ziehen sich die Wolken zu, der Wind pfeift – Gewitterstimmung. Müll wird durch die Gegend geblasen. Man fühlt den nahenden Regen. Schnell schwingen wir uns auf die Sättel und fahren dem Gewitter davon. Flach ist es, so fliegen wir mit 30km/h unserem Ziel für heute, Concepción, entgegen. Das macht richtig Spaß! Ich weiß nicht, wann wir das große Kettenblatt zum letzten mal so im Einsatz hatten.

Endspurt nach Ayacucho

Der morgendliche Verkehr nervt, zum Glück wird es bis nach Huancayo vierspurig, das entzerrt. Die Fahrt bis ins Stadtzentrum empfinde insbesondere ich als sehr stressig, da muss ein Kaffee und ein Stück Kuchen her. Auf Hektik und Lärm haben wir keine Lust, so verweilen wir nicht lange in der Großstadt.

Auf dem folgenden 18km langen climb bekommt Hardy von zwei lauthals lachenden Typen aus einem fahrenden Auto eine Bierdusche ab. Trottel gibt’s! Es ist ganz schön heiß, wir freuen uns auf die Abfahrt. Diese ist sehr lang und geht über lange Serpentinen hinunter zum Fluss. Jede Menge fette LKWs sind unterwegs, deren Fahrer sind aber meistens freundlich und machen einen Bogen um uns.

Wir rasen gleich durch bis nach Izcuchaca. Das ist ein netter, kleiner Ort, mit alter Kirche und Station der Eisenbahn, die hier auch Personen transportiert. Leider sehen wir nie einen Zug.

Heute landen wir zu Hardys großer Freude mal in der örtlichen Polizeistation. Er möchte das mal unbedingt ausprobieren. Wir geraten auch gleich an einen netten Polizisten und unterhalten uns lange mit Hector Gonzales, der als Nebenjob ein kleines Fuhrunternehmen hat und sehr national-patriotisch ist.

Wir würden in den folgenden Tagen durch den Rückzugsraum der Terrorgruppe Sendero Luminoso radeln, sagt er. Das ist eine maoistische Gruppierung, die Ende der 1960er aus einer Studentenbewegung im Distrikt Ayacucho entstanden ist. Sie löste zehn Jahre lang bürgerkriegsähnliche Zuständeaus, die fast 70.000 Menschen das Leben kosteten. Die Organisation sei dezimiert, aber nicht niedergeschlagen, hören wir. Sie seien groß im Drogen- und Abholzungsgeschäft auf dieser Strecke involviert und raubten immer mal wieder Leute aus, aber das eher zu Weihnachten, erklärt er uns grinsend.

Abends dürfen wir in den Raum zur Sachbearbeitung ziehen. Dieser ist mit drei Schreibtischen in verschiedene Fachgebiete unterteilt: Es gibt die häusliche Gewalt, Bürgerbeteiligung und Statistik. An den Wänden hängen selbst gebastelte Schaubilder und der Text des Liedes der Polizei. Das Licht funktioniert nicht. Als er unsere schmalen Isomatten sieht, „auf denen man sich nicht einmal umdrehen kann“, können wir den netten Hector nicht davon abhalten uns alte, schmutzige und durchgelegene Matratzen zu holen, die wir pflichtbewusst drapieren, aber sobald er weg ist, gleich zur Seite räumen.

Der folgende Abschnitt bis nach Huanta ist wirklich schön! Das schmale Tal ist eingefasst von rötlichem bis hin zu lilafarbenen Gestein, welches in Verwerfungen und steilen Kanten toll anzusehen ist.

Wir radeln immer am Fluss Mantaro entlang, mal hoch über ihm, mal ganz nah am Ufer. Tendenziell geht die Straße bergab, ist jedoch von vielen Gegensteigungen durchsetzt. Wir haben Glück, denn der Asphalt ist nagelneu. Für peruanische Verhältnisse gibt es nur wenige Risse oder Löcher. Hier und dort wird noch gearbeitet und ein Bauarbeiter ruft uns im Affekt zu: „Hello teacher!“

Die Kilometerangaben in unserer Karte stimmen überhaupt nicht. Zudem halten die Gegensteigungen und ein gerissener Schaltzug auf. Am späten Nachmittag erreichen wir müde nach 84km endlich den Ort La Esmeralda und dürfen auf der Bühne des Gemeindehauses schlafen.

Wir sind geschafft und fertig, was eine Horde wirklich netter, aber auch nervender Kinder nicht davon abhält lange an uns zu kleben. Sie finden alles super interessant, verfolgen jede Handbewegung und wollen am Liebsten alles anfassen, ausprobieren und geschenkt bekommen. Wir erklären ihnen gern unser Gepäck, hätten aber auch gern unsere Ruhe. Ein fünfjähriges Mädchen nimmt Hardys Hand und schwenkt sie hin und her, dabei singt sie, ihn freudestrahlend ansehend: “Mi gringo, mi gringo!“ Das ist doch einfach nur süß!

Auch am nächsten Vormittag fahren wir durch wunderschöne karge, fast wüstenartige Landschaft, die uns sehr an Mexiko erinnert. Eine Menge Kakteen wachsen hier. Die Aloe Veras stehen in gelber Blüte. Nur die kleinen schwarzen Fliegen nerven, unsere Beine sehen bereits aus wie ein Streuselkuchen und jucken dementsprechend.

In Mayoc hört der schöne Asphalt auf und lässt uns nur langsam vorankommen. Es ist super heiß, die Steinchen rutschen unter den Reifen weg, es geht natürlich bergauf. Wir schwitzen. Geschafft erreichen wir Huanta und bleiben.

Ayacucho

Gut, dass wir gestern nicht mehr weiter gefahren sind, denn die 50km bis nach Ayacucho ziehen sich wie Kaugummi. Erst geht es hoch, dann runter und dann wieder hoch. Vor der Stadt befinden sich, wie so oft, die Plätze der Automechaniker und Autowäscher. Voller Tatendrang wird da gewienert und geputzt, denn ein sauberes Auto scheint ein Statussymbol zu sein. Dann tauchen mehr Häuser auf und der Weg bis zur plaza ist nicht mehr weit.

Ayacucho ist ein schöner, alter Ort mit vielen kolonialen Bauten, Plätzen und Kirchen, angeblich über 30 Stück an der Zahl.

Hardy begibt sich auf eine intensive Hotelrecherche, denn diesmal wollen wir etwas gemütliches und keine Bruchbude haben, derweil ich auf der plaza warte. Hier komme ich mit einem Typen ins Gespräch, der Schamane ist und 12 Geschwister hat. Miguel erklärt, dass er Naturheilkunde betreibt und Pacha Mama in Zeremonien dankt. An immer eines der Kinder einer Schamanen-Familie wird die Gabe von dem Schamanen der Generation zuvor weiter gegeben. Als ich ihn frage, wie er denn auserwählt wurde, berichtet er, dass er einerseits den Willen hatte und mit einer um ihn gewickelten Nabelschnur (das Symbol einer Schärpe) geboren wurde. Aufgrund dieser Zeichen erhielt er seine Ausbildung.

Wir finden eine nette hospedaje (Zaragoza) und richten uns in unserem Zimmerchen für die nächsten Tage ein. Hardy wird dann gleich etwas krank…

Eines Abends treffen wir uns mit zwei anderen deutschen Radlern und lernen so Hardy und Lena persönlich kennen, lustig, nicht?! Unsere Namensvetter sind auch per Rad in Süd-Amerika unterwegs!

Als es Hardy wieder gut geht und das Meiste unserer niemals endenden To-Do-Liste erledigt ist,schwingen wir uns auf die Räder und los geht’s – die letzte Etappe nach Cusco.

Mehr Fotos zu diesem Artikel findet ihr in der Galerie.

Posted in Peru

Wandern in der Cordillera Huayhuash (Peru/ Mai-Juni 2013)

Um uns näher an die schneebedeckten Berge zu bringen haben wir uns überlegt die Cordillera Huayhuash zu bewandern. Hier, etwas südlich der Cordillera Blanca, kann man eine mehrtägige Runde um das Gebirgsmassiv laufen und dabei am laufenden Band hohe Pässe erklimmen und spektakuläre Aussichten genießen. Wir haben uns vorgenommen in zehn Tagen die ca. 130 km lange Runde zu drehen.  

Tag 0: Llamac (3250m)

Um vier Uhr in der Früh klingelt unser Wecker. Schnell bauen wir im Hof des Hostels Jo’s Place in Huaraz, wo wir die Räder und den restlichen Kram parken, unser Zelt ab und los geht’s zum Busbahnhof. Pünktlich um Fünf rollen wir dann verschlafen und frierend im kalten Bus los. Von der tollen Landschaft über Hochebenen bei Sonnenaufgang in Richtung Chiquian kriegen noch halb schlummernd wir nicht viel mit. Dort haben wir eine halbe Stunde Zeit, denn um acht Uhr fahren wir bereits weiter, diesmal in einem kleinen Minibus. In Chiquian kann noch gut eingekauft werden, später bestimmt die abgeschiedene Lage den Preis.

Nun ist die Straße nicht mehr asphaltiert. Es geht auf einer miesen, holperigen und mitunter auch sehr schmalen Piste in die Berge. Es ist schön diese mal nicht aus der Radlerperspektive zu erleben. Andauernd wird angehalten, um Leute einzusammeln oder Esel aus dem Weg zu scheuchen. Heute ist Sonntag und so wandern auch bald Bierflaschen auf den Beifahrersitz. Schnell gesellen sich alle Männer in den vorderen Teil des Wagens. Die Flaschen machen die Runden. Auch der junge Fahrer trinkt mit, was mich aufgrund der steilen Abhänge an denen wir vorbeischrammen mit einem etwas unangenehmen Gefühl erfüllt.

Nach zehn Uhr fahren wir schließlich im kleinen, heruntergekommenen Ort Llamac ein. Noch in der Dorfeinfahrt kommt eine Frau in den Wagen. Ausländer müssen für den Eintritt in den Distrikt 20 Soles zahlen. In dieser Gegend ist das Land vollständig den verschiedenen Gemeinden zugeordnet. Diese haben seit einigen Jahren für die Wanderer eine Eintrittsgebühr erhoben. Offiziell zahlt man so für seine „eigene Sicherheit“, die Wartung der Campingplätze, bzw. die Müllbeseitigung. Inoffiziell hören wir, dass das Geld in diverse Taschen wandert und in Bier umgesetzt wird…

Wir beschließen heute im Ort zu bleiben, da gleich Anfang ein anstrengender Pass mit 1000 Höhenmetern Anstieg anstehen würde und suchen uns eine preisgünstige hospedaje. Hardy fragt im Ort ein paar Menschen und bald können wir im ehemaligen Kinderzimmer einer Familie ganz preiswert übernachten. Es gibt auch einen Campingplatz, nur ist es erst Mittag und wir wollen noch ein wenig schlendern und unser Zelt nicht unbewacht stehen lassen.

Tag 1: Laguna Yahuacocha (4050m)

Wir sind ganz aufgeregt, endlich geht es los! Mit schweren, prall gefüllten Rucksäcken mit Essensvorräten für 12 Tage machen wir uns auf den Weg. Gleich hinterm Dorf beginnt auf einem wackeligem Weg mit losem Geröll die Steigung. Wir schnaufen und schwitzen. Ich komme nur langsam voran. Hardy schreitet vorne weg. Vorbei geht es an Agaven und bunten Blumen. Steinbrocken wurden zusammengetragen und zu Umzäunungen aufgeschichtet, in denen Esel grasen. Erstere hören auf, je höher wir gelangen. Schließlich ist es karg.

Vier Stunden später erreichen wir endlich den Pass auf 4300m. Freudig fallen wir uns in die Arme. Zugig und kalt ist es hier, aber eine Wahnsinns-Aussicht auf die vor uns liegenden schneebedeckten Riesen Rondoy (5870m), Jirishanca (6094m), Yerupajá Chico und den noch größeren Yerupajá (6617m) entschädigt für jegliche Mühen.

Nun geht es meist nur noch herunter und das auf einem angenehmen Pfad aus festgetretener Erde. Unter lustig ausschauenden Bäumen, den quenuas, neben einem gurgelnden Bach machen wir Mittag. Der Kocher burnt gut, schnell gibt es einen Tee aus Coka-Blättern, was gut sein soll gegen Höhenbeschwerden und eine Chinanudeln-Tütensuppe für jeden. Das bringt neue Energie. Eine Eselskarawane kommt vorbei, beladen mit leeren Bierflaschen. Die Treiber sind freundlich und halten zu einem Schwätzchen an. Sie fragen: „Habt ihr keinen guide und keine Esel?“ Das scheint sie zu erstaunen.

Über eine Hochebene, entlang eines Baches und kleinen Hütten mit Steinumzäunungen laufen wir unserem heutigen Ziel entgegen, der Lagune Yahuacocha. Gefühlt zieht es sich ewig hin, wir sind müde und der Rücken schmerzt sehr.

Eine Moräne muss noch überwunden werden und dann liegt sie vor uns, die Lagune. Auf dem kleinen, trockenen Platz am wunderschönen See begutachten wir bereits ordentlich aufgereihte Zelte einer organisierten Tour. Dies ist eine Gruppe deutscher Wanderer. Eingequetscht wie in einer Sardinenbüchse packen wir uns geschafft daneben. Es windet, wir setzen auch die Sturmleinen des Zeltes. Es ist voll und laut hier, irgendwie merkwürdig. Dafür ist die Aussicht um so besser, hinter der Lagune erhebt sich imposant ein karger Berg in die Höhe, dessen graue Flanken auf der Spitze bedeckt mit Schnee leuchten. Ein Gletscher bahnt sich seinen Weg hinab. Dazu gibt’s einen zarten, rosanen Sonnenuntergang. Wie schön!

Es wird schnell kalt. Wir ziehen die Daunenjacken an und kochen im Vorzelt. Es gibt für jeden 100g Grieß mit Gewürzen und 25g Tomatenmark. Das wird uns nun jeden Abend erheitern.

Tag 2: Quartelhain (4170m)

Noch im Dunkeln in der Früh um Fünf zündet Hardy den Kocher an. Je höher wir kommen, desto mehr muckt er, macht merkwürdige Geräusche und burnt nicht richtig. Es dauert lange, bis das Wasser heiß wird. Es gibt noch verschlafen im warmen Schlafsack den morgendlichen Kaffee, dann Haferflockenschleim (170g pro Person…) und einen Coka-Tee zum Herunterspülen. Nun wird sich überwunden, angezogen und der Tag in der Kälte beginnt mit Rucksack packen und Zelt abbauen. Das macht keinen Spaß, da uns das mit Raureif überzogene Zelt die Finger eiskalt werden lässt.

Die Sonne kraucht über die Hänge, wir laufen gemütlich an der Lagune entlang. Spektakuläre Aussichten auf die angestrahlten Gipfel erfreuen uns. Nachdem wir ein Wenig bergauf gegangen sind und uns um umblicken, können wir auf die blau-grüne Lagune Solteracocha (4122m) herunter schauen. Die Gipfel spiegeln sich im Wasser.

Die Steigung hat es in sich. Mir macht die Höhe zu schaffen und ich muss zum Atem schöpfen immer wieder anhalten.

Um den Pass zu erreichen müssen wir ein steil abfallendes Schuttfeld queren. Das ist für mich ganz schön abenteuerlich.

Dann sind wir endlich oben. Es ist windig am Punta Sambuya (4740m). Hinter einem Stein essen wir Schoko-Kekse (46g). Der nächste Pass folgt sogleich. Der Punta Rondoy (4750m) ist aber wesentlich unspektakulärer als sein Nachbar.

An der Westseite der Quebrada Rondoy laufen wir lange leicht bergab und queren dann auf Eselspfaden im Zickzack den steilen Hang zwischen blühenden Büschen hindurch.In der Sonne im Tal unten am Fluss machen wir eine Mittagspause.

Dem Tal folgend geht es an grasenden Kühen auf einer nassen Wiese voran. Zwei nette Muttchen weisen uns den Weg.

Unter uns befindet sich eine Schotterpiste, die wir bei km 37 erreichen. Die Klohäuschen des Campingplatzes sind schon von weitem zu erkennen Heute sind wir die Einzigen hier. Es liegt viel Müll herum, den ein Mann beiseite räumt. Er schimpft über die vielen jungen israelischen Touristen, die wohl in Massen nach ihrem Militärdienst hier her kämen und sich daneben benähmen, die Klos nicht benutzten und ihren Müll liegen lassen würden. In dieser Gegend hören wir das häufiger, sie scheinen hier nicht den besten Ruf zu haben.

Tag 3: Laguna Mitucocha (4270m)

In dieser Nacht ist es sehr kalt geworden. In den Wasserflaschen befinden sich Eisstückchen. Ich muss die Zeltstangen mit warmen Atem anpusten, um sie auseinander zu bekommen. Als wir um Viertel vor Sieben loslaufen haben wir null Grad. Ein Mann kommt aus seiner strohbedeckten Hütte heraus und fragt aus welchem Land wir kommen und wie viele Kinder hätten. Als wir unser Nicht-Elterntum erklären, meint er, wir sollten doch wenigstens ein bambino in Peru machen.

Wir stöhnen vor Kälte und Anstrengung, denn sogleich geht es zur Sache dem Kliff entgegen. Die Sonne arbeitet sich langsam über die Berge ins Tal hinein. Der Schnee auf dem Rondoy leuchtet bereits golden. Wir haben Glück und sehen den Anden-Kondor majestätisch über uns seine Kreise ziehen. Ein wirklich großes Tier.

Nach zwei Stunden harter Arbeit erreichen wir den Pass Cacananpunta auf 4690m. Auf der anderen Seite breitet sich die Laguna Pucacocha in Kupferfarben unter uns aus. Ein weiteres Tal öffnet sich. Mit ein paar Erdnüssen im Bauch als Stärkung machen wir uns auf hinab zu den grasenden Eseln und Kühen.

Wir wählen eine Alternativtour zur Standartroute und bewältigen einen weiteren kleinen Pass auf einem grün bewachsenen Berghain. Hier soll es Fossilien geben, aber Hardy findet keine. An einem Berghang queren wir durch losen Schutt entlang, um nicht ins Tal hinab zu müssen. Danach geht es über huckeliges Gelände zum Fluss, unserem Platz zum Mittag essen. Als ich gerade die übliche Tütensuppe(86g pro Person…) koche, springt Hardy, plötzlich splitternackt, in den eiskalten Bergbach und wäscht sich sogar die Haare. Wow! Ich Weichei dagegen ziehe es vor dreckig zu bleiben.

Die Lagune Mitucocha erreichen wir am frühen Nachmittag. Hinter ihr türmt sich der Jirishanca auf. Neben dem Schilf führt ein Bächlein aus der Lagune heraus. Esel grasen. Es ist wunderschön!

Tag 4: Laguna Siula 4290m

Aufgrund der Bewölkung ist es in dieser Nacht gar nicht so kalt gewesen. Am Morgen haben wir sieben Grad im Zelt. Aber die tief hängenden Wolken betrüben uns, als wir flott auf der Grasebene vorankommen. Wir müssen nur aufpassen keine nassen Füße zu bekommen, denn unter unseren Wanderstiefeln macht es verräterisch schmatzende Geräusche.

Nachdem wir einen Bach übersprungen haben, beginnt mal wieder die Steigung zum Pass. Eselpfade führen auf den kargen Bergrücken hinauf. Den Pass Carhuac (4630m) erreichen wir schnell, ein karger, sandiger Sattel. Das Wetter wird ungemütlich, kalter Regen setzt ein, der in Hagel mündet. Schnell ziehen wir die Regenklamotten über. Wir sind im Nebel, die Aussicht ist gleich Null. Zum Glück dauert es nicht ewig an.

Wir erreichen einen See, an dem eine Schafherde grast, unter ihm befindet sich die große Laguna Carhuacocha (4138m) mit dem unbeschreiblichen Bergmassiv des Jirishanca, Yerupaja Chico und Yerupaja an ihrem Ende. Leider verwehren uns die Wolken den Blick auf die völligen Ausmaße dieser gigantischen Berg-Riesen.

Ein Mann kommt aus einer Hütte. Es ist Wenseslau Simeon Flores. Er lebt hier mit seiner Frau, hat 500 Schafe und vermietet Esel an schlappmachende Touristen. Wir unterhalten uns eine Weile. Er fragt nach Tabletten gegen Husten und einer Uhr. Mit beidem können wir nicht dienen. Am Ende empfiehlt er uns eine Abkürzung, um auf direktem Wege zur Lagune Siula zu gelangen. Dort sei kein Campingplatz, aber er meint, wir können dort ruhig zelten, dann hätten wir es morgen nicht so weit zum anstrengenden Aufstieg hinauf auf den folgenden Pass.

Nachdem wir einen Abhang im Zickzack herunter gelaufen sind, kommt uns ein wütend bellender Hund entgegen. Ein altes Muttchen mit langen Zöpfen, schiefen Zähnen und einem dicken Rock hinterher, ein gekonnter Steinwurf folgt und Ruhe ist. Die lustige, alte Dame will sich unterhalten. Sie ist 70 und hat zwölf Kinder in den Hütten großgezogen. Nun lebt sie mit ihrem Mann allein hier. Sie haben Kühe und Schafe. Produzieren Milch, Käse und Wolle. Ihr Mann ist gerade nach Baños gereist, um den einmonatigen Einkauf zu tätigen. Auch sie fragt uns nach Tabletten. Wir wissen nicht so recht, ob wir ihr unsere wenigen Schmerztabletten geben sollen und entscheiden uns lieber ihr einen halben Käse abzukaufen. Auch darüber freut sie sich sehr und zeigt uns sogleich ihr Küchenhaus. Mit 700g mehr Gewicht, aber dafür einer Bereicherung unseres Speiseplanes, laufen wir dann gefolgt von einem anderen Terrorstressköter über die feuchte Ebene.

Noch einmal hart wir es am Nachmittag, denn erst queren wir zahlreiche Bäche, um dann in einem trockenen, steinernen Flussbett bergauf zu stapfen. Einem kleinen See folgt endlich die Laguna Siula (4290m). Still liegt sie in die Berge eingefasst. Büsche wachsen an ihrem Ufer. Ein Bach gurgelt. Auch hinter ihr türmen sich schnee- und eisbedeckte Gipfel auf.

Wir werfen die Rucksäcke ab und erklimmen eine Moräne. Hinter ihr befindet sich die hellere Lagune Quesillococha (4392m). Gerade als wir den Rand der Moräne erreicht haben, löst sich hoch oben ein Lawine. Poltern fallen Schneemassen hinab, bishin das Schnee in die Lagune rieselt. Eisstücken schwimmen im Wasser. Ein beeindruckendes und gigantisches Schauspiel der Kräfte!

Wir beeilen uns mit dem Zeltaufbau, denn es wird schon wieder kalt. Leider ist unser Schlafkomfort durch die Schräglage des Hanges sehr geschmälert. Trotzdem ist dies der für mich schönste Schlafplatz auf unserer Wanderung. In der Nacht gehen immer wieder donnert Lawinen ab. Ein schauriges Geräusch im Hintergrund.

Tag 5: Lagunas Mitococha (4485m)

Leider ist es nach wie vor bewölkt, als wir am Morgen aufbrechen. Wir laufen an unserer Lagune vorbei und finden einen schmalen Trampelpfad, der uns bisher verborgen geblieben war. Er ist zugewuchert und leicht rutschig. Zur einen Seite geht es steil bergab. Vorsicht ist geboten, lieber auf den Boden schauen, als die tolle Aussicht zu genießen. In Serpentinen geht es hinauf, bis eine Hochebene folgt. Hinter ihr erstreckt sich ein Schuttfeld, welches wir auch erklimmen müssen.

Hinter uns liegen ruhig die Lagunen, dahinter die hohen Berge. Ganz toll ist es hier, leider immer noch tief bewölkt.

Als wir den kleinen Pfad durch das Schuttfeld folgen, beginnt es zu schneien. Ganz zur Freude Hardys, hatte der doch seit dem Winter 2010/2011 keinen Schneefall mehr erlebt.

Eine Wahnsinns-Rundumsicht eröffnet sich uns auf dem Pass (Siula Punta 4830m). Kaum sind wir oben, als von der anderen Seite ein Junge mit seinem kleinen Hund ankommt. In der Hand trägt er zwei Eimer mit Coca-Cola-Flaschen. Diese verkauft er hier für einen rasanten Preis an Touristen. Er fragt uns auch sogleich wie viele Gruppen denn noch kommen würden und ist erstaunt, dass wir allein unterwegs sind. Wir bleiben noch eine Weile auf diesem kalten Punkt, bis schließlich auch Hardy einsieht, dass die Wolken sich sobald nicht verziehen werden und wir mit der gigantischen Aussicht einfach Pech gehabt haben…

Der Abstieg beginnt, in der Ferne sehen wir schon die Laguna Carnicero (4430m), über der wir eine Keks-Pause einlegen. Der alte Inca Trail auf welchem wir gehen, ist teilweise noch richtig gepflastert und gut erkennbar.

Kurz vor dem Campingplatz Huayhuash überholt uns eine Gruppe schwer beladener Esel samt Treiber. Die armen Tiere sehen nicht gut aus und sind mit Kisten und Taschen beladen, sogar eine Gaspulle wird mitgeschleppt. Die Touristen dieser Gruppe kommen aus Israel, eine deutsche Frau hat sich ihnen angeschlossen. Es ist erst früher Mittag, wir stapfen durch den Campingplatz und setzen unseren Weg fort. Zudem haben wir gar keine Lust auf lautes Gruppencamping.

Zu den beiden Lagunen Mitococha geht es sanft bergauf. Bald liegen sie unter uns. Wir gehen vom Weg ab und suchen uns an ihren Enden ein trockenes Plätzchen für unser Zelt.

Tag 6: Thermalquellen bei Laguna Viconga (4380m)

Heute Morgen ist es mal wieder besonders kalt. Minus 0,5 Grad zeigt das Thermometer, als wir loslaufen. Zum Glück wird uns durch die Bewegung bald warm. Es geht leicht bergauf. Nach einer Stunde erreichen wir den Pass (Portachuelo de Huayhuash 4780m). Auf den großen Felsbrocken springen lustige, Chinchilla-ähnliche Tierchen herum (viscachas).

Unsere Blicke schweifen auf die schneebedeckte Cordillera Raura. Schön ist es hier. Unter uns breitet sich die große Lagune Viconga aus. Tiefblau liegt sie vor uns, sie scheint ein Stausee zu sein.

Die nahen Thermalquellen können wir nach einer schmackhaften Steigung schon erkennen. Neben einem Haus befinden sich zwei Betonpools. Wir sind allein hier und schwingen uns sogleich ins heiße Wasser. Endlich waschen! Leider ist das Wasser unangenehm super-heiß. Wir kommen kaum rein und können uns auch nicht bewegen. Unsere Kreisläufe fahren runter, wir werden schrecklich müde und träge. Schnell sind wir wieder draußen und waschen nur noch die Haare. Da sehen wir schon eine Gruppe Touristen nahen. Da haben wir keine Lust drauf und verziehen uns zu einem nahen Feld wilder Thermalquellen, die Hardy bei einem Rundgang entdeckt hat.

Hier dampft und brutzelt es aus der Erde, auch einen kleinen natürlichen Pool gibt es. Wir bauen hier unser Zelt auf. Leider zieht es sich zu. Was natürlich keine Hinderung für Hardy darstellt sogleich noch einmal ins warme Wasser zu hüpfen. Es beginnt zu hageln. Während ich im Zelt im warmen Schlafsack sitze, vergnügt er sich eine Stunde lang heiter draußen im dampfenden Wasser und spielt mit den Hagelkörnern.

Tag 7: kurz vor Huayllapa (3850m)

Morgens passieren wir schnell den offiziellen Campground, auf dem das Gruppenleben gerade beginnt, und beginnen den Hang hinaufzusteigen. Heute erwartet uns der höchste Pass dieser Runde, der Punta Cuyoc mit fast 5000m. Es geht durch hohes Gras, vorbei an kleinen Seen. Große Steinbrocken liegen herum, die Hänge sind karg. Der Pass selbst ist dominiert von grauem Sand und großen Steinmännchen. Die Freude währt kurz, denn es ist sehr kalt und windig.

Nicht nur der Aufstieg, auch der Abstieg ist anstrengend. Denn es geht eine gefühlte Ewigkeit steil auf losem Geröll in engen Serpentinen bergab. Endlich haben wir wieder Gras und Erde unter den Füssen. Kekse müssen her. Da kommen auch schon die Packtiere von gestern vorbei. Wir sind bereits die amigos der Treiber, freundlich wird sich gegrüßt.

Auf einer offenen, windigen Ebene befindet sich zwischen Steinbrocken neben vielen Schafen schon der offizielle Campingplatz. Wir ziehen weiter. Das Tal verengt sich, es geht wieder bergauf. Auf einem wunderschönen Platz weit über dem Fluss zwischen Felsbrocken und Blümchen grasen zwei Esel. Wir machen eine Pause. Nachdem sich die Tier an uns gewöhnt haben, kommen sie näher und riechen an uns. Der eine lässt sich sogar streicheln und sucht den Kontakt. Ansonsten sind die Tiere eher menschenscheu. Schade, dass es hier kein Wasser gibt, zu gern wären wir hier geblieben. So wandern wir wieder bergab, um das Zelt auf einer kleinen Ebene nur kurz über dem Fluss aufzubauen.

Tag 8: Quebrada Gashpampa (4600m)

Am frühen Morgen laufen wir eine Stunde neben dem gurgelnden Gebirgsbach bis wir den Ort Huayllapa erreichen. In den Ort hinein müssen wir nicht, haben wir noch genügend Lebensmittel und biegen sogleich auf eine lose Steinpiste ab, den Hang hinauf. Nun beginnt der spaßige Teil des Tages, die Steigung, die nicht mehr aufhören wird. Denn 1250 Höhenmeter sind zu überwinden. Ziemlich steil beginnt der Aufstieg, immer am Bach entlang. Wir kommen ins Schwitzen. Heute muss mal Musik her, damit geht es dann ganz gut.

Endlich lässt auf einer Ebene die Steigung etwas nach. Wir befinden uns nun im ganz kargen Hochland. Bäche münden in eine kleine Lagune. Es ist still hier. Wir machen eine lange Mittagspause. Noch einmal eine halbe Stunde geht es hinauf zum Pass Punta Tapush (4770m). Unter uns breitet sich wunderschön die Laguna Susucocha (4740m) aus. Wir sind so verzückt, dass wir nicht auf den richtigen Weg achten und einfach dem breiten anstatt dem schmalen Pfad folgen. Diese dämliche Aktion kostet uns 45 Minuten und lässt uns umkehren, als wir den Fehler bemerken. Wieder am Pass angekommen laufen nun im Dauermarsch an der Lagune vorbei. Wir sind bereits müde und wollen Schluss machen. Hinter dem See geht es bergab in den folgenden Distrikt. Wir sehen bereits worauf wir gewartet hatten. Neben einem Bach befindet sich ein weiterer Campingplatz und auch alte Steinmauern. Hinter denen bauen wir vom Wind geschützt das Zelt auf und kochen fix. Auf 4600m ist dies unser höchster Campingplatz bisher. Wir haben eine sternenklare Strahlungs-Nacht.

Tag 9: Laguna Yahuacocha (4050m)

Nun hat mich auch einmal die Höhe erwischt. Am Morgen habe ich Kopfschmerzen und fühle mich matschig. Etwas verspätet brechen wir auf. Ich kämpfe mich matt voran und muss dauernd anhalten. Nach einer Pause und Süßkram als Stärkung geht es etwas besser. Nach der Überquerung eines Geröllfeldes komme auch ich irgendwann am Pass (Llaucha Punta 4850m) an und bin darüber heilfroh. Ich verziehe mich in den Windschatten eines Steines und mache die Augen zu. Hardy besteigt einen nahen Gipfel und genießt eine Nahbegegnung mit einem Kondor. In der Ferne bestaunt er den Yerupata und die Cordillera Blanca.

In Serpentinen geht es bergab. Hier grasen Bullen mit spitzen Hörnern, um die wir lieber einen Bogen laufen, als einer eine Drohgebärde macht. Heute pausieren wir oft. Beide merken wir die Anstrengungen der vergangenen Tage. Zum Glück ist es nicht mehr weit bis zu unserem Campingplatz des ersten Tages an der Laguna Yahuacocha. Wunderbar breitet sie sich vor den schneebedeckten Bergen unter uns aus. Bereits von oben können wir aufgereihte Zelte erkennen.

Als wir unten ankommen gesellt sich erst der señor, der hier Bier verkauft zu uns, dann die guía einer französischen Gruppe. Wir leisten uns heute auch mal eine überteuerte Coca Cola, denn wir wollen anstoßen auf die bestandene Wanderung und unser 2-jähriges Reisejubiläum. Auch haben wir neulich erst die 25.000km geknackt. Das süße Gesöff schmeckt fantastisch gut! Wir fühlen uns wie die Könige, als wir neben unserem Zelt am Hang etwas über den anderen Gruppen, deren Teilnehmer mit ihren schlaffen Tagesrucksäcken nach und nach fertig eintrudeln, die Szenerie beobachten, alles kommentieren und Revue passieren lassen. Das ist besser als Fernsehen!

Tag 10: zurück in Huaraz

Im Dunkel laufen wir kurz vor Fünf los, denn wir wollen spätestens um zehn Uhr in Llamac sein, um Tickets für den Bus zu kaufen. Diesmal wählen wir den Kanalweg, auf und neben einem alten Aquädukt. Er windet sich in vielen Kurven um den Berg herum und zieht sich ganz schön hin. Straff laufen wir voran und machen kaum Pausen.

Um neun Uhr sehen wir das Dörflein unter uns. Wir haben noch Zeit bis der Bus abfährt und hauen uns mit einer 3l Flasche Peru Cola Limón, Äpfeln und Brot auf die plaza. Man, schmeckt das gut!

Im Bus treffen wir auf die israelische Gruppe und die deutsche Frau und unterhalten uns über unsere verschiedenen Erfahrungen.

Die Busfahrt zieht sich ewig hin. Am späten Nachmittag erreichen wir gerädert Huaraz. Es ist eine hektische und wirklich nicht schöne Stadt. Aber interessant ist es durchaus sich in diesem Ameisenhaufen zu bewegen. Im Hostal treffen wir auf zwei niederländische Radler mit denen wir uns lange unterhalten.

Freudig können wir uns lange unter eine heiße Dusche schwingen, dann geht’s ins City Center, um unser 2-jähriges gebührend mit zwei Familienpizzen und Bier zu feiern. Was für ein Gaumenschmaus! Wir sind so fertig, dass wir unser Bier nicht einmal aufkriegen und schließlich mit einem Taxi ins Hostal zurückfahren.

Nun wird erst mal ausgespannt und die weitere Route vorbereitet. Unser nächstes großes Etappenziel, Cuzco, ist rund 2000km entfernt.

Fazit:

Die Huayhuash-Runde stellt für uns beide eines der bisherigen Highlights unserer Reise dar. Es ist unglaublich sich in dieser Höhe und vor allem so nah an den Bergen und Gletschern zu bewegen. Aufgrund unserer Fitness, unserer Höhenakklimatisation und des Gewohntseins auch bei schlechtem Wetter und niedrigen Temperaturen die ganze Zeit draußen zu sein, also nicht nur der körperlichen, auch der mentalen Fitness, haben wir die Runde ganz gut geschafft und sind im Vergleich zu unbepackten Wanderern „locker“ dahin gelaufen. Auch wenn es für uns natürlich auch anstrengend war! Die körperliche Herausforderung sollte nicht unterschätzt werden.

Huayhuash ist ein beliebtes Ziel diverser Gruppen, immer neue werden in die Berge hinauf gekarrt. Mit viel „Verkehr“ muss also gerechnet werden. Leider hat dies zur Folge, dass jede Menge Müll in den Bergen herum liegt. Wenn wir uns des Weges unsicher waren, lautete der Slogan: „Folge den Klopapierfetzen!“ – die wirklich überall herumfliegen.

Die Esel und Pferde sehen schlecht aus und werden nicht gut von ihren Treibern behandelt.

Die Cordillera Huayhuash ist kein Nationalpark, Verhandlungen darüber laufen, es wird sich jedoch von den Gemeinden dagegen gewehrt. Momentan brodelt ein Konflikt zwischen beiden Parteien, der aber die Touristen nicht betrifft. Es gibt keine einmalige Eintrittsgebühr. Wie schon zu Anfang erwähnt, wird hier für die Wanderer in jedem einzelnen Distrikt eine Ticket-Gebühr fällig. Diese bewegt sich zwischen 15 und 40 Soles. Insgesamt kann mit rund 200 Soles für die gesamte Runde gerechnet werden, wobei die Preise jährlich steigen sollen.

In angenehmen Abständen gibt es offizielle Campingplätze mit Bach und Klohaus. Da wir andere Etappen als die Gruppen gelaufen sind, haben wir meistens nicht auf den Campingplätzen übernachtet (was nicht gern gesehen wird).

Thema Sicherheit: Im Vorfeld hatten wir uns mit einem guide in Huaraz unterhalten, der von den letzten Morden an Touristen vor vier Jahren berichtet hatte und meinte es sei sicher. Solange die Wanderer kooperieren, also brav die Ticketgebühr begleichen würden, sei alles in Ordnung. Wenn nicht, können sie schnell arge Probleme bekommen.

Im Nachhinein haben wir von dem guide der israelischen Gruppe nicht nur von Überfallen auf allein reisende Wanderer gehört, sondern auch gleich von Morden und Zerstückelungen, die immer wieder, also auch aktuell vorkommen sollen. Diese Information hat uns nachdenklich werden lassen und der Wanderung einen anderen Beigeschmack gegeben. Vielleicht haben wir Glück gehabt, vielleicht auch nicht, das können wir nicht so genau einschätzen.

Wir haben uns vor Ort sehr sicher gefühlt und hatten wirklich netten Kontakt mit den Menschen!

Packliste – Essen: 

morgens: 2kg Haferflocken gemischt mit 1Pkg Kakao- und Milchpulver, 300g Zucker, 250g Erdnüssen

mittags: 18x86g Chinanudeln-Tütensuppe, 500g Ersatznudeln

abends: 6x80g Tomatenmark, 11x200g Grieß (semola), Gewürze, Salz

trinken: 1unze Kokablätter, 200g Zucker, 50g Instant-Kaffee

Snacks: 22x48g Schokokekse (cariño), 500g Erdnüsse, Bonbons, 2x380g manjar

(2l Benzin)

In der Galerie findet Ihr weitere Fotos!

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